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Krefeld: Pfleger missbraucht 96-Jährige

Krefeld : Pfleger missbraucht 96-Jährige

Vor dem Krefelder Landgericht wurde gestern der Fall eines 43-jährigen Altenpflegers verhandelt. Er soll erkrankte ältere Patientinnen missbraucht haben. Noch hat der Angestellte nicht alle Taten gestanden.

Viele Kameras richteten sich gestern im Saal 157 des Landgerichts Krefeld auf den Mann in schwarzem Jackett. Dem 43-jährige Altenpfleger Andreas A. wird vorgeworfen, als Angestellter eines Krefelder Pflegeunternehmens im Jahr 2005 drei Damen von 96, 93 und 57 Jahren vergewaltigt zu haben. Alle Frauen waren körperlich behindert und somit dem Pfleger wehrlos ausgesetzt. Die Anklageschrift spricht von sexuellen Praktiken, die besonders erniedrigend für die Opfer gewesen seien.

"So, wie es die Staatsanwältin vorgelesen hat, habe ich die Taten nicht begangen", verteidigte sich der Angeklagte, der beim Betreten des Saals sein Gesicht hinter einem Collegeblock versteckt hatte. In einer Erklärung beschuldigte er seinen Arbeitgeber, in großem Umfang die Pflege vernachlässigt und Abrechnungsbetrug begangen zu haben. Die Anschuldigungen gegen ihn seien Racheakte. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme führte ihn zur Altenpflege. Er wurde ausgebildet und ist examiniert.

Selbst sexuell missbraucht worden

Als Kind sei er selbst sexuell missbraucht worden, sagte Andreas A. gestern. Zu diesem Punkt wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Nach einer langen Pause, in der der Verteidiger intensiv auf den Angeklagten einredete, gab dieser eine Einlassung ab. Ja, er habe bei einem Hausbesuch bei der 96-jährigen Frau diese nach Pflegeverrichtungen auf die Couch gelegt und sich in ihren Mund befriedigt. "Für mich lag dort nur irgendeine Person auf dem Sofa. Mir war es egal, wer das war und wie alt. Das habe ich alles nicht wahrgenommen", erklärte der 43-Jährige. Er sei bei dem Anblick eines Wohnzimmerschranks, der ihn an seinen Vater erinnerte, ausgerastet. Als ihm das entsetzte Gesicht der alten Frau bewusst wurde, habe er sofort aufgehört.

Zu dem zweiten Fall sagte der Angeklagte, dass es sich um eine pflegerische Tätigkeit in Zusammenhang mit einer Darmerkrankung der Patientin gehandelt habe. Warum er dies bei seinen früheren Befragungen nicht angegeben habe, wollte der Richter wissen. Das konnte A. nicht begründen.

Kritisch ist auch die Beweislage im dritten Fall, in dem der Pfleger eine sehr kranke 57-jährige Frau bei der Beckenbodengymnastik sexuell missbraucht haben soll. Der Angeklagte stritt zunächst alles ab. Nach intensiver Befragung seitens des Richters rückte er jedoch langsam mit der Wahrheit heraus. Es könne sein, dass er mit einem Finger in den Intimbereich der Frau eingedrungen sei. Aber das sei "nicht bewusst" geschehen, gab er an. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

(RP)