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Polizei: Zahl der Wohnungseinbrüche steigt in Krefeld

Polizei in Krefeld : Zahl der Wohnungseinbrüche steigt

Allein am vergangenen Wochenende hat die Kripo insgesamt zehn Wohnungseinbrüche in der Seidenstadt registriert. Computer helfen, Tatserien zu erkennen und die Fahnder rechtzeitig auf die richtige Spur zu führen.

Krefelds Ermittler schlagen Alarm. „Seit Beginn der dunklen Jahreszeit registriert die Polizei einen starken Anstieg der Wohnungseinbrüche“, erklärt ein Sprecher der Behörde. Allein am vergangenen Wochenende haben die Fahnder insgesamt zehn Wohnungseinbrüche registriert. Im Stadtteil Bockum gab es drei solcher Delikte, in Fischeln waren es zwei. In den Stadtteilen Linn, Cracau, Forstwald, Dießem/Lehmheide und Uerdingen jeweils einen.

Den Beginn der dunklen Jahreszeit nutzt die Polizei stets zur Warnung vor Wohnungseinbrüchen. Sicherheitsverbände rufen auf, Türen und Fenster einbruchssicherer zu machen. Aber wird tatsächlich vor allem im Herbst und Winter eingebrochen, wenn es draußen früher und länger dunkel ist? Und wie steht‘s um die Einbruchsquote in Krefeld insgesamt?

Die Seidenstadt belegt in NRW bei der Aufklärungsquote mit knapp 22 Prozent einen Spitzenplatz. Bei der jüngsten Erhebung wurden der Behörde zwischen Januar und November 2018 insgesamt 483 Delikte gemeldet. Inzwischen bleibt – dank verstärkter Investition in die häusliche Sicherheit – bereits etwa jeder zweite Einbruch in der Versuchsphase stecken.

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Mit neuartigen Einbruchvorhersagen will die Polizei die Zahl weiter senken. Seit 2019 sollen Computer mithilfe von Algorithmen Tatserien erkennen und die Fahnder rechtzeitig auf die richtige Spur führen. „Predictive Policing“ heißt das Zauberwort – vorausschauende Polizeiarbeit. Das Landeskriminalamt NRW stellt dem Polizeipräsidium Krefeld dazu wöchentlich Daten für sogenannte Prognosegebiete zur Verfügung. Hierzu wird die Stadt in 229 Bereiche aufgeteilt, in denen jeweils rund 800 bis 850 Menschen leben.

Das Programm setzt Daten über Bebauung, Sozial- und Infrastruktur einer Stadt in Beziehung zu bekannten, gerade aktuellen Einbrecher-Vorlieben (Tatort, Tatzeit, Vorgehensweise). Daraus werden dann potenzielle künftige Einbruchsorte errechnet. Die drei besonders gefährdeten Gebiete, die das Programm herausfiltert, werden intensiver unter die polizeiliche Lupe genommen. „Am Ende entscheidet der Mensch und nicht die Maschine, wo verstärkt Streife gefahren wird“, so ein Experte. Aber die Technik sei ein wichtiger Teil des Systems. „Dadurch gelingt es der Polizei, Maßnahmen besser abzustimmen und effizienter einzusetzen.“ Die Einbruchszahlen in Krefeld sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Waren es 2015 noch 1118 Delikte, die gemeldet wurden, sank die Zahl 2016 auf 760 und 2017 auf 547. In 234 Fällen handelt es sich um versuchte Einbrüche.

Übrigens: Die Behauptung „Einbrecher haben im Dunkeln leichte Beute“ stimmt nicht unbedingt. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes BKA für 2017 kam es zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu drei von fünf Einbrüchen. Zu diesem Zeitraum wurden aber auch Fälle mit unbestimmbarer Uhrzeit gezählt – etwa wenn Bewohner übers Wochenende weggefahren oder im Urlaub waren. Allerdings: Auf Monate bezogen wurde 2017 häufiger im Winter eingebrochen als im Sommer – laut BKA-Tatzeitstatistik im Dezember zum Beispiel so oft wie im August und September zusammen. Falsch ist nach Aussage des Landeskriminalamtes auch die Behauptung, dass Einbrecher meistens Ausländer seien. Am häufigsten ermittelte die Polizei deutsche und örtlich-regionale Tatverdächtige – oft bekannte Gewohnheitstäter, zum Beispiel Drogenkonsumenten, die durch Einbrüche ihre Rauschgiftsucht finanzieren. Eine Studie des LKA NRW kam für geklärte Fälle zu dem Ergebnis, dass verdächtige Einbrecher in fast 90 Prozent der Fälle männlich und im Mittel knapp 27 Jahre alt waren. Demnach besaßen rund 64 Prozent der Verdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit; mit knapp 22 Prozent bildeten Tatverdächtige mit einer osteuropäischen Staatsangehörigkeit laut der Studie die zweitgrößte Gruppe. Nach BKA-Angaben hat der Anteil überregional und international agierender Tatverdächtiger „kontinuierlich zugenommen“. Solche „reisende Täter“ stammten häufig aus Südost- und Osteuropa.