Krefeld: Ponomarev kämpft um die Lizenz

Krefeld : Ponomarev kämpft um die Lizenz

Der KFC-Präsident weist jede Schuld zurück und bleibt dabei: Der Verein sei allen Forderungen fristgerecht nachgekommen. Im Fall der Lizenzverweigerung gibt es aber nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner.

"Am 30. Mai ist der Weltuntergang", schmetterte 1954 Kurt-Adolf Thelen. An dieses Lied, das es in den deutschen Charts immerhin zur Nummer eins brachte, werden sich nur die älteren Leser und Fußballfreunde erinnern. Doch für viele Fans des hiesigen Fußballvereins KFC Uerdingen ging am 30. Mai 2018 tatsächlich die Welt unter, denn für sie ist der Traum vom Aufstieg zwar wahr geworden, und doch wird es wahrscheinlich nur ein Traum bleiben. Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat an jenem Tag mitgeteilt, dass eine notwendige Finanzleistung des Vereins möglicherweise nicht fristgerecht eingegangen ist. Am Montag kommt das zuständige Gremium des Verbands zusammen und befasst sich mit dem Fall. Sollte das der Fall sein, wird Uerdingen die Lizenz für die Dritte Liga verweigert und der unterlegene SV Waldhof Mannheim steigt auf.

Wie konnte das passieren? Noch ist das ein Rätsel, doch KFC-Präsident Mikhail Ponomarev hat einen Hinweis gegeben. "Wir haben das Geld sogar zwei Mal überwiesen", heißt es in der Erklärung des Vereins. Das deutet darauf hin, dass beim ersten Mal etwas schief gelaufen ist. Denkbar also, dass die zweite Zahlung daraufhin nicht mehr fristgerecht beim DFB eingegangen ist. Natürlich hätte man einen größeren Zeitpuffer gehabt, wenn die erste Zahlung nicht so zeitnah des Fristablaufs erfolgt wäre.

Was sagt der KFC-Präsident? "Im Lizenzverfahren haben wir alle Punkte in vollem Umfang erfüllt, zu 100 Prozent transparent und korrekt gearbeitet und finanzielle Garantien in einer Höhe abgegeben, die in dieser Liga in Deutschland einmalig sind", sagt Mikhail Ponomarev. "Die Qualität unserer Dienstleister, die Arbeitsweise der Banken können wir nicht kontrollieren." Und er behauptet: "Unser Klub hat alles richtig gemacht, in vollem Umfang und in den notwendigen Fristen gearbeitet." Auch der DFB hat dies bislang noch nicht bestritten, sondern bei seiner Formulierung den Konjunktiv gewählt. Gestern untermauerte der KFC seine Position noch einmal: "Wir haben alles noch einmal kontrolliert und auf Richtigkeit überprüft und sind uns sicher, alle Unterlagen vollumfänglich eingereicht und allen Anforderungen rechtzeitig nachgekommen zu sein."

Wer trägt die Verantwortung? So ist es kein Wunder, dass Mikhail Ponomarev jede Schuld von sich weist. "Die Qualität unserer Dienstleister, die Arbeitsweise der Banken können wir nicht kontrollieren", sagt er.

Wer sind die Verlierer? Sollte dem KFC die Lizenz tatsächlich verweigert werden, so wäre dies für Mikhail Ponomarev ganz bitter. Er hat rund 2,5 Millionen Euro investiert und würde in seinem Vier-Jahres-Plan zurückgeworfen. Aber auch für die Spieler und den Trainer wäre es ein Tiefschlag. Zwar verfügen fast alle noch über Verträge bis 2019, doch ob die Wiederholung des sportlichen Erfolgs möglich wäre, ist fraglich. Auch die Fans müssten für die Ochsentour Regionalliga neu motiviert werden. Zu den Verlierern würden aber auch Fortuna Düsseldorf II, die absteigen müssten, und die anderen Regionalligisten zählen, die froh waren, einen großen Konkurrenten los zu sein. Nicht zuletzt der Nachbar MSV und die Stadt Duisburg, denen die Mieteinnahmen entgehen würden. Schließlich musste der KFC seine Heimspiele in der Dritten Liga in der Hinrunde in der Nachbarstadt austragen.

Gibt es Gewinner? Die gibt es auch, allen voran den SV Waldhof Mannheim, der dann aufstiege. Aber auch die Schatzmeister der anderen Regionalligisten, denn sie reiben sich die Hände, wenn das Zugpferd KFC mit vielen Fans kommt. Die Stadt Krefeld würde zwar ein weiteres Jahr überregional wenig beachtet, doch müsste sie die Sanierung der Grotenburg nicht unter ganz so großem Zeitdruck vorantreiben.

Seiten D 3 und D 5

(ths)
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