Krefeld: Otello-Streit auf der Muscialbühne

Krefeld: Otello-Streit auf der Muscialbühne

Bei der Premiere des Musicals "Otello darf nicht platzen" hatte das Publikum eine Menge zu lachen. Ansgar Weigner hat eine turbulente Komödie inszeniert, die auch von der Ohrwurm-Musik zehrt.

Ken Ludwig hat es richtig gemacht. Mit seinem Debütstück brachte es der Amerikaner zu schnellem Ruhm und anhaltendem Reichtum: Seit der Uraufführung 1986 war "Lend me a Tenor" in 110 Produktionen zu sehen, war immer ein Publikumserfolg und wurde mit stattlichen Theaterpreisen - unter anderem mit Englands wichtigstem, dem Laurence Olivier Award - bedacht. Als deutschsprachiges Musical "Otello darf nicht platzen" brachte Ansgar Weigner es nun auf die Krefelder Bühne - und eroberte das Publikum im Handumdrehen.

Es war Mitte der 80er Jahre - die hohe Zeit der Startenöre, das Phantom der Oper und Cats hatten bereits den ersten Musical-Hype ausgelöst. Die Musik, die lustvoll swingt, sich zum hymnischen Chorus erhebt oder mal große Oper zitiert, bohrt sich tief ins Ohr und schlängelt sich durch den Körper bis zum Fuß, der mitwippen will. Unter Andreas Fellners Leitung verwandelten sich die Niederrheinischen Sinfoniker in eine bestens aufgelegte Big Band, die aus dem Graben ordentlich Zunder gab. Und als zum zweiten Mal das hitverdächtige "Sei du selbst" erklang, konnten schon viele im Publikum mitsingen. Der Komödienstoff stammt tief aus der Klamottenkiste des Boulevardtheaters: Ein kleines Ensemble in argen Finanznöten will sich sanieren mit dem spektakulären Gastauftritt eines italienischen Startenors in Verdis "Otello". Doch "Il Stupendo" (Andrea Matthias Pagani) ist säumig, später unpässlich und nach etlichen Verwirrungen gar noch scheintot. Kurz: Er kann nicht auftreten. Hilfe gibt's in eigenen Reihen - der junge Max (Lukas Weitzel) kann singen und beherrscht die Rolle. Er springt ein. Wenig überraschend, dass der echte Star irgendwann aufwacht und auch im Otellokostüm auf die Bühne will. Und weil Präsident Roosevelt zum Shakehands einlädt, muss der Direktor (Markus Heinrich) den dritten Otello mimen. Das funktioniert, weil die Handlung in den 1930ern spielt, als Otello noch "der Mohr von Venedig" hieß und von weißen Sängern mit dunkel geschminkten Gesichtern gespielt wurde.

Doch es ist absehbar, dass alle Drei beim Otello-Streit auf der Bühne ein heilloses Durcheinander auslösen, bevor sie sich nach endlosem Tür-auf-Tür-zu treffen. Etliche eifersüchtige Damen drehen zusätzlich mit an der Verwirr-Kurbel: Susanne Seefing als launische Tenor-Gattin, Elena Otten als abenteuerlustige Direktorentochter, Gabriela Kuhn als von Hormonen und Ehrgeiz gesteuerte Diva sowie die Exfrauen des Direktors (Johanna Werhahn, Sabine Sanz und Debra Hays als Jacob-Sisters-Verschnitt). Lustvoll feuert diese Garde alle Pointen ab, konzentriert sich auf exaktes Timing, singt und tanzt, was das Zeug hält. Vor allem Witzel, Seefing und Kuhn mit ihrem Querschnitt durchs Opernfach glänzen.

  • Leverkusen : Klasse Komödie: "Otello darf nicht platzen"

Christian Robert Müller hat die Figuren liebevoll ausstaffiert, auf der Bühne passen nicht nur die Positionen und Anschlagrichtungen der Türen. Es ist ein exaktes Uhrwerk, in dem alle Rädchen rundlaufen und der Zuschauer mit allen Figuren mitleiden möchte, die sich immer tiefer verstricken. Das Motto des Startenors heißt "Ich singen Otello uberall. Nessun problema" . Doch die Probleme sind die Würze bei diesem schnellen, turbulenten Abend. Das Publikum spendete ausgiebig Beifall, einige Gruppen standen auf beim Schlussapplaus und forderten eine Zugabe.

Weitere Aufführungstermine: 24. März, 8. und 9. April, 8. und 25. Mai im Theater; Kartentelefon 02151 805125.

(RP)