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Orang-Utan Hujan reist vom Krefelder Zoo ins Monkey World Ape Rescue Center nach Großbritannien

Von Krefeld nach Großbritannien : Orang-Utan Hujan ist in England angekommen

Der kleine Menschenaffe aus dem Krefelder Zoo hat es gut getroffen. Er wurde gleich von Alpha-Weibchen Lucky adoptiert.

Hujans Box im Krefelder Zoo ist leer. Der kleine Menschenaffe, von Pflegerin Eva Ragavni von Hand aufgezogen, ist umgezogen. Vor zweieinhalb Wochen trat der 21 Monate alte Orang-Utan die Reise nach England an, wo er zukünftig im Monkey World Ape Rescue Center leben wird. Ragavni hatte dem Termin mit gemischten Gefühlen entgegen gesehen. „Einerseits freut es mich für Hujan, dass er eine gute Zukunft bekommt, andererseits fühlt es sich an, als zöge das Kind von zu Hause aus“, hatte die junge Frau zuvor gesagt.

Gemeinsam mit ihrem Zögling war sie ins Königreich gereist und hat die erste Woche dort verbracht. Am vergangenen Montag kehrte sie nach Deutschland zurück und ihre Stimmungslage hat sich seitdem komplett gewandelt. „Es ist überhaupt keine Traurigkeit da. Ich bin einfach nur glücklich, wie alles gelaufen ist“, sagt die Affenpflegerin. Schon die erste Berührung der britischen Pfleger, die vor Hujans Abreise nach Krefeld gekommen waren und einige Tage mit ihm verbracht hatten, mit ihrem neuen Schützling waren sehr ermutigend.

Tierpflegerin Eva Ragavni hat ein Erinnerungsfoto von Hujan aufgegehängt. Sie weiß, dass es ihm in England gut geht. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„James, der sich hauptsächlich um ihn kümmern wird, hat sich auf Anhieb toll mit Hujan verstanden. Auch zwischen uns Pflegern hat die Chemie sofort gestimmt. Das war eine große Beruhigung“, erzählt Ragavni. Schon nach kurzer Zeit habe der kleine Affe ausgelassen mit seinem neuen Pfleger gespielt. So hatte die Ziehmutter dem Umzug bereits viel positiver entgegen gesehen. Was sie dann in der Monkey World erlebte, treibt ihr noch jetzt ein Lächeln ins Gesicht. „Hujan war schon auf der Fahrt ganz entspannt. Er hat nicht einmal geschrien. Im Zoo angekommen, haben wir ein bisschen mit ihm gespielt, und dann hat James die erste Nacht bei ihm in der Schlafbox übernachtet. James hat einfach auf der Holzwolle geschlafen. Ich muss zugeben: Ich habe mir immer ein Feldbett mitgenommen“, erzählt die Krefelderin.

Von Anfang an sei aber auch der Kontakt zu den anderen Affen der neuen Gruppe – ein Männchen namens Tuan und vier Weibchen – sehr positiv gewesen. „Sie waren gleich interessiert. Wir haben sie zunächst noch getrennt gehalten, aber mit einem gemeinsamen Gitter. Es gab keinerlei Aggression. Darum haben wir schon nach einem Tag das Alpha-Weibchen Lucky mit dem Kleinen zusammengelassen“, sagt Ragavni. Das sei in der Schlafbox geschehen. „Lucky ist sofort vorsichtig in seine Box gegangen. Hujan war das nicht geheuer und er ist in die andere Box ausgewichen. Lucky war extrem vorsichtig und ist immer wieder hinter ihm her, ohne ihn zu jagen. Irgendwann haben wir sie nebeneinander gefüttert“, erzählt die Pflegerin. Dann beginnt sie zu lachen. „Hujan hat an seiner Flasche genuckelt, und Lucky hat ganz vorsichtig wie ein schüchterner Junge im Kino ihren Arm um ihn gelegt. Das war ein tolles Bild und urkomisch“, fährt sie fort.

Im Krefelder Zoo wurde Hujan mit der Flasche aufgezogen. Das hat Pflegerin und Tier eng verbunden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Binnen Stunden hätten die beiden Affen sich immer besser verstanden, gespielt, und Lucky habe sogar von besonderen Leckereien den größeren Teil an den Neuankömmling abgegeben. „Sie hat ihn sichtlich adoptiert. Das bedeutet: Hujan ist absolut sicher. Jetzt müssen die Kollegen nur noch die Gruppendynamik ausloten. Lucky hat dort alle im Griff. Auch Männchen Tuan. Eine starke Frau hilft halt immer“, sagt Ragavni schmunzelnd. Als nächstes soll Omega-Weibchen Amey vergesellschaftet werden. Auch das geschieht vorsichtig. „Nicht zu Hujans, sondern zu Ameys Schutz. Denn Lucky ist ihr deutlich überlegen und wenn sie eine Gefahr für Hujan sähe, hätte Amey ein Problem.“

Das aber steht nicht zu erwarten. Auch die restliche Gruppe zeige sich sehr aufgeschlossen und neugierig und zeige keinerlei Aggression, auch wenn der kleine Exil-Krefelder wilder spiele. „Er kann den starken Mann markieren, ohne dass eine Reaktion kommt. Das zeigt: Alles entspannt“, erklärt die Affenexpertin. Sollte es ein Problem geben, würden die Affen übrigens mit Hilfe eines Feuerlöschers getrennt. „Ein Mensch könnte nicht dazwischen gehen. Das wäre lebensgefährlich“, sagt Ragavni.

Ihren kleinen Schützling wird sie übrigens im Juni wiedersehen. Dann reist sie erneut in die Monkey-World. „Zu Hujans Geburtstag habe ich mir Urlaub genommen. Flug und Ferienhaus sind schon gebucht. Wahrscheinlich wird er dann kurz hallo sagen und im riesigen Außengehege rumklettern“, vermutet Ragavni. Die Umsiedlung jedenfalls war ein voller Erfolg. Affe, Pflegerin und alle Beteiligten sind glücklich: Hujans Zukunft sieht sehr gut aus.