Krefeld: Party mit Bügelfalte und Punkerfrisur

Krefeld : Party mit Bügelfalte und Punkerfrisur

Viele hundert Gäste feierten in der Kufa das 25. Jubiläum Schallplattenlabels "Unique".

Das Potenzial, das die britische Jugendkultur der Mods liegenließ, als sich viele ihrer Anhänger von anderen Trends aufsaugen ließen, und das gewaltige Erbe schwarzer Soul-Juwelen, die im Schatten großer Schallplattenkonzerne beinah auf ewig zu Staub zerfallen wären, hätte sich nicht die ebenfalls britische Northern Soul-Bewegung ihrer angenommen. Diese inzwischen wieder hochaktuellen Retro-Sounds wurden jetzt zum 25. Jubiläum des Unique-Labels in der Kulturfabrik von vielen hundert Gästen mit einer tollen Party gefeiert.

Im kleinen Saal ebnete DJ Mr. GoGo den Einstieg in eine lange Nacht mit einem Mix, in dem sich Soul, Bubblegum, Rap und swingender Rhythm'n'Blues die Klinke in die Hand gaben, während sich die vielleicht vielseitigste Modenschau des ganzen Jahres in der früheren Schlachterei einfand. Von Bügelfalte, Schlips und Kragen bei den Herren und dem kleinen Schwarzen sowie zweiteiligen Kostümen mit engen Röcken samt Sprayfrisuren bei den Damen bis hin zum punkigen Unisex-Schlabberlook war alles vertreten, und das Alter der Träger reichte locker von 20 bis 70 Jahre.

Im großen Saal war es DJ Kristian Auth, der tief in die Northern Soul-Kiste griff und bewies, dass man das Beste des Atlantic Soul nicht auf Atlantic selbst gehört hat.

Leider sackte das musikalische Niveau mit den ersten Live-Acts erst einmal dramatisch durch. Das Trio Jaffa erwies sich als nahezu völlig talentfrei, und ein Liedermacher namens Georg Zimmermann glaubte doch tatsächlich, eine schlecht geklaute Bob Dylan-Idee als seine eigene ausgeben zu dürfen. Aber das machten die aus England angereisten Prime Movers schnell wieder wett. Dieser Act kam den historischen Mods am nächsten mit einem packenden Sound, der an die frühen Who oder auch an die Anfänge von Led Zeppelin erinnerte und ihnen an Authentizität und Biss nicht nachstand.

Krefelder Rock-Prominenz wurde wenig gesichtet. Unique-Label-Chef Henry Storch, der auch selbst auflegte, stammt von hier. Kai Berner vom Studio Grande amüsierte sich gut, und auch Philip Lethen und Tim Grashaus, dem Label in Fotografie und Grafik-Design verbunden, hatten ihren Spaß . Ansonsten waren viele aus Düsseldorf, Köln und dem Ruhrpott angereist.

Aus der Landeshauptstadt stammt auch Top-Keyboarder Xaver Fischer, der gegenwärtig seine innovative Stride-Piano-NuJazz-Fusion promoted. Bester Stimmung waren sie alle.

(mojo)
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