Krefeld: Pflegeexperte über seinen Beruf: 1800 Euro Ausbildungsgehalt möglich

Krefeld: Pflegeexperte über seinen Beruf: 1800 Euro Ausbildungsgehalt möglich

Stefan Kaepernick vom "Pflegeteam Krefeld" sagt, die Bezahlung in den Pflegeberufen sei unter dem Strich besser als ihr Ruf.

Es ist eines der größten Themen des Landes derzeit: der Pflegenotstand. Fast jeder Deutsche kennt den Auftritt von Alexander Jorde in der ARD Wahlarena, als der Pflege-Azubi vor der Bundestagswahl Kanzlerin Angela Merkel vor laufenden Kameras mit den Problemen seines Berufs konfrontierte. Ein Ergebnis dieser Zustände ist ein akuter Arbeitskräftemangel in diesem Berufsfeld. Allein in NRW fehlen aktuell laut Berufsverband rund 125.000 Arbeitskräfte. Die genannten Schwierigkeiten sind real, das gesteht auch Stefan Kaepernick vom "Pflegeteam Krefeld" durchaus ein. Ganz so schwarz sieht er die Gesamtsituation aber nicht. "In unserem Beruf hat sich in den vergangenen 20, 30 Jahren viel getan. Gerade was die Mitarbeiterzufriedenheit angeht", sagt der Inhaber und Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens mit aktuell 21 Mitarbeitern. Und auch wenn er seinen Angestellten gern mehr zahlen würde, da sie "einen wirklich hervorragenden Job machen" (Kaepernick), sei auch die Bezahlung unter dem Strich besser als ihr Ruf. Der 54-Jährige macht das an einem Beispiel deutlich: "Es gibt die sogenannte WeGebAu-Förderung. Das ist eine Kombination aus einer Umlage für die Unternehmen und einer Förderung der Arbeitsagentur, mit der wir Ausbildungsgehälter von bis zu 1800 Euro anbieten können", berichtet er.

Der Hintergrund: Jedes Unternehmen ist verpflichtet, eine Abgabe zu zahlen, die für Fälle gesammelt wird, in denen Menschen, die bereits im Berufsleben stehen, sich für den Pflegeberuf entscheiden. Hier wird dann besagte Umlage abgerufen und an das Unternehmen ausgeschüttet. Eine Förderung der Arbeitsagentur kommt dazu, so dass sogar Menschen um die 50 Jahre noch durchaus sinnvoll den Beruf erlernen können, ohne all zu massive Einschnitte in ihrem Leben hinnehmen zu müssen. Später, nach der Ausbildung, liegen die Einstiegsgehälter mit Zuschlägen dann im Bereich von 2750 Euro brutto. Außerdem ist Kaepernick bemüht, seinen Angestellten angenehme Rahmenbedingungen zu bieten. Das beginnt bei klimatisieren Autos, freien Getränken bis hin zu Kaffee, oder einer Lounge mit Sofa in den Büroräumen und endet bei einer offenen Kommunikationskultur. "Wir alle machen Fehler, aber es kommt darauf an, diese schnell auszumerzen und offen anzusprechen. Wir wollen unseren Klienten die bestmögliche Pflege und den Angestellten die nötige Unterstützung bieten", sagt der Geschäftsführer. Dass hier auch Grenzen gesetzt sind, dessen ist er sich nur zu bewusst. Der Kostendruck durch Kranken- und Pflegekassen ist groß. Dennoch sagt er: "Ich komme jeden Tag gern zur Arbeit. Ich liebe, was ich tue. Streitigkeiten mit den Kassen machen es hin und wieder schwer, aber insgesamt erfüllt es mich." Und so hofft er, seine offenen Stellen, zwei Ausbildungs- und eine Stelle für eine ausgelernte Kraft (auch eine Arzthelferin erfüllt die Voraussetzungen), kurzfristig besetzen zu können. "Wir treten Klienten und Angestellten mit Anstand, Würde und Respekt entgegen", fasst Kaepernick die Unternehmensphilosophie zusammen. Das soll, neben fairer Bezahlung, bald neue Angestellte begeistern. Und eines ist sicher: Kaum ein Berufsfeld ist so zukunftssicher wie die Pflege.

(RP)