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Prachtband zeigt, wie die Mode farbig wird

Textilmuseum Krefeld : Prachtband zeigt, wie die Mode farbig wird

Prächtige Stoffe und Kleider: Reine Augenweiden warten im Deutschen Textilmuseum darauf, dass sie wieder zu sehen sein werden. Ein großartig gestalteter Katalog kann die Zeit bis dahin überbrücken.

Was man alles über Farben erzählen kann! Wer das Mauvein erfunden hat; wie Leverkusen zu seinem Namen kam; warum Grün tödliche Folgen haben kann und worum es sich bei „mauve measles“ handelt. Antworten auf diese Fragen – die man sich vorher vielleicht gar nicht gestellt hat – und noch sehr viel mehr aufschlussreiche Details und Zusammenhänge finden sich in dem Buch „Zeitkolorit. Mode und Chemie im Farbenrausch. 1850 bis 1930.“

Es ist der Begleitband zu einer Ausstellung im Deutschen Textilmuseum (DTM). Sie wurde im vergangenen September eröffnet und ist derzeit natürlich nicht zu sehen. Die Präsentation wird vorerst nicht abgebaut und soll entgegen der ursprünglichen Planung zunächst bis August stehen bleiben. Wann wieder Publikum ins Museum kann, ist noch unklar. Mit dem Thema Farbe kann man sich aber vortrefflich mit der Aufsatzsammlung beschäftigen. 39 Beiträge von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und eine gemeinsame Einführung sind hier zusammengetragen. Forscher aus den Bereichen Chemie, Wirtschafts- und Kunstgeschichte, Kostümforschung, Textilwissenschaften und -restaurierung haben sich im Rahmen des vom Bildungsministerium geförderten Projektes „Weltbunt“ über drei Jahre hinweg intensiv mit den Fragen zur Farbe beschäftigt.

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Ausgangspunkt: Die Farbstoffsammlung der Hochschule Niederrhein. Zu ihr zählen 10.600 Gebinde, an denen sich die Entwicklung der Farben seit der Erfindung des ersten synthetischen Farbstoffs im Jahr 1856 ablesen lässt. Der 18-jährige Londoner Student William Henry Perkin hatte in seinem behelfsmäßigen häuslichen Labor den Versuch unternommen, aus Teer Chinin zu gewinnen. Was herauskam, war die erste synthetische Farbe. Sie färbte in einem Purpurton und erhielt den Namen „Mauvein“. Ihren Schöpfer nannte man „The mauve maker“.

Und die Damenwelt, die sich nun mit Kleidung in diesen trendigen Farbtönen schmückte, hatte die „mauve measles“ – die mauvefarbenen Masern. Bei manchen war es sogar ein Ausschlag, denn die Farben waren nicht immer ungefährlich. So manches Grün wurde mit Arsen hergestellt – da konnte schon mal ein Abend in grüner Robe gesundheitsgefährdend sein. Die Probleme bei der Herstellung synthetischer Farben ist ein Thema der Ägyptologin Ingrid Blom-Boer, Köln. Sie legt auch eine fast poetische Charakterisierung einiger Farben vor.

Mit der Erfindung dieser künstlichen Farbstoffe, deren Vielfalt sich rasant entwickelte, wurde die Welt bunt. Man konnte Textilien einfärben, und mit der Zeit wurde modische farbige Kleidung auch einem größeren Bevölkerungsteil zugänglich. Chemische Details erläutert, auch im Hinblick auf Restaurierung, Robert Fuchs, Köln. Er schreibt auch über die tierischen und pflanzlichen Färbemittel wie Kermesläuse und Cochenille und einen Indigokoffer. Jürgen Schram von der Hochschule Niederrhein berichtet über die Farbstoffsammlung und die Geschichte der Färbeschule in Krefeld.

Mit der Entwicklung der nun entstehenden chemischen Wissenschaft befasst sich die Krefelder Wirtschaftshistorikerin Stefanie van de Kerkhof. Interessantes Detail: Das Gelände um die Ultramarinfabrik von Dr. Leverkus und Söhne in Wiesdorf erhielt später den Namen Leverkusen. Das Geschäft mit den Farben hatte eine interessante und spannende Wechselwirkung mit der Entwicklung der Mode.

Karin Lindemann, Berlin, beschreibt an Beispielen aus dem Bestand des DTM, wie sich die Farbigkeit auf den Stoffen entwickelte, und geht auf ein besonderes Kleid oder ein bemerkenswertes Tuch ein.

Diese kurzen Betrachtungen, die auch andere Wissenschaftler beitragen, zeichnen sich neben ihrem informativen Gehalt auch durch die Gestaltung aus. Jedem Beitrag sind Fotos beigegeben, was dann zugleich den Hintergrund bestimmt. Der Text zu einem dunkelblauen Skianzug (um 1936) ist weiss auf dunkelblau gedruckt; ein Federfächer auf hellem Grau (Isa Fleischmann-Heck, DTM).

Der Einband zeigt das Muster eines Abendmantels in Wickelform, um 1925. Es ist ein Ausbrennersamt mit Seidenflor – heller Grund mit Grün und kräftigem Rosa. „Der Nünnerich-Asmus Verlag hat hier erstmals textile Struktur mit Hochglanzaufträgen verwendet“, sagt Museumsleiterin Annette Schieck. In einem ausdrucksvollen Ausschnitt hat sie dieses Muster auch für Plakate und Einladungskarten, für einen bedruckten Leinenbeutel und eine Schreibmappe verwendet.

Neben dem DTM und der Hochschule Niederrhein waren am Forschungsprojekt das Museum Schloss Rheydt, die TH Köln und die TU Dresden beteiligt. Entstanden ist ein farbenfrohes Lesebuch mit lauter klugen Beiträgen, die die 80 Jahre von 1850 bis 1930 aus je anderem Blickwinkel beleuchten und so vielerlei Antwort geben auf die Frage: „Was erzählen die synthetischen Farbstoffe über die Geschichte der Mode?“