Organist in Krefeld führt Zuhörer in einen Sternenregen

Konzert : Organist führt Zuhörer in einen Sternenregen

„Lux aeterna“ – ein Orgelkonzert mit gregorianischem Gesang – fand in der Lutherkirche statt.

Die Glocken der Lutherkirche läuten zum Konzertbeginn, und auf einer Leinwand im Kirchenraum sind die ersten Takte des ersten Stücks zu sehen. Die Einstimmung ins Konzert unter dem Motto „Lux aeterna“ (Ewiges Licht) passt, und es ist erfreulich, dass sich am Samstagabend deutlich mehr Zuhörer eingefunden haben, als es sonst bei den Orgelkonzerten hier üblich ist.

Die acht Mitglieder der Schola Gregoriana Krefeld  unter der Leitung von Karlheinz Schüffler beginnen ihren Gesang mit der Bitte um Frieden „Da pacem“, einem Hymnus aus dem 11./12. Jahrhundert.  Diese Gesänge ohne Instrumentalbegleitung ziehen sich wie ein roter Faden durch das Programm des Abends – stets im Wechsel mit einem Orgelwerk. Dabei schlägt Karlheinz Schüffler an der Walcker-Orgel einen großen Bogen von der Musik des Barocks bis in die heutige Zeit.

Ein zweiter thematischer roter Faden zeigt sich bei der Zusammenstellung des Programms; es ist die Bitte um das ewige Licht, einem wichtigen Motiv aus der liturgischen Totenmesse und  passend zu den aktuellen Feiertagen des Kirchenjahrs.

Dunkelheit und Sphärisches, aber auch Hoffnungsschimmer lassen sich in den ausgewählten Werken wiederfinden. Die  Fantasia c-Moll (BWV 562) von Johann Sebastian Bach (1685-1750) bringt das Düstere gleich in monumentaler Form.

Auf der Leinwand kann das Publikum sehen, dass diese bedrohlich wirkende Atmosphäre von der Pedalstimme kommt.  Eine hohe choralartige Stimme muss sich stets gegen die dunklen Töne behaupten und verliert letztendlich. Diesen Kampf macht der Organist mit seiner Registerwahl sehr anschaulich.

Freundlicher ist die Stimmung, die er mit dem musikalischen Morgenstern, der Stella matutina op. 56 von Jacques Roux (1899-1979) schafft. Er wählt Register, die leise sphärische Klänge aus der fernen Milchstraße sein sollen.

Die Möglichkeiten der Walcker-Orgel nutzt Schüffler für das berühmte Adagietto aus  der 5. Sinfonie Gustav Mahler (1860-1911). Doch die Bearbeitung des Orchesterwerks für die Orgel von Joachim Dorfmüller (1979) kann das ausgesprochen emotionale Stück, das als Musik für Viscontis Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“ bekannt ist, nicht in einer angemessenen Form wiedergeben.

Selbst bei dem Spektrum dieser Orgel lässt sich rein technisch nicht diese ergreifende Stimmung schaffen, es bleibt Kirchenmusik, die nicht an das Original herankommen kann. Überzeugend ist dagegen die kontrastreiche Registrierung von César Francks (1822-1890) Choral a-Moll (1890). Die Klangfarben eines „halben“ Orchesters kann Schüffler in seiner Interpretation aufbieten – passend von feinen musikalischen Linien bis zu monumentalen Klanggebäuden.

Mit Aivars Kalējs (*1951) Lux aeterna (1996) entführt er das Publikum zunächst mit schwebenden Klängen wieder in das Universum. Ein heller Stern geht auf, dann scheint ein Sternenregen zu folgen, es wird dramatischer und mit leisen Tönen entschwebt das Stück in die Endlosigkeit des Alls.

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