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Krefeld: Politisches Kasperletheater

Krefeld : Politisches Kasperletheater

Die Grünen haben zum Aschermittwoch ein originelles, kabarettreifes Stück aufgeführt: Mit fantastischen Puppen und der Mithilfe des Theaters "Blaues Haus" nahmen sie die Krefelder Lokalpolitik(er) – auch sich selbst – auf die Schippe. Hier eine gekürzte Version.

Die Grünen haben zum Aschermittwoch ein originelles, kabarettreifes Stück aufgeführt: Mit fantastischen Puppen und der Mithilfe des Theaters "Blaues Haus" nahmen sie die Krefelder Lokalpolitik(er) — auch sich selbst — auf die Schippe. Hier eine gekürzte Version.

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Oberkasper Tri, tra, trullala, tri, tra, trullala. (Zum Publikum:) Seid ihr alle da? Das ist schön. Sind denn die Fotografen auch da? Ah, da ist ja einer — und dort auch. Ich hoffe, meine Krawatte sitzt richtig. Ich habe heute die Vorsitzenden der Ratsfraktionen eingeladen, zu einem Krisengipfel. Denn Krefeld geht es schlecht. Ich habe sie aber nicht ins Rathaus, sondern zu meiner Großmutter eingeladen, denn die kocht den besten Kaffee von ganz Krefeld. — Ah, da kommen sie ja.

Alle (außer Frau Grün-Emanz) singen: Ein Loch ist im Haushalt, im Haushalt, im Haushalt; ein Loch ist Haushalt, im Haushalt ein Loch.

Bello Butz Wau, wau, ich weiß, wer das Loch gemacht hat! Wau wau!!

Alle Bello, mach keinen Aufstand, verschwinde!

Oberkasper Schön dass ihr alle da seid. Aber wo ist denn Kollegin Emanz? Die ist doch sonst immer pünktlich! Komisch! (Es ertönt eine Fahrradklingel)

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Grün-Emanz (kommt abgehetzt auf die Bühne) Entschuldigung, dass ich zu spät komme, aber überall die Schlaglöcher, da konnte ich nicht schneller fahren.

Oberkasper Schon gut! Ich habe euch heute zusammengerufen, weil wir an einem Scheidepunkt stehen, weil es so, wie bisher, einfach nicht mehr weiter gehen . . .

Roter Gockel Nun hör doch auf, Oberkasper, du bist doch gar nicht legitimiert, du Wahlbetrüger!

Schwarzer Sheriff Gockel, du hast ja recht. Der Mann ist unfähig. Wenn hier was für Krefeld passiert, dann doch nur wegen der guten Arbeit der schwarzen Fraktion, wegen mir, und nicht wegen dem Oberkasper. Aber du hast gegen das Wahlergebnis ja nicht geklagt. Dabei hätte ich einen guten Anwalt gewusst.

Roter Gockel Mit Verlaub, Sheriff, von dir lasse ich mir doch nicht den Mund verbieten. Das war dir zu anderen Zeiten mit deinen eigenen Leuten möglich, und diesen Zeiten trauerst du wohl nach!

Grün-Emanz (genervt): Können wir nicht mal zur Sache kommen? Lasst jetzt endlich eure Hahnenkämpfe sein! Das ist ja nicht auszuhalten!

Rote Socke Eins sage ich gleich: Sozialabbau werden wir nicht dulden.

Herr Kleinkariert Wir, Herr Oberkasper, machen alles mit. Vorausgesetzt, für mein Schicksbaum kommt etwas dabei heraus.

Oberkasper Jetzt ist aber Schluss mit dem Gezänk! Also ihr wisst ja: Früher, als das schwarz-gelbe Ungeheuer noch sein Unwesen trieb, habe ich alles getan, damit es mich nicht auffrisst: Ich habe gestrichen und gekürzt, habe unsinnige Sachen bezahlt. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Und mit den 800 000 verlorenen Talern habe ich nichts zu tun. Ich habe es nicht gewusst und bin auch nicht verantwortlich. Das hat mir der böse Zauberer Abraham-Kadabraham eingebrockt! Aber der zaubert ja inzwischen woanders.

Grün-Emanz Das kannst du deiner Großmutter erzählen!

Oberkasper Aber eure grüne Landesfürstin hat mir doch einen Persilschein ausgestellt!

