Krefeld: Parteigeldaffäre: Schittges erklärt sich

Krefeld : Parteigeldaffäre: Schittges erklärt sich

Der ehemalige Parteichef will am Samstag vor den Mitgliedern der CDU einen Prüfbericht aus dem Jahr 2008 vorlegen. Der soll beweisen, dass die Partei ihre Finanzen geprüft hat. Schittges äußert sich jetzt auch zu Kritik an seiner Person.

Der frühere Parteichef der Krefelder CDU, Winfried Schittges, hat am Donnerstag auf Anfrage neue Hintergründe zur Parteigeldaffäre in der Krefelder CDU geliefert. Nach Schittges' Darstellung war es er selbst, der eine erste Prüfung der Parteifinanzen in Auftrag gegeben hatte — und dies noch während seiner Amtszeit als Vorsitzender, nach dem Ausscheiden von Jürgen Schick im August 2012. Damals habe er eine "Lose-Blatt-Sammlung" im Parteibüro gefunden und eine erste Prüfung veranlasst. "Alles weitere werde ich am Samstag bei unserem Kreisparteitag erklären", sagte Schittges gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Am morgigen Samstag trifft sich die CDU zum Kreisparteitag in Hüls im Gasthaus "Goldener Hirsch". Erwartet wird auch der Vorsitzende der CDU Niederrhein, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Schittges will dort weitere Beweise liefern, dass ihn keine Schuld trifft. Gestern teilte er mit, er werde bei der Versammlung auch einen Prüfbericht der Parteifinanzen aus dem Jahr 2008 vorlegen, den er damals in Auftrag gegeben habe. Details aus diesem Prüfbericht wollte er da noch nicht nennen.

Die Parteigeldaffäre der Krefelder Christdemokraten schlägt weiter hohe Wellen. Der ehemalige Parteigeschäftsführer Jürgen Schick (65) aus Fischeln-Königshof hat eingeräumt, seit 2005 Gelder des Parteikontos auf eigene Konten weitergeleitet zu haben; bei einem Notar hat er bereits eine Schuldanerkenntnisurkunde über 72.000 Euro unterschrieben. Der neue CDU-Vorstand um Marc Blondin spricht inzwischen von einem Schaden in Höhe von 90.000 Euro. Die Frage nach der Verantwortung für die Prüfungen konnte Schittges gestern nicht beantworten — die Staatsanwaltschaft könnte auch in dieser Sache noch Ermittlungen aufnehmen. "Ich kann nicht in jedem Einzelfall sagen, wie was geschehen ist." Heute will sich Schittges mit den zwei Schatzmeistern Theo Wirtz und Diether Thelen treffen, die nach seiner Darstellung öfter mit dem Geschäftsführer Schick über finanzielle Fragen geredet hätten.

Schittges, seit 1973 diplomierter Betriebswirt, wehrt sich auch gegen Vorwürfe, er habe in seiner 27-jährigen Amtszeit als Vorsitzender von 1985 bis 2012 nicht ausreichend mit den Mitgliedern kommuniziert, autokratisch regiert. "Ich gehe selten einem Gespräch aus dem Weg", sagte der Ex-Vorsitzende gestern. Die Schulden der Partei seien schon vor seiner Amtszeit 1985 ein großes Problem gewesen, sagt Schittges. "1985, als ich startete, habe ich vier Tage nach der Wahl erfahren, dass die CDU Krefeld 1,78 Millionen DM Schulden hat." Er habe für die Partei "viel Geld gespart". Die Verbindlichkeiten zum Ende seiner Amtszeit wären abgetragen gewesen, wenn Schick (ca. 5000 Euro Monatsgehalt brutto) früher in den Ruhestand gegangen wäre und so die Verbindlichkeiten bei der Landespartei abgetragen worden wären. Mit den 90 000 Euro Schaden durch Schicks Buchungen wiederum wären die Schulden bei einem Kreditinstitut abgebaut worden, sagte Schittges.

Schittges äußerte sich gestern erstmals zu den Details der Vorgänge nach der Übergabe der Vorstandstätigkeit an Marc Blondin. Nach Schittges' Darstellung ging Jürgen Schick im August 2012 in den Ruhestand. Er habe dann "einen Mann aus der Partei" gebeten, die Bücher der Partei zu überprüfen. Diese durch ihn veranlasste Prüfung habe dann zu den Detailprüfungen durch den neuen Vorstand geführt. Bei der Pressekonferenz hatten Blondin (41) und seine Schatzmeisterin Anja Peters (40) erklärt, dass sie nach der Amtsübernahme des alten Vorstandes zunächst überprüft hätten, ob das Inventar der Geschäftsstelle an der Carl-Wilhelm-Straße noch vorhanden ist. Als bemerkt wurde, dass dort Dinge wie Computer und Beamer fehlten, entschieden sich Peters und Blondin, auch die Parteikonten näher zu untersuchen. Laut Schittges war es er selbst, der verhindert hat, dass Jürgen Schick nach seinem Ausscheiden 2012 noch weiter gegen Entgelt die Buchungsarbeit für die Partei übernimmt. "Es gab Personen bei der CDU, die genau dafür eintraten", sagte Winfried Schittges.

(RP/anch)
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