Krefeld Partydrogen zerstören Herz eines 19-Jährigen

Krefeld · Ein Helios-Professor berichtet von erschütternden Fällen – drei junge Männer brauchen ein neues Herz.

 Heinrich Klues, Chefarzt am Helios-Klinikum in Krefeld, entdeckte den Zusammenhang zwischen Herzerkrankung und Partydrogen-Konsum.

Heinrich Klues, Chefarzt am Helios-Klinikum in Krefeld, entdeckte den Zusammenhang zwischen Herzerkrankung und Partydrogen-Konsum.

Foto: Lammertz, Thomas

Ein Helios-Professor berichtet von erschütternden Fällen — drei junge Männer brauchen ein neues Herz.

Beunruhigt durch drei Fälle von irreparablen Herzerkrankungen nach der Einnahme von Stimulanzien (Amphetamine) und anderen Drogen bei Krefelder Jugendlichen, haben sich die Mitglieder des Gesundheitsausschusses durch Prof. Heinrich Klues vom Helios-Klinikum über seine Einschätzung der Gefahr von Partydrogen informieren lassen. Er berichtete von drei Patienten im Alter von 19 bis 24 Jahren.

Sie seien aufgrund stark verminderter Leistungskraft im Klinikum aufgenommen worden; die besondere Schwere ihrer Herzschädigungen hatte die Mediziner zunächst ratlos gemacht. "Auffällig war, dass wir zunächst keine Ursache für die schweren Schädigungen ausmachen konnten", so Klues. Erst nach vertrauensvollen Gesprächen habe sich der Hinweis auf den langjährigen Konsum von Party-Drogen ergeben.

Nach Angaben von Klues hatte ein 19-jähriger Patient dem Kardiologen einige der Tabletten ausgehändigt. Die Analyse der Pillen habe ergeben, dass sich zwischen fünf und 22 verschiedene Substanzen in den harmlos aussehenden Pillen befanden. Wie Traubenzucker würden sie in allen Farben und Formen gepresst und oft als Herzchen, Dreiecke oder auch Skorpione in Umlauf gebracht. Die Gefahr der Mittel sieht der Kardiologe sowohl in der Vielfalt der zum Teil schwer zu ermittelnden Substanzen als auch in ihrer Wirkungsweise. Die Amphetamine unterdrücken laut Klues Hunger, Durst und Erschöpfungsgefühle, bis sich dramatischer Flüssigkeitsverlust und völlige Erschöpfung ergäben. Dieser kreislaufbelastende Zustand führe häufig zu Herzrhythmusstörungen — und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt.

Im Falle der drei jungen Patienten sind laut Klues die Herzmuskel so weit geschädigt, dass ihnen langfristig Transplantationen bevorstehen. Dringlich sei dieser Eingriff besonders im Falle des 19-Jährigen, dessen Zustand sich auch nach einem halben Jahr nicht verbessert habe. Bis zu einer Transplantation ist der Jugendliche nach Angaben von Klues auf zwei Kunstherzsysteme angewiesen.

Zum Ende seiner Ausführungen wies der Mediziner darauf hin, dass offenbar gerade Jugendliche aus sogenannten geordneten Verhältnissen und mit gutem Bildungsstand zu den Konsumenten der Partydrogen gehörten. "Eigentlich sind es die, die sich besorgt den Beipackzettel von Aspirin durchlesen; aber dann für die Party mal eben fünf bis 22 verschiedene Substanzen zugleich einwerfen."

(RP/ac/top/jco)
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