Roter Gockel Ich hab schon immer gewusst, dass Schwarz und Grün unter einer Decke stecken.

Privatvorstaat Da hat Roter Gockel mal ausnahmsweise mal Recht. Es hat sich eine schwarz-grüne Achse der Macht in Krefeld formiert. Ja, das ist von Übel.

Rote Socke Übrigens: Sozialabbau ist mit mir nicht zu machen.

Oberkasper Zurück zur Sache: Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, ich hab doch alles für die Stadt getan. Ich habe die größte Postkarte der Welt erschaffen. Und seht doch, St. Dionysius hat wieder eine neue Zipfelmütze, dafür habe ich eigenhändig gesorgt. Ich habe den Spender besorgt. Das hätte keiner außer mir geschafft!

Grün-Emanz Einen Spender? Die Sparer haben die Zipfelmütze bezahlt! Auch deine Großmutter!!

Großmutter Oberkasper, stimmt das? Das ist ja unverschämt!

Oberkasper Großmutter, das erkläre ich dir heute Abend.

Roter Gockel Wenn die Bürger dieser Stadt das vor der Wahl gewusst hätten, wäre ich jetzt der Oberkasper.

Schwarzer Sheriff Jetzt hör endlich auf, ist ja unerträglich. Alles nur Neid! Oberkasper, mach mal weiter, lass dir nicht immer das Wort abschneiden, du Weichei!

Oberkasper Zurück zur Sache: Meine Rechenkünstler haben in Klarheit und Wahrheit festgestellt, dass wir jetzt 500 Millionen Taler zu wenig im Stadtsäckel haben. Das hat euch alle nicht gejuckt! Lustig habt ihr weitere Wünsche aufgetischt. Und nun haben wir den Salat.

Großmutter Der Kaffee ist fertig!

Oberkasper Danke Großmutter. Kommt, wir gehen in die Küche Kaffee trinken. (Pause mit Musik. Alle Figuren bis auf den Oberkasper kommen zurück)

Schwarzer Sheriff So, nun kann es endlich weitergehen. Aber wo ist denn der Oberkasper? Seht ihr ihn?

Alle anderen: Nein! Wir müssen ihn alle rufen.

Alle Oberkasper, wo bist du?

Oberkasper (aus dem Hintergrund): Hier unten, helft mir!

Schwarzer Sheriff: Du liebe Güte, er ist ins Haushaltsloch gefallen! Wir müssen ihn da rausholen. Kommt, packt an! Hau ruck, hau ruck, nochmal: hau ruck, hau ruck . . .

Oberkasper (kommt zum Vorschein): Danke, das war Rettung aus höchster Not.

Privatvorstaat Herr Oberkasper, sei doch endlich mal mutig: Wir haben doch sooo viele Schätze, die wir in bare Münze umwandeln können. Zum Beispiel unsere städtischen Weizenfelder draußen vor der Stadt. Seit Jahren fordern wir dich zum Wohle der Stadt auf: Verkaufen, verkaufen, verkaufen. Aber nicht an deinen Onkel in Fischeln, Schwarzer Sheriff!

Schwarzer Sheriff Wenn du nicht immer so wichtig tun würdest, Privatvorstaat, könnten wir deinen Vorschlägen durchaus was abgewinnen.

Grün-Emanz Man sollte bei dem Herrn Privatvorstaat die Gehirnzellen gegen Solarzellen austauschen, damit ihm die richtige Erleuchtung kommt!

Oberkasper: Wir müssen weiter nachdenken, uns muss etwas einfallen. (Alle überlegen)

Roter Gockel Ich hab's! Wenn wir das Stadthaus verkaufen, den Seidenweberbunker abreißen und die Beamten bei Horten unterbringen, dann müsste das klappen.

Privatvorstaat Liebe Kollegen, unser Konzept nimmt doch Konturen an: Stadthaus verkaufen, Rathaus verkaufen, Armenküche und Almosenberatung privatisieren, Verwaltung ins Horten Haus, und, damit wir eine stabile Mehrheit bekommen, eine Eishalle für Schicksbaum.

Großmutter: Du Oberkasper, ich muss euch jetzt allein lassen. Ich gehe jetzt zum Caco. Der will ja keine Bäume mehr pflanzen. Aber ich will ihn überreden weiterzumachen.

