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Krefeld: Opfer fordern Strafe für Sektenarzt

Krefeld : Opfer fordern Strafe für Sektenarzt

Hartmut Hopp ist in Chile rechtskräftig verurteilt, hat sich durch die Flucht nach Krefeld der Haftstrafe entzogen. Die Opfer fordern nun schnellere Justizarbeit.

Opfer der von Deutschen gegründeten Folterkolonie "Colonia Dignidad" aus