Krefeld: P & C - Debatte um alte Krefeld-Achse

Krefeld: P & C - Debatte um alte Krefeld-Achse

Der Bekleidungskonzern plant an der Friedrichstraße mit einer Verengung der Straße um fünf Meter. Bei einer Podiumsdiskussion in der Mediothek prallten Gegner und Befürworter der Verengung aufeinander.

Krefelds Planungsdezernent Martin Linne hat indirekt davor gewarnt, eine P & C-Investition in Krefeld am Widerstand gegen die vom Unternehmen gewünschte Verengung der Friedrichstraße um fünf Meter scheitern zu lassen. "Die Welt um Krefeld dreht sich weiter", sagte er bei einer Podiumsdiskussion in der Mediothek, die der Verein "Impuls Krefeld" ausgerichtet hat. Er bescheinigte den Krefeldern die "Leidenschaft", bei solchen Projekten eine immer noch bessere Lösung zu suchen — "dadurch verpasst man manchmal das Heute". Es gebe immer viele Möglichkeiten, etwas zum Scheitern zu bringen", mahnte Linne, "und nur wenige Möglichkeiten, die Dinge gangbar zu machen".

P & C selbst hat sich noch nie öffentlich zu dem Vorhaben geäußert — vermutet wird, dass es in Krefeld um eine Investition über 100 bis 120 Millionen Euro geht. Kritiker der P&C-Planung wie der Krefelder Heimatverein, der durch seinen Vorsitzenden Robert Claßen vertreten war, warnen davor, eine historische gewachsene Sicht- und Wegachse zu beschädigen. Zugleich betonen die Skeptiker, es gehe ihnen nicht darum, P&C zu verhindern: "Dass der Baublock dort nicht schön ist, ist klar", sagte Claßen.

Die Bedeutung dieser fünf Meter für P&C ließen die Beiträge von Carolina Veith erahnen, die über Erfahrungen im Management für Projektentwickler verfügt. Es geht demnach nicht um Verkaufsfläche — eine Vermutung, die immer wieder geäußert wird, meist verbunden mit der Frage, warum P&C nicht einfach nach hinten hin plane und baue. Laut Frau Veith geht es aber nicht um Platz, sondern ganz entscheidend um "Sehbarkeit": "P&C möchte gesehen werden", sagte sie, "oft entscheiden ein, zwei Meter, ob eine Lage funktioniert oder nicht". Hinweisschilder reichten keinesfalls. Die Frage der Sehbarkeit sei für Häuser wie P&C "maßgeblich, weil sie 15, 20 Jahre erfolgreich sein müssen". Sie schätzt, dass P&C für Krefeld ein Haus mit etwa 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche anvisiert.

Aus dem Lager der Skeptiker hat am klarsten Oliver Schröter, Architekt und Vorsitzender des Bundes deutscher Baumeister, Vorbehalte gegen die Verengung der Friedrichstraße formuliert: Im Krieg sei in Krefeld viel zerstört worden, "und was unsere Kriegsgegner nicht kaputtgemacht haben, haben wir selbst kaputtgemacht", sagte er unter Applaus, "das Einzige, was uns geblieben ist, ist der Stadtgrundriss von Vagedes. Wir führen heute die Diskussion, ob wir uns an unserem Stadtgrundriss rumfummeln lassen." Er würde gerne verstehen, warum das nötig sei und warum Krefeld die "Kröte" der Verengung schlucken müsse. Heimatvereinsvorsitzender Robert Claßen erklärte ergänzend, mit der Verengung werde "eine Jahrtausende alte Entwicklung unterbrochen" — er meinte die Wegachse über Kölner Straße, Neusser Straße, Hochstraße und Friedrichstraße.

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Die These von der angeblichen Beeinträchtigung einer Sichtachse wollte Dezernent Linne nicht stehenlassen: Die Hochstraße mäandriere, "ohne dass das Auge ein klares Ziel hat"; von Sichtachsen könne man nur beim Blick von der St.-Anton-Straße zum Friedrichsplatz oder von der Rheinstraße auf die Dionysiuskirche reden. Zudem entspreche die Verengung auf zehn Meter in etwa der Breite der Hochstraße — "ist die Hochstraße so unattraktiv?", fragte er. Er hält die Verengung für städtebaulich vertretbar und plädiert dafür, im Bereich St.-Anton-/Friedrichstraße eine Torsituation zur Innenstadt zu planen. Wachsen und schrumpfen gehöre nun mal zum historischen Werden; "nur weil etwas vor Jahrhunderten geweitet wurde, heißt das doch nicht, dass man es nicht wieder verengen darf".

Generell wurde im Publikum die Unzufriedenheit darüber geäußert, dass niemand genau wisse, was P&C eigentlich plane — die Wirkung einer solche Fassade sei schließlich in 3-dimensionalen Computeranimationen gut darstellbar.

Den Verdacht, dass in Krefeld das Klima für Investoren rau sei, wies Eckart Preen für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft zurück. Es gebe im gewerblichen Bereich eine Reihe von Unternehmen mit Millioneninvestitionen, die öffentlich nicht so viel Aufmerksamkeit erregten wie die Debatte um P&C oder das nach zähem Ringen doch eröffnete Cafe del Sol: "Die Stadt schafft es sehr wohl, Investoren in die Stadt zu holen, die hier sehr große Beträge investieren." Auch Preen warnte allerdings davor, P&C in Krefeld scheitern zu lassen: Eine Ablehnung des Investors wegen der Sichtachsen würde "fünf Jahre Stadtmarketing ad absurdum führen".

(RP)
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