Krefeld: Preiserhöhung - Wirte drohen Bezahlsender Sky mit Kündigung

Krefeld : Preiserhöhung - Wirte drohen Bezahlsender Sky mit Kündigung

Die Protest-Aktion Krefelder Wirte gegen den Bezahlsender Sky nimmt Form an. Gestern trafen sich rund 13 Betroffene in der "Torfabrik" Am Witschen.

Eingeladen hatten die Besitzer der Indoor-Soccer-Halle, Stephan Hoffmann und Thorsten Enger, zusammen mit dem "Karussell"-Betreiber André Schicks. Gekommen waren auch Wirte aus Krefelds Nachbarstadt Kempen. Sie alle kämpfen mit demselben Problem: Sky plant deftige Preiserhöhungen für Gastronomen, die ihren Gästen exklusive Sportübertragungen des Bezahlsenders, vor allem natürlich Fußball, anbieten wollen (wir berichteten).

Zwischen 620 und über 900 Euro brutto - je nach Größe der Wirtschaft - müssten die anwesenden Wirte pro Monat an Sky zahlen. Um am Ende rentabel zu bleiben, müssten sie das Dreifache davon an Umsatz einnehmen - streng genommen nur durch den Ausschank an Fußball-Fans. "Das kann nicht sein. Egal, wie man es dreht, wir Wirte stehen am Ende immer dumm da. Wir müssen schließlich unseren Kunden erklären, warum wir die Bier-Preise erhöhen oder aber das Sky-Abo gekündigt haben", sagt Stephan Hoffmann. Er spricht sich für eine Kündigung des Senders aus.

Für rund 20 Prozent der Betroffenen gut 30 Gaststätten-Betreiber in und um Krefeld könnte eine Kündigung des Sportsenders die Existenz gefährden. Dazu zählt auch die "Paulus-Klause" von Christina Schwitz-Lindner an der Hülser Straße. Trotzdem sagt die Wirtin des kleinen Familien-Betriebes: "Wir haben uns damals gegen das Rauchverbot in Kneipen gewehrt, wir werden auch diese unverschämte Preiserhöhung nicht klaglos hinnehmen. Dann lieber kündigen." Wie ihre Kollegen hofft auch sie auf das Verständnis ihrer Stammgäste.

André Schicks hat den entscheidenden Schritt bereits getan. Ab sofort ist sein Sky-Abo gekündigt, und im "Karussell" läuft kein Fußball mehr. "Wir sind natürlich traditionell auch eher eine Eishockey-Kneipe. Trotzdem hatten wir immer eine feste Anzahl Fußball-Fans, die bei uns die Spiele geschaut haben. Man muss aber auch ehrlicherweise sagen, dass die meisten Fans nicht auf uns angewiesen sind, weil sie zu Hause ihr eigenes Abo haben - zu deutlich günstigeren Konditionen."

Die einhellige Meinung der Wirte: Sky ermöglicht die günstigen privaten Abos durch die saftigen Aufschläge bei den Gastronomen. Auch Detlef Naphausen von "Nappi's Ecke" will sich nicht von Sky unter Druck setzen lassen. Er weiß aber auch: "Mein Kundenstamm ist fußballinteressiert. Sollte ich kündigen, werden viele davon todtraurig sein. Aber was habe ich für eine Wahl, bei den Preisen?" Ermias Tedla von "Doctor Flotte" stimmt ihm zu. Die Forderungen des Senders seien einfach überzogen, und man wüsste ja auch nicht, ob nicht schon nächstes Jahr eine weitere Erhöhung drohe. Stephan Hoffmann hofft auf die Loyalität seiner Gäste. Schon jetzt hat er viele positive Erfahrungen gemacht. "Ich werde überall darauf angesprochen und in unserem Protest bestärkt. Ich glaube, viele Kunden verstehen uns und finden unsere Reaktion richtig."

(RP)
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