Privatvorstaat Bäume? Da fällt mir was ein. Wir sollten die an einen amerikanischen Rentenfonds verkaufen und zurück leasen. Ein lukratives Geschäft. Und die Straßenlöcher vom Winter sollten wir meistbietend an Kfz-Werkstätten verkaufen, die pflegen dann die Löcher und reparieren die Autoschäden.

Schwarzer Sheriff Beachtlich, Privatvorstaat. Du entwickelst ja geradezu Fantasie . . .

Oberkasper Meine Dame, meine Herren, liebe Fotografen. So kommen wir doch nicht weiter. Krefeld hat ein Haushaltsloch von 500 Millionen Talern. Da müssen bessere Vorschläge her! Ich hab da eine gute Idee: Jetzt, wo die Großmutter weg ist, kann ich's ja laut sagen: Wir verkaufen unser Oma ihr klein Häuschen, ihr klein Häuschen . . .

Bello Butz Typisch Oberkasper! Will 'nen großen Furz lassen, hat aber nicht das passende Ar . . . och dazu!!

Oberkasper Mhmm, vielleicht war meine Idee doch ein Schnellschuss. Ja wenn das auch nicht klappt, sind wir am Ende. Was sollen wir denn bloß machen?

Schwarzer Sheriff Jetzt wein mal nicht, Oberkasper, ich habe eine Idee. Schau doch mal, wie manche Vereine dieser Stadt sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen haben. Denk an den Rennverein. Da warten heute noch Gläubiger auf ihr Geld, aber der Rennbetrieb geht weiter, eine Perle Krefelds. Wie war das möglich? Klar, der alte Rennverein hat Konkurs angemeldet und ein neuer wurde gegründet. Oder nehmen wir den Eishockeyclub: Hätte es je einen Deutschen Meister aus Krefeld gegeben, wenn nicht der Verein nach schwerer Schieflage neu gegründet worden wäre?

Oberkasper Schon gut, Schwarzer Sheriff, aber was hat das jetzt mit unserer Katastrophe zu tun?

Schwarzer Sheriff Du weißt ja, dass ich demnächst nicht mehr kandidiere. Aber ich bin bereit, noch einmal mein reichhaltiges Wissen und meine Verbindungen für die Zukunft der Stadt Krefeld in die Waagschale zu werfen. Mein Vorschlag ist ganz einfach: Er lautet, auf eine kurze Formel gebraucht: Umwandlung der Stadt in eine GmbH, Anmeldung des Konkurses und durchziehen des Konkursverfahrens. Dann sind wir auf einen Schlag alle Schulden los!

Privatvorstaat Dass wir das nicht längst gemacht haben, könnte den Tatbestand der Konkursverschleppung erfüllen! Wir müssen es schnell machen, sonst landen wir alle hinter Gittern!

Alle: Ja, ja, ja, ja ja,

Oberkasper Ein ungewöhnlicher Vorschlag vom Schwarzen Sheriff, aber wir sitzen so tief in der Sch…, dass wir über alles nachdenken müssen. Also, ich habe bisher keinen besseren Vorschlag gehört. Wir machen das so: Sondersitzung des Stadtrates, 1. Umwandlung der Stadt Krefeld in eine GmbH; 2. Wahl eines Aufsichtsrates; 3. Konstituierende Sitzung des Aufsichtsrates mit Feststellung der Insolvenz; 4. Eröffnung des Konkursverfahrens. Dann haben wir's!

Grün-Emanz Aber dann gibt es doch kein Krefeld mehr. Was sollen die Bürger sagen?

Schwazer Sheriff Wir gründen Krefeld neu, unter einem anderen Namen.

Privatvorstaat Ich schlage Crowfort vor, das klingt sexy und trägt der Globalisierung Rechnung.

Grün-Emanz: Du willst die neue Stadt Crowfort doch nur verkaufen!

Privatvorstaat Richtig, und dann zurück leasen, das ist ja der Trick. Wir sind auf einen Schlag alle Schulden los und leben in Saus und Braus!

Oberkasper: Hurra, wir haben es! Dann komme ich endlich wieder ins Guinness-Buch der Rekorde!

Roter Gockel Und ich werde Aufsichtsratsvorsitzender!

Alle (singen): Heile, heile Gänschen . . .

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Hauptdarsteller des politischen Kasperletheaters

(RP)