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Premiere im Theater Krefeld - Publikum feiert flotte Revue gegen Corona-Tristesse

Theater Krefeld : Flotte Revue gegen Corona-Tristesse

Ein ernstes Thema mit Lust und Humor aufbereitet – das ist ein Vergnügen. Das Premierenpublikum feiert begeistert „Alle maskiert“. Das bewährte „Brexit“-Team gibt alles.

Autor Ulrich Proschka, der bereits mit seiner „Brexit“- Produktion die Theaterbesucher begeistert hatte, näherte sich im Frühjahr auf Bitten von Operndirektor Andreas Wendholz mit ähnlich umwerfendem Einfallsreichtum dem weitaus problematischeren Dauerthema „Corona“. Diesmal klang auch durchaus Nachdenkliches an. Beispielsweise: „Hinter jeder Maske steckt ein Mensch mit Glück, mit Sorgen und mit ’nem Gesicht.“ Das bedachte auch das Masken tragende Publikum im gut besuchten Theater Krefeld, das die Premiere der „Corona-Revue“ mit ausgiebigem Beifall und Bravi feierte.

Proschkas Handlungsebene ist der Fernsehsender Novo. Dessen Produzentin (Debra Hays), die raucht, „nicht mehr die Jüngste ist“ und versucht, sich mit Trumps Chloroquin fit zu halten, wird im Frühjahr 2020 von mehreren Krankmeldungen („vermutlich Corona“) ihrer Mitarbeiter gebeutelt. Daraufhin entscheidet sie aus pekuniären Gründen knallhart, dass ihre Nachrichtensprecherin und Journalistin (Gabriela Kuhn) und ihr Moderator (Markus Heinrich) sowohl das Nachrichtenmagazin als auch die Late-Night-Show (beides soll live gesendet werden) übernehmen müssen. Proteste der in ungewohnte Rollen Gezwungenen helfen nicht. Der Praktikant (Matthias Wippich) ist vertretungsweise zum Assistenten avanciert und versucht, den Akteuren in ihren ungewohnten Positionen zu helfen und ihre zum Zerreißen angespannten Nerven zu beruhigen.

17 wie maßgeschneidert wirkende Songs sind Proschka zu diesem Plot eingefallen – sie reichen von Opernarien über Operettenmelodien – „Erkennungsmelodie“ ist „Alles maskiert“ aus der Operette „Nacht in Venedig“ – bis zu Schlagern unterschiedlichster Ausrichtung.

Wer in Coronazeiten an vorderster (TV-)Front ist, erscheint auch auf der Bühne: Das sind die diversen Virologen, natürlich Donald Trump, dann Markus Söder, die Spargelbauern, der Friseur, der „auf Abstand“ bedienen soll, die Ischgl-Mädels, die geplagte vierfache Home-Office-Mutter, der Verschwörungsmythiker, „Hamster Kauf“ und auch „Mutti“ – nicht nur die mit der Raute.

Das alles erfordert von den vier Protagonisten, die sich wieselflink auf der zweckmäßig gebauten Bühne (Udo Hesse) bewegen müssen – alleine der ständige Umbau des Fernsehstudios erfordert Koordination und Muskelkraft –  äußerste Wandlungsfähigkeit, schnelle Umzüge und vokale Präsenz. Das gelingt den  Vollblutakteuren makellos und bewundernswert stilsicher, müssen sie doch ständig zwischen unterschiedlichsten Genres wechseln.

Unterstützt werden sie von Michael Preiser. Er ist erhöht positioniert, quasi auf einer Empore, und überzeugt, wie bei ihm gewohnt, als einfühlsamer, sorgfältig und überaus brillant agierender Pianist. Einmal tauscht er sogar den Flügel gegen einen Kontrabass und einmal gegen ein Akkordeon aus – immer ist er die wohlklingende und hilfreiche Stütze – sicherlich unverzichtbar für die ständig wuselnden Sänger.

Helena Jackson ist mit ihrer ersten Regiearbeit an den Vereinigten Bühnen ein großer Wurf gelungen. Offenbar verfügt sie über ein unerschöpfliches Potenzial an Einfällen und an Humor. Darüber hinaus sorgt sie für das nötige Tempo,  sonst würde eine solche Nonsens-Show langweilig werden. Sie achtet um der ungezählten Jokes willen auf die dringend notwendige sorgfältige Diktion und lässt auch manchmal der Besinnung Raum. Denn im Grunde ist Corona wirklich nicht zum Lachen – doch ein wenig Freude und Ablenkung sind allemal hilfreich – so erklärte es die junge Engländerin auch im Interview. Und bei Wikipedia ist zu lesen: „Lachen baut Stresshormone ab, stärkt die Immunabwehr und die Lungenfunktion.“ Der Besuch der Corona-Revue „Alles maskiert – wir können ein Lied davon singen“ sei unbedingt empfohlen. Diese 90 Minuten sind eine gute Medizin gegen Corona-Tristesse.