Philipp Lahm und Aldi wollen Krefelder Marke Schneekoppe neu beleben

Wirtschaft : Philipp Lahm und Aldi wollen „Krefelder Marke“ neu beleben

Schneekoppe hat eine wechselvolle Geschichte: Der Unternehmer Gerald Wagener bewahrte die traditionsreiche Naturkostmarke vor dem Untergang. 2016 stieg Ex-Bayern-Profi Lahm mit ein.

Vor ziemlich genau drei Jahren stieg Fußball-Weltmeister Philipp Lahm als Mitgesellschafter bei der Schneekoppe Nutrition GmbH aus Krefeld ein. Rund 18 Monate schwang sich der frühere Profi von Bayern München durch den Kauf der Anteile des Krefelder Unternehmers Gerald Wagener zum Mehrheitsgesellschafter empor. Jetzt, knapp weitere eineinhalb Jahre später, präsentieren der Jungunternehmer und die erfolgreiche Handelskette Aldi ihre bundesweite Strategie, wie sie die Marke Schneekoppe gemeinsam zu altem Ruhm führen wollen.

Noch bis zum 26. Mai dauert die Aktion des Discounters, der Schneekoppe als „Top-Neuzugang im Bio-Sortiment“ anpreist und auf die komplette Produktpalette Preisnachlässe gewährt. Die Formulierung lehnt sich nicht ohne Grund an die Fußballsprache an. Ist der ehemalige Weltklassespieler Lahm Eigentümer und Werbefigur für die ehemalige Krefelder Marke in Personalunion. „Im Spitzensport muss Essen oft schnell und einfach sein – aber genauso gesund. Deshalb fühle ich mich bei Schneekoppe zu Hause“, sagt Lahm in seiner Eigenschaft als „Ihr Partner für eine bewusste Ernährung“.

Um in der Fußballersprache zu bleiben, dürften sich Lahm und Schneekoppe als Top-Transfers von Aldi Nord und Aldi Süd erweisen. Die viele Jahre lang unterschätzte Krefelder Marke soll wieder Relevanz erhalten. Jahrzehntelang war Schneekoppe wie ein Schwarzer Peter herumgereicht worden, in immer kürzeren Abständen. Firmengründer Fritz Klein verkaufte das Unternehmen 1965 an Müller’s Mühle, 1989 wurde Schneekoppe vom Getränkekonzern Eckes geschluckt, sieben Jahre gehörte die Firma dem Teehersteller Laurens Spethmann („Meßmer-Tee“). Dann kaufte Keksfabrikant Christoph Pauly das Unternehmen und reichte es binnen Jahresfrist an einen guten Krefelder Bekannten weiter: Gerald Wagener.

Der Krefelder Gerald Wagener hat lange um Schneekoppe gekämpft. Foto: Thomas lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)

Dann nahm die Firmengeschichte erst richtig Fahrt auf. Im Jahr 2011 verkaufte der Krefelder Unternehmer seine Mehrheit an der deutschen Traditionsmarke, blieb aber Geschäftsführer der Schneekoppe Holding und hielt weiterhin 25 Prozent. 75 Prozent gehörten dem britischen Finanzinvestor Change Capital Partners (CCP). Er wollte den Umsatz des Unternehmens in den kommenden vier Jahren nahezu verdreifachen. Stattdessen geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten.

Im Sommer 2014 verstärkte Wagener sein Engagement erneut. Er erwarb über seine Gesellschaft Selva Aurea GmbH Schneekoppe-Anteile zurück und besaß wieder 83 Prozent an der Schneekoppe Verwaltungs GmbH. Den Rest hielten die Peter Kölln AG und Firmenchef Markus Klein. Dies berichtet seinerzeit „Süddeutsche Zeitung“. Schneekoppe kämpfte um seine Existenz. Hintergrund: Die Schneekoppe Lifestyle GmbH hatte eine sogenannte „Insolvenz in Eigenregie“ beantragt. Das Unternehmen hatte drei Monate Zeit, einen Insolvenzplan auszuarbeiten.

Die frühere Krefelder Marke Schneekoppe erlebt dank Philip Lahm und Aldi ein Revival. Foto: Norbert Stirken

Das gelang, und Wagener ging gleichsam als strahlender Held aus dem Überlebenskampf hervor. Auf der Strecke blieben einige Gläubiger. Mit dem Einstieg von Philipp  Lahm kam Schwung in die Firmenpolitik. Der Markt in China ist eine große Chance. Doch zu allererst soll das seit 1927 betriebene Geschäft mit Naturkostprodukten in Deutschland wieder Fahrt aufnehmen – mit Philipp Lahm und Aldi.

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