Preussen Krefeld: Leichtathletik-Abteilung gehörten Hubert Houben, Brigitte Holzapfel, Kriemhild Limberg und Karl-Heinz Sievers an.

Verein feiert Jubiläum : Preussens Leichtathleten werden 100 Jahre alt

Vor 100 Jahren wurde die Leichtathletik-Abteilung von Preussen Krefeld gegründet. Über Jahrzehnte hinweg war mit dem Vereinsnamen der Gedanke an Spitzensport in der Leichtathletik verbunden. Vier Sportler nahmen sogar an Olympischen Spielen teil.

Wir springen zurück ins Jahr 1919. Der Erste Weltkrieg ist seit gut einem Jahr vorbei. Fußballfreunde des CFC Preussen 1895, jener Verein, der aus der Fusion des Crefelder FC 1895 und FC Preussen 1904 Krefeld im Jahr 1911 entstanden war, fanden sich zusammen, um auch in der fußballerischen Sommerpause noch gemeinsam Sport zu treiben und einem anderen Wettkampfsport nachzugehen. Die Gruppe um Erich Neuenhofen gründete so eine Leichtathletik-Abteilung.

Die Anfänge der Wettkämpfe sind mühsam und mit den heutigen Bedingungen nicht mehr zu vergleichen. In den ersten Jahren wurden überregional bedeutende Wettkämpfe auf einer abgesteckten Grasnarbe ausgetragen  und unter diesen Bedingungen dennoch 100 Meter-Zeiten gelaufen, die man auf einem „Acker“ kaum erwarten konnte. So soll Hubert Houben, das Aushängeschild der noch jungen Abteilung, dabei die Fabelzeit von 10,3 Sekunden gelaufen sein – international wurde das Ergebnis allerdings nicht anerkannt. Der gebürtige Gocher arbeitete in Krefeld bei einer Bank und widmete seine freie Zeit der Leichtathletik. Im Jahr 1922 wurde er dadurch bekannt, dass er bei einem Wettbewerb in Leipzig Weltbestzeit lief. Internationales Ansehen erlangte er bei einem Berliner Abendsportfest als er am 6. August 1924 die US-Sprinter Charles Paddock (Inhaber des 100-Meter-Weltrekordes) und Loren Murchison (später Olympiasechster 1924 im 100-Meter-Lauf) besiegte. Im gleichen Jahr gewann er den 220-Yards-Lauf bei den offenen englischen Meisterschaften, und in Kopenhagen verbesserte er den 100-Yards-Weltrekord auf 9,5 Sekunden und galt seitdem als schnellster Läufer der Welt. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1924 in Paris blieb ihm verwehrt, da deutsche Sportler als Folge des Ersten Weltkrieges nicht teilnehmen durften. Houben war 13 Mal Westdeutscher Meister, neunmal Deutscher Meister und zweimal englischer Meister und nahm 1928 an den Olympischen Spielen in Amsterdam teil. Im November 1956 starb er an Kehlkopfkrebs; knapp zwei Wochen später benannte der Stadtrat den Blumenthal-Sportplatz mit dem noch heute gültigen Namen „Hubert-Houben-Kampfbahn“ um.

Hubert Houben sollte nicht der letzte Olympionike des Vereins bleiben. Diskuswerferin Krimhild Limberg, geborene Hausmann, nahm 1960 an den Spielen in Rom teil  und wurde Vierte, vier Jahre später in Tokio erreichte sie Rang sieben. Und erneut vier Jahre später startete Karl-Heinz Sievers in Mexiko und belegte den 23. Platz im Marathonlauf.

Hubert Houben gehörte in der 1920er zu den weltbesten Sprintern. Foto: Repro: Oliver Schaulandt

Es folgten viele erfolgreiche Jahre, in denen die „Rothosen“, insbesondere auf Langstrecken bis hinauf zum Marathonlauf und bei Staffelläufen über lange Strecken außerordentlich erfolgreich waren. Initiator dieser Erfolge war Karlfried Maluga, der, selbst exzellenter Marathonläufer, eine große Gruppe begeisterter Marathonläufer um sich scharte. Namen wie Sievers, Speckmann, Bessel, Zarpartey und Charnitzka schrieben sich auf der Langstrecke in die Geschichtsbücher des Sports in Krefeld und weit darüber hinaus ein. Die deutschen Meisterschaften im Marathonlauf 1967 trug der Club vor 15.000 Zuschauern im Krefelder Stadtwald aus. Lokalmatador Kalle Sievers wurde mit großem Abstand deutscher Meister, die Preussen-Mannschaft ließ die Konkurrenz weit hinter sich. 1971 beendete Sievers seine Karriere.

Mit Brigitte Holzapfel trat zur Mitte der 70er Jahre eine erfolgreiche Mehrkämpferin ins Licht der Öffentlichkeit. Als zweimalige Deutsche Jugendmeisterin im Hochsprung zwischen 1975 und 1977, Europäische Juniorenmeisterin im Fünfkampf und 11. im Hochsprung der Olympischen Spiele 1976 in Montreal krönte sie die Bilanz der Preussen in den 70ern.

Krimhild Limberg-Hausmann ist mehrfache Rekordhalterin des Deutschen Rekordes im Diskuswerfen. 1960 und 1964 nahm sie an Olympischen Spielen teil und landete bei beiden Weltspielen unter den besten Sieben. Foto: Repro: Oliver Schaulandt

Heute ist der aus der Abteilung des KTSV Preussen Krefeld 1855 entstandene Leichtathletikverein Preussen Krefeld Leichtathletik e.V., der 2010 gegründet wurde, in der Leichtathletikausbildung für Kinder im Vorschulalter, Schüler und Jugendliche aktiv. Er betreibt eine Sportgruppe für Erwachsene, eine integrative Gruppe und unterhält einen Stützpunkt für das Sportabzeichen auf der Hubert-Houben Anlage. 250 Mitglieder gehören ihm an.

Hochspringerin Brigitte Holzapfel wurde 1976 Elfte bei Olympia. Foto: Repro: Oliver Schaulandt

Mit 250 Mitgliedern ist er nach wie vor auf der Hubert-Houben-Anlage beheimatet. Er führt seit vielen Jahren den Charity-Run im Krefelder Stadtwald gemeinsam mit dem Kinderschutzbund durch, organisiert im Rahmen der Kinderleichtathletik immer wieder die Hubert-Houben-Spiele und engagiert sich für die Erhaltung des traditionellen Martins-Cross-Laufes in Krefeld, den er in diesem Jahr am 10. November auf der Hubert-Houben-Anlage durchführen wird.

Karl-Heinz „Kalle“ Sievers (rechts) beim Marathon. 1968 belegte er bei den Olympischen Spielen in Mexico Rang 23. Foto: Repro: Oliver Schaulandt

Mit Material von
Christoph Staufenbiel

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