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Krefeld: "Polizei und Stadt kapitulieren vor Lkw"

Krefeld : "Polizei und Stadt kapitulieren vor Lkw"

Rainer Pigors kritisiert die Untätigkeit der Behörden und wundert sich nicht über die gestiegenen Stickoxidwerte.

Die gestiegenen Stickoxidwerte am Oranierring sind für Rainer Pigors Anlass genug, sich an die Behörden zu wenden. Und das nicht zum ersten Mal. In seiner Auseinandersetzung mit Polizei und Stadtverwaltung geht es um die Forderung, dass die Behörden besser kontrollieren, wie Lastwagenfahrer die Umweltzone und das damit verbundene Durchfahrtverbot durch die Krefelder Innenstadt respektieren.

 Rainer Pigors fotografiert mit seinem Handy Lkw vor seiner Haustür.
Rainer Pigors fotografiert mit seinem Handy Lkw vor seiner Haustür. Foto: Rainer Pigors

Seit Jahren korrespondiert der gebürtige Norddeutsche mit den zuständigen Stellen, spricht mit der Politik, macht Fotos und lässt nicht locker. 15000 bis 25000 Lastwagen donnerten werktags jährlich über die Marktstraße, rechnet der pensionierte Lehrer hoch. Von seinem Schreibtisch im Erker des eigenen Hauses hat er die ideale Übersicht.

 Aus dem Erkerfenster im Obergeschoss macht Pigors Fotos.
Aus dem Erkerfenster im Obergeschoss macht Pigors Fotos. Foto: Rainer Pigors

"Nicht einmal der Polizeipräsident fühlt sich für die Einhaltung der Beschränkungen für Lastwagen in der Umweltzone verantwortlich", schrieb Pigors jetzt erneut an Vertreter der Krefelder Ratsfraktionen und der Stadtverwaltung. Man hat den Eindruck, dass die Behörden vor den Lkw kapitulierten. Schon mehrfach habe er gesehen, wie ein Streifenwagen hinter oder vor einem 40 Tonner durch die Innenstadt hergefahren sei, ohne dass die Beamten eingegriffen hätten. Krefelds Polizeipräsident antwortete auf die Kritik in einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, richtig sei, dass die Polizei für die Überwachung des fließenden Verkehrs zuständig sei.

 50 bis 100 Lkw fahren täglich über die Marktstraße, schätzt Pigors.
50 bis 100 Lkw fahren täglich über die Marktstraße, schätzt Pigors. Foto: RP
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Auch die Überwachung des Schwerlastverkehrs in der Umweltzone zähle dazu. Seine Beamten aber könnten "nicht überall und schon gar nicht gleichzeitig überall dort präsent sein, wo gerade eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit begangen wird". Pigors schlägt seit langem vor, neben der Ausweisung der Umweltzonen ein Schild Lkw-Durchfahrtverbot aufzustellen. "Das wäre auch für ausländische Kraftfahrer eindeutig und sicher zu verstehen", begründete der überzeugte Radfahrer seine Idee.

Von Seiten der Stadt bekomme er zu hören, die Kommune wolle keinen Schilderwald unterstützen. "An anderer Stelle hat die Stadt Krefeld bereits beide Schilder aufgestellt", erklärt der 65-Jährige. Pigors wundert es nicht, dass die jüngsten Ergebnisse der Messungen auf dem Ring für Stickoxide wieder einen Anstieg dokumentierten. Was nutze ein Durchfahrtverbot, wenn es niemand kontrolliere. Die Daten allein für die Marktstraße nahe Frankenring hochgerecht ergäben für ganz Krefeld erschreckende Zahlen. "Wenn nicht bald etwas passiere, wird die Nichteinhaltung des Lkw-Verkehrsverbots zu nicht mehr gutzumachenden Schäden führen", schrieb Pigors an Politik und Stadt.

Er kündigte an, sich an einer Kostenbeteiligung für eine etwaige Komplettsanierung der Marktstraße notfalls mit Hilfe eines Gerichts zu verweigern. Es müsse doch jedem klar sein, dass ein einziger Lkw Schäden wie Hunderte Pkw verursache, sagte er. Lärm, Schmutz, Straßen- und Gesundheitsschäden seien die Folgen und störten ihn extrem. Grundsätzlich lebten er und seine Frau den Umweltgedanken, ohne militant zu sein. "Aber Lastwagen gehören einfach nicht in die Innenstadt."

(RP)