Krefeld: Polizei sichtet Disco-Videos

Krefeld : Polizei sichtet Disco-Videos

Uerdingen, am Tag danach. Ein Verein steht unter Schock. Beim KFC Uerdingen liefen am Montag die Telefone heiß. "Wie geht es Ronny Kockel?", war die am meisten gestellte Frage, und "den Umständen entsprechend" die Antwort.

Der Torwart liegt nach den brutalen Angriffen am Samstagmorgen in der Königsburg im Krankenhaus. Schläge und Tritte gegen den Kopf von mehreren Männern haben seinen Kiefer mehrfach brechen lassen. Der 35-Jährige musste mehrere Stunden operiert werden und wird noch mehrere Tage lang nicht sprechen können, weil sein Kiefer verdrahtet ist.

Kockel sei noch nicht vernehmungsfähig, hieß es dazu seitens der Polizei, die am Montag die Ermittlungen fortgesetzt hat. Unter anderem haben Beamte Video-Außenaufnahmen der Königsburg gesichtet, die möglicherweise die Täter beim Verlassen der Disco zeigen, kurz bevor die Polizei am Tatort eintraf. Im Inneren der Disco soll es keine Kameras geben, sagte Königsburg-Manager Christian Holzapfel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Polizei hat nach ihrem Eintreffen die Umgebung rund um die Königsburg abgesucht, teilte Polizeisprecher Wolfgang Weidner mit. Dabei sei eine Gruppe von vier Männern aufgefallen, die sich in der Nähe der Diskothek aufhielten und die offenbar als mögliche Täter in Frage kommen. Von ihnen wurden die Personalien aufgenommen. Ob sie allerdings tatsächlich auch die Täter sind, stand am Montagnachmittag nicht fest. Angaben zur Tat hätten sie zumindest nicht gemacht, teilte die Polizei mit, ohne weitere Angaben zu der Gruppe zu machen.

Die Tat selbst, so berichtete Holzapfel, habe im Innenbereich stattgefunden, und zwar in einem Gang, der in Richtung der Garderobe führt und durch den man entlang gehen müsse, um die Disco zu verlassen.

Da dieser Gang ein wenig Abseits liegt, sei er nicht unbedingt einsehbar gewesen, so dass die Ordner in der Disco den Vorfall nicht zwangsläufig hätten sehen müssen — auch wenn zur Tatzeit gegen vier Uhr morgens nicht mehr viel los gewesen sei.

"Wir können uns nichts vorwerfen", sagte Holzapfel. Immerhin sei die Diskothek rund 2500 Quadratmeter groß und erstrecke sich über mehrere Etagen. Trotz des Einsatzes von mehr Ordnungskräften als gefordert, sei daher nicht jederzeit jeder Winkel einsehbar. Er hoffe, dass der oder die Täter gefasst würden. "Das liegt ja auch in unserem eigenen Interesse. Schließlich wollen wir nicht, dass solche Leute unser Haus betreten."

Auf der Internet-Seite Facebook erklärte die "Königsburg", der Sicherheitsdienst der Diskothek habe dem Verletzten erste Hilfe geleistet. Wie Manager Holzapfel berichtete, habe der Sicherheitschef noch in der Nacht der Polizei einen Tatverdächtigen beschrieben, den ihm Ronny Kockel gezeigt habe. Allerdings habe der mutmaßliche Täter in diesem Moment die Diskothek in einer Gruppe verlassen.

Deshalb hätten die Sicherheitsleute der Königsburg die Gruppe auch ziehen lassen müssen. Warum trotzdem niemand der Türsteher hinter der Gruppe hergegangen sei? Dazu sagte Holzapfel, dass außerhalb der Diskothek seine Leute nichts mehr machen könnten.

Bei Facebook und auf der KFC-Internetseite brachten viele Menschen Mitgefühl mit Ronny Kockel und Entrüstung über den brutalen Angriff zum Ausdruck.

Zeugensuche Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Rufnummer 02151 / 634-0 zu melden.

(RP)
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