Performancekünstler Ralf Berger verwandelt Villa Esters in Krefeld in einen dystopischen Ort

Kunst in Krefeld : Performer will Haus Esters verwandeln

Ralf Berger, einer der wichtigen deutschen Performance- und Installationskünstler der Gegenwart, kommt am 25. August nach Krefeld. Die Villa will er als verstörenden Ort zeigen.

(ped) Was in einem Künstlerkopf vorgeht, das zeigt Ralf Berger schon mal sehr drastisch. Das menschliche Gehirn hat er als junger Künstler zum Stoff einer spektakulären Inszenierung gemacht: die Präparation eines Arterienrings und die scheibchenweise Teilung der Hirnhälften mit dem Skalpell als Videoaufnahme waren Teil einer Performance, mit der Berger 1994 viel Aufsehen erregt hat. Als Performer gehört der 1961 geborene Düsseldorfer zu den wichtigen deutschen Künstlern der Gegenwart. Jetzt kommt er nach Krefeld.

Berger entwickelt für das Museum Haus Esters eine Performance, die dem visionären Charakter der modernen Architektur der Villa einen dystopischen Entwurf entgegensetzt. In einer Mischung aus vorproduziertem Material und Live-Elementen will er den „Geist der Medien“ als Zukunftsmaschine beschwören und das Haus in einen verstörenden Ort verwandeln. Die Performance findet am Sonntag, 25. August, um 11 Uhr in der Mies-van-der-Rohe Villa an der Wilhelmshofallee statt – passend zum Untertitel des Bauhaus-Projekts „Anders Wohnen“, Entwürfe für Haus Lange und Esters“ konzipiert Ralf Berger in seinen installativen Performances eine beunruhigende Perspektive auf ein künftiges Leben in einer medienautoritären und technokratischen Gesellschaft.

So soll es aussehen: Im ehemaligen Kinderzimmer der nahezu leeren Räume von Haus Esters begegnet der Besucher einer fünfköpfigen Truppe; vor einem Spiegel positioniert und durch die früheren Wohnräume patrouillierend. Ihre körperliche Präsenz – gleich ob in Bewegung oder stillstehend – soll eine unangenehme Atmosphäre permanenter Kontrolle und Überwachung durch eine unbekannte Machtinstanz schaffen. Ständig im Fadenkreuz, ständig das Ziel: Der Trupp zielt auf das eigene Spiegelbild und ist so Täter und Opfer zugleich. Vor der Spiegelarbeit „Mutation of the Objective“ ist das Anvisieren des eigenen Spiegelbildes plötzlich Selbstbeobachtung und Selbstermächtigung.

Auf das eigene Spiegelbild greift Berger in einem anderen Raum in „Genius Media“ zurück: Er performt vor laufender Kamera. Die aufgenommene Aktion wird parallel an anderer Stelle übertragen. Die Situation ähnelt der Funktion einer Überwachungskamera und drängt den Betrachter in eine doppelte Rolle – heimlicher Voyeur einerseits und überlegener Akteur andererseits. Berger orientiert sich dabei an technikpessimistischen Prophezeiungen, in der der Mensch der Technik unterworfen ist und sich autoritären Zwangsmechanismen fügen muss.

Ralf Berger hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und war Meisterschüler von Klaus Rinke. Er siedelt sich mit seinen multimedialen Arbeiten an der Schnittstelle zur Performance-, Installations- und Medienkunst an und arbeitet „an der Auslotung der Grenzen des künstlerischen Materials und Mediums“. Hierbei steht der eigene Körper im Zusammenwirken mit seiner Umgebung im Fokus seiner künstlerischen Arbeit.

Berger hat zahlreiche Stipendien und 1997 den Förderpreis für Bildende Kunst des Landes NRW erhalten. Seine Werke wurden deutschlandweit in Einzelausstellungen und auf internationalen Gruppenschauen gezeigt. 1999 kuratierte Julian Heynen die Soloschau „Ralf Berger. Arbeiten 1993-98“ im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld. 2012 hatte er eine Ausstellung in der Villa Goecke.

Für die Performance in Haus Esters muss kein zusätzlicher Eintritt bezahlt werden, lediglich der Museumseintritt von 7, ermäßigt 3 Euro.

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