Krefeld: Presswerk Krefeld erreicht Etappenziel

Krefeld: Presswerk Krefeld erreicht Etappenziel

Das Presswerk Krefeld (PKW) hat im ersten Jahr der Konzernunabhängigkeit alle Etappenziele erreicht. Nach dem Zukauf zweier Firmen aus Sachsen und der Loslösung von der us-amerikanischen Company MacLean zieht Geschäftsführer Dr. Harald Dorth zufrieden Bilanz.

120 Millionen Euro Umsatz mit 700 Beschäftigten an vier Standorten stehen für das erste Geschäftsjahr der PWK Automotive zu Buche. Die Unternehmensgruppe mit Zentrale in Linn hat nach dem Zukauf der schwer angeschlagenen beziehungsweise insolventen sächsischen Firmen Ibex Automotive und Gebrüder Kuntze ein positives Jahresergebnis erzielt.

Zwei Millionen Euro hat PWK im ersten Jahr in die Produktionsanlagen der sächsischen Betriebe in Gelenau, Schönbrunn und Zittau investiert, um modernen Ansprüchen bei der Herstellung von Komponenten für Bremsen, Sicherheitsgurte und Stoßdämpfer zu genügen. In Krefeld fertigt das Unternehmen Komponenten für Radaufhängungen und Lenkungen.

Das Presswerk Krefeld hat eine Geschichte, die bis ins Jahr 1898 zurückreicht. Nach den Zukäufen in Sachsen startete PWK Automotive als selbstständiges Unternehmensgruppe neu. Foto: PWK

"Wir haben durch die Zukäufe nun unser Produktportfolio erweitert und auch den Kundenstamm vergrößern können", sagte Dorth im Gespräch mit unserer Redaktion. Zu den bisherigen Großkunden THK Rhythm Automotive (unter japanischer Führung) und ZF Friedrichshafen AG (der weltweit zweitgrößte Automobilzulieferer) sind unter anderem so namhafte Abnehmer wie Bosch, Thyssen Krupp Bielstein und Continental hinzugekommen. "Wir haben so in den vergangenen zwölf Monaten 340 Arbeitsplätze in Sachsen gerettet und 360 in Krefeld stabilisiert", sagte Dorth.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien in einer "angespannten Automobilwelt" nicht unbedingt die leichtesten gewesen. Hohe Tarifabschlüsse für die Beschäftigten und kräftig gestiegene Preise für das Rohmaterial in Kombination mit einem enormen Wettbewerbsdruck erschwerten die Anstrengung, ein in Einnahme und Ausgaben gutes Ergebnis zu erzielen. Im Jahr zwei nach der Gründung der selbstständigen Unternehmensgruppe soll die Zusammenführung der Elektronischen Datenverarbeitung, der Disposition, der Steuerung und die Harmonisierung der Abläufe realisiert werden, berichtete Dorth. Darüber hinaus investiert PWK in 2018 rund 4,5 Millionen Euro in den Standort Krefeld an der Idastraße.

Mit einer neuen Vergüteanlage können die gepressten Automobilteile gehärtet werden. In Linn verfügt PKW Automotive über rund 65.000 Quadratmeter Betriebsgelände mit 28.000 Quadratmetern Hallen. Auch die Firmenflächen in Zittau und Gelenau sind im Eigentum der Gruppe. In Gelenau sollen in den kommenden zwei Jahren weitere vier Millionen Euro in moderne Anlagen- und Fertigungstechnik investiert werden. Derzeit ist das Unternehmen auf der Suche nach Zerspanungsmechanikern für unterschiedliche Fertigungsprozesse. Auch zwei Ingenieurstellen warten auf Bewerber.

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Die sächsischen Standorte entstammen der Gebrüder Kunze GmbH und ihrer Schwestergesellschaft Ibex Automotive GmbH, die am 10. Februar 2016 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzanträge gestellt hatten. Das neue Unternehmen um das Presswerk Krefeld sicherte sich die Firmenessenzen wie Gebäude, Anlagentechnik und Maschinenpark. Auch die nach der Insolvenz dort noch beschäftigten 320 Mitarbeiter wurden übernommen und die Fertigung fortgeführt.

"In Zusammenarbeit mit Krefeld produzieren wir unter der Firmierung PWK Ibex am Standort im Gelenauer Gewerbegebiet Am Gründel inzwischen effektiver und umfangreicher als das vor der Insolvenz der Fall war", erklärt Harald Dorth und bestätigt den Erzgebirgern eine hohe Motivation, Leistungsbereitschaft und fachliche Qualifikation. Mit der Zusammenführung habe sich das Gesamtsortiment an sicherheitsrelevanten Teilen für die Automobilindustrie erweitert und werde auch zukünftig den ständig wachsenden Anforderungen der deutschen und europäischen Fahrzeughersteller gerecht.

Schon vor der Übernahme habe es umfangreiche Gespräche mit den Kunden der Gebrüder Kunze GmbH gegeben, die zum großen Teil aus den Krefelder Auftragsbüchern bekannt waren. "Keiner von ihnen ist während der einjährigen Insolvenz abgesprungen."

Mit Blick auf die politische Diskussion zur Zukunft des Verbrennungsmotors sieht Dorth das Unternehmen auf der sicheren Seite. "Wir fertigen keine Komponenten für Motor- oder Antriebstechnik. Unsere Erzeugnisse sorgen für Sicherheit und Komfort in den Fahrzeugen", konstatiert der 57-Jährige. "Unsere Teile für Lenkung, Radlager, Stoßdämpfer oder Sicherheitsgurte finden sich in dieser oder ähnlicher Form auch in Elektroautos wieder."

(sti)