Polizeiausbildung: Mit der Waffe auf Streife durch Krefeld

Ausbildung : Mit der Waffe auf Streife durch Krefeld

Zum ersten Mal ist die 20-jährige Kommissaranwärterin Leonie Felsch am Montag in „ihrer“ Stadt im Polizeidienst unterwegs: „Dann werde ich sicher auch mit der anderen Seite von Krefeld konfrontiert.“

Für Leonie Felsch wird der kommende Montag kein Tag wie jeder andere. Zum ersten Mal wird die 20-jährige Kommissaranwärterin und gebürtige Krefelderin in „ihrer“ Stadt im Streifendienst unterwegs sein. „Vor einem Jahr hat sie mit der Ausbildung begonnen, seit einer Woche absolviert sie ihren Dienst in Krefeld“, sagt Polizeihauptkommissar und -ausbildungsberater Peter Oertel. Unterschiede in der Ausstattung zwischen Polizisten und Polizei-Azubis gibt es nicht. Oertel: „Sie trägt genauso eine Waffe und die entsprechende Ausrüstung, wie die anderen Kollegen. Schließlich wurde sie seit einem Jahr dafür ausgebildet.“

Drei Jahre dauert die Ausbildung bei der Polizei in NRW. Und die ist so attraktiv wie noch nie: 11.200 junge Leute haben sich 2017 um einen der 2300 Anwärter-Plätze für den Einstellungstermin 1. September 2018 beworben. Die wachsende Zahl von Widerstand und Gewalt gegen Polizisten, Auseinandersetzungen wie beim G20-Gipfel – das scheint Interessenten nicht zu schrecken. Zum Vergleich: 2017 waren es nur rund 9400 Bewerber, 2600 von ihnen schafften die Tests. Ob Verkehr, Wachdienst, Kripo oder anderes — Oertel ist überzeugt, dass kaum ein Beruf so vielfältig ist, wie der des Polizisten: „Es gibt Beamte, die wechseln drei oder vier Mal den Bereich: Das geht in keinem Bürojob.“

Die Bewerbungsphase für die Polizei in Nordrhein-Westfalen dauert immer von Juni bis Anfang Oktober. „Das bedeutet: Wer sich für einen Einstieg zum 1. September 2019 interessiert, kann sich bis zum 8. Oktober melden“, beschreibt Oertel den Ablauf. Die angehenden Polizisten durchlaufen ein dreijähriges Bachelor-Studium mit einem 50-Prozent-Praxisanteil. Das Studium erfolgt an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, die Ausbildungsbasis (Fahrsicherheitstraining, Schießen, Unfallaufnahme) wird beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) vermittelt, die Ausbildungspraxis gibt es in zehn ausgewählten Polizeibehörden.

Dazu gehört auch Krefeld. Rund 60 Anwärter sind derzeit in der Seidenstadt unterwegs. „Immer in Begleitung von zwei ,fertigen’ Kollegen“, so Leonie Felsch. Seit einer Woche ist die 20-Jährige, die ihr Abi auf dem Ricarda-Huch-Gymnasium bestanden hat, zurück in ihrer Heimatstadt. In dieser Zeit war sie an einem Stand der Polizei bei ,Spiel ohne Ranzen’ im Stadtwald. „Die Beschäftigung mit den Kindern hat mir Spaß gemacht“, sagt die Kommissaranwärterin.
Doch in der kommenden Woche im Wach- und Wechseldienst wird das anders. „Ich kenne die schönen Seiten unserer Stadt“, erklärt die junge Frau, „dann werde ich sicher auch mit der anderen Seite von Krefeld konfrontiert.“ Und Oertel weiß, was auf die angehende Polizistin zukommt. „Drogen, Eroscenter und Straßenstrich, die komplette Klaviatur der Polizeiarbeit von der vermissten Person bis zum Kapitalverbrechen.“ Geschont wird Leonie Felsch nicht. Sie ist auf alles vorbereitet. „Trotzdem ist manches erschreckend, manches ekelt einen an. Die Realität ist doch immer etwas anders als das Training“, weiß der Ausbildungsexperte. Auch die Mutter der angehenden Polizistin hat sich darüber Gedanken gemacht, als die Tochter vor etwas mehr als zwei Jahren ihren Berufswunsch äußerte.

„Natürlich ist das kein ungefährlicher Beruf“, erklärt die junge Frau selbstbewusst. Die 20-jährige hat Respekt vor ihrem ersten Einsatz. „Aber keine Angst. Wir sind am Schlagstock und der Waffe ausgebildet, wir haben eine gute Selbstbeherrschung“, sagt sie. „Das wichtigste aber ist, dass wir nie allein sind und erfahrene Kollegen an der Seite haben.“

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