Krefeld: Paul und Billa feiern im Theater

Krefeld: Paul und Billa feiern im Theater

Paul Börtges weiß Bescheid: "Achten Sie mal darauf: In einer Gruppe gibt es immer einen, der mittendrin sagt "So!" und dann nichts mehr", erklärt er dem Publikum im Theater. Tatsächlich: In der Spielpause, als die guten Vorsätze, auf seine Sprache zu achten, längst vergessen sind, sagt ein Mann: "So." Seine Bekannten schauen ihn einen Moment wartend an und brechen dann in schallendes Gelächter aus. Die Beobachtungsgabe von Kabarettist Jochen Butz, dem Erfinder von Paul Börtges und dessen Gattin Billa, hat auch nach 20 Jahren nicht an Exaktheit und Überraschungskraft verloren. Sonntag feierte er sein Bühnenjubiläum "Best of Paul & Billa" im ausverkauften Stadttheater.

Jochen Butz steht seit über 20 Jahren mit der Doppelrolle auf den niederrheinischen Bühnen. Auf dem Klavier wird er seit 18 Jahren von seiner Tochter Eva Strader begleitet. Das Publikum überzeugt Butz durch pointierte, humorvolle Sprechstücke. Ihm ging es nie um die politische Satire, der 65-Jährige zeigt Kabarett mit Witz und Humor. Es geht um das liebenswerte, schrullige Ehepaar Paul und Billa. Die Themen sind alltäglich und daher umso komischer, wenn sie von Butz mit wunderbarer Gestik und pointierten Sätzen karikiert werden: Wie das samstägliche Bummeln in der City, bei dem Paul – während der Fastenzeit – von Billa beim Bratwurst-Stand "abgestellt" wird, nicht als einziger, wie er schnell feststellt.

Butz kann mit scheinbar Alltäglichem und Banalem überraschen und amüsieren. Bei Bemerkungen wie "Rentner kloppen ja auf alles" ertönt bejahendes Auflachen im Publikum. Der Niederrheiner als solcher, den kennt Butz bestens. Er karikiert ihn und hält dem Publikum so den Spiegel vor. Das Ergebnis: Herzhaftes Lachen erfüllt den Saal. Man fühlt sich nicht degradiert oder ausgelacht. Es entsteht eher ein Gefühl des gemeinsamen Bewusstwerdens über die Unsinnigkeiten im Alltag und die tagtäglichen Marotten.

So wie Niederrheinische Übertreibungen: "Ewig geht ja schon nicht, aber der Niederrheiner packt noch drei Tage drauf", wundert sich Butz. Es sind die Details, die seinen Kabarettabend ausmachen: Die hochgezogenen Augenbrauen einer verwirrten Billa, das symbolische Kramen in der Hosentasche nach dem "schmürmeligen Lappen" vom Schwiegervater oder das schmerzverzerrte Geschicht, wenn Butz Billas Damenschuhe auszieht und barfuss als Paul weiterspielt.

(RP)