Krefeld: Outokumpu: Neuer Chef will Werk Krefeld in zwei Jahren flottmachen

Krefeld : Outokumpu: Neuer Chef will Werk Krefeld in zwei Jahren flottmachen

Oliver Picht will Outokumpu Nirosta für den Wettbewerb gegen die chinesische Konkurrenz stärken und die Investition von mehr als 108 Millionen Euro in Krefeld bis 2016 umsetzen.

In den kommenden zwei Jahren hat Oliver Picht alle Hände voll zu tun, um aus dem schwerfälligen Supertanker Outokumpu Nirosta eine schnelle Motoryacht zu formen. Zum Jahresbeginn hat der 47-Jährige den Vorstandsvorsitz beim Edelstahlproduzenten übernommen. Die Aufgaben sind fest umschrieben.

Er muss den Standort Krefeld mit 108 Millionen Euro ausbauen und weitere Millionen in Forschung und Innovationen investieren. Die erste Teilbaugenehmigung der Stadt Krefeld liege vor. Mit dem Bau einer Halle und der Fundamente für die Maschinen könne begonnen werden, erklärte Picht gestern in der Hauptverwaltung an der Kimplerstraße.

Als neuer Chef der fünf Standorte in Krefeld, Düsseldorf, Dillenburg, Dahlerbrück und Bochum muss der gelernte Gießereimechaniker und promovierte Edelstahlexperte darüber hinaus aber auch den Stellenabbau weiter vorantreiben und die Werke in Bochum und Düsseldorf-Benrath schließen.

Die Produktion aus der Landeshauptstadt wird bekanntermaßen nach Krefeld verlegt. Die Umsiedlung erfolgt unter dem Stichwort Nifo-Projekt. Als grobe Richtschnur gilt, dass etwa 20 Prozent der Investition in neue Gebäude, weitere 20 Prozent in die Infrastruktur und rund 60 Prozent ins Equipment fließen. Nifo steht dabei für Nirosta-Ferrit-Optimierung.

Für die Optimierung muss Picht an vielen Stellschrauben drehen. Er selbst formuliert das Ziel so: "Wir müssen agiler werden". Damit meint der gebürtige Norddeutsche, der lange in Bayern lebte und in Aachen studierte, dass Outokumpu Nirosta in die Lage versetzt werden müsse, schnell und flexibel auf die Wünsche der Kunden aus der Automobilindustrie und der Haushaltswarenherstellung zu reagieren.

Wie das gehen soll, dazu hat der frühere Manager aus der Aluminium-Branche klare Vorstellungen. Die Verfügbarkeit aller Ressourcen müsse gesteigert werden. Das bedeutet Extraschichten für die Belegschaft, Lagerhaltung von Waren, schnellere Prozesse und optimierte Lieferketten.

Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Vorstandsvorsitzenden bestand darin, das Gespräch mit Standort- und Gesamtbetriebsrat zu führen. "Wir werden gute Lösungen und auch die unumgänglichen Kompromisse finden", sagte Picht gestern. Outokumpu stehe im Wettbewerb mit China, das zu Dumpingpreisen Stahl verkaufe.

Picht sieht die Gefahr, dass sich in der Stahlbranche ähnliche Entwicklungen wie im Solargeschäft durchsetzen. Dort sei der Markt für deutsche Hersteller nach der China-Offensive innerhalb von nur fünf Jahren zusammengebrochen. Insofern verfolge er gespannt was die bei der EU anhängige Anti-Dumping-Untersuchung ergebe.

Picht hat seinen Dienstsitz in Krefeld. Von dort muss er sich über das Tagesgeschäft hinaus auch Gedanken darüber machen, was mit den stillzulegenden Standorten in Bochum und Benrath, aber auch mit Überhangflächen in Krefeld geschehen soll. Nach der Schließung der so genannten Flüssigphase in Krefeld Ende des Jahres 2013 gibt es auch dort ungenutzte Flächen und Gebäude.

"Wir benötigen ein Facility-Management", sagte Picht gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Outokumpu stehe in dieser Frage aber noch ganz am Anfang. "Wir fangen gerade erst an, alle Machbarkeiten zu prüfen", erklärte der Vorstandsvorsitzende, der in Oberkassel lebt und zuletzt in der Schweiz für Novelis, dem weltgrößten Hersteller von Aluminium-Walzerzeugnissen, gearbeitet hat. Vom Verkauf der Grundstücke, über Vermietung und Verpachtung bis hin zu eigenen Projektierungen sei grundsätzlich alles denkbar, sagte er.

(RP)