Krefeld: Outokumpu Nirosta spart 62 Millionen Euro

Krefeld : Outokumpu Nirosta spart 62 Millionen Euro

Exklusivgespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Outokumpu Nirosta GmbH, Wolfgang Hesse, über Erneuerbare Energien, die Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt und Perspektiven für das kommende Jahr.

Die Nachricht war wie ein Schlag ins Gesicht: Outokumpu Nirosta mit seinen Werken in Krefeld und Bochum sollte nicht mehr wie in den Vorjahren von den Kosten der Energiewende befreit werden. Das hätte die Bücher des Stahlunternehmens 2013 mit unerwarteten rund 28 Millionen Euro belastet.

Im Dezember des vergangenen Jahres hat Outokumpu Nirosta seine Flüssigphase in Krefeld geschlossen. Gemeinsam mit dem Werk in Bochum zählte sie zu den großen Energieschluckern im Unternehmen. Foto: Thomas lammertz

Im Exklusivgespräch mit unserer Zeitung berichtet Vorstandsvorsitzender Wolfgang Hesse vom Umdenken im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Outokumpu sei nicht nur rückwirkende für 2013 von der Zahlung der EEG-Umlage befreit worden, sondern auch für das laufende Jahr 2014. Die geplante Verbesserung auf der Ausgabenseite summiere sich auf geplante 62 Millionen Euro.

Die überwiegende Befreiung von der Zahlung der EEG-Umlage soll nach dem Willen des Gesetzgebers, die internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern. In der Stahlproduktion wird viel Energie benötigt, insbesondere in der so genannten Flüssigphase: also dort, wo Lichtbogenöfen Schrott und Legierungsmetalle zum Schmelzen bringen. Bis Ende des Jahres existierte an beiden Standorten Flüssigphasen. Die wurden in der Vergangenheit als selbstständige Unternehmensteile geführt, die alle Voraussetzungen (Mindestverbrauch und Erreichen einer bestimmten Quote an den Kosten der Bruttowertschöpfung) für eine Befreiung von der Zahlung der EEG-Umlage erfüllten. Änderungen der Rechtslage und vielleicht auch der Haltung des Bafa schienen für Outokumpu zunächst nachteilig.

Fakt ist: Mit einer formellen Antragsänderung kam Outokumpu doch noch zum Ziel. Weil wegen der schwierigen Weltmarktsituation 2013 aber weniger produziert worden ist, hat das Unternehmen auch weniger Strom verbraucht. Am Ende stand dann eine tatsächliche Ersparnis durch die Befreiung von 20 Millionen Euro.

Neu ist: Für 2014 (die Krefeld Flüssigphase ist inzwischen geschlossen) hat Outokumpu Nirosta eine Befreiung fürs Gesamtunternehmen Flüssigphase Bochum und drei Kaltwalzwerke (darunter Krefeld) genehmigt bekommen. Von den kalkulierten 34 Millionen Euro Ersparnis entfallen laut Hesse rund 14 bis 15 Millionen Euro auf den Energieverbrauch der Kaltwalzwerke. Dieses positive Ergebnis im Antragsverfahren an die Bafa war nur deshalb möglich, weil sich die rechtlichen Bedingungen zugunsten Outokumpus verändert haben. Demnach müssen die Energiekosten nicht mehr mindestens 20 Prozent der Bruttowertschöpfungskosten ausmachen, sondern lediglich noch 14 Prozent.

Das Risiko: Wenn Outokumpu Nirosta wie vorgesehen 2015 auch die Flüssigphase in Bochum auch schließt, dann sind die beiden größten Energieschlucker stillgelegt. Das heißt, dass der Verbrauch sinkt. Gleichzeitig setzt das Unternehmen darauf, dass die Restrukturierungsmaßnahmen greifen und sich die wirtschaftliche Lage verbessert. Hesse räumte im Gespräch mit unserer Zeitung ein, dass aus diesen Gründen womöglich eine weitere Befreiung von der Zahlung der EEG-Umlage 2015 nicht erfolgen könne.

Für die Gewerkschaften wäre dies ein weiteres Argument gegen die Schließung des Werks in Bochum. Die Tonne Vormaterial, das im Krefelder Kaltwalzwerk und den anderen deutschen Standorten zukünftig verarbeitet werden soll, käme dann aus dem finnischen Tornio. "Das würde die Tonne um 40 Euro verteuern", behauptet Betriebsratsvorsitzender Norbert Kalwa. Außerdem so Robert Fuß von der IG Metall glaubten er und seine Berater nicht daran, dass eine Schließung des Bochumer Werks dem Konzern eine Ersparnis von 30 Millionen Euro im Jahr bringe. "Das zweifeln wir an", sagt Fuß: "Lassen wir es mal zehn bis 15 Millionen Euro im Jahr sein." Inwieweit auch dieser Betrag sich noch relativiere, sei dahingestellt.

Energiekosten, so Hesse, machten rund zehn Prozent der Gesamtkosten in der Gesellschaft aus. Rund 70 Prozent entfielen aufs Material, zehn Prozent aufs Personal und weiter zehn Prozent auf Sonstiges. Das Stahlunternehmen benötige im Jahr so viel Energie wie die gesamte Stadt Bochum ohne das Outokumpu-Werk.

(RP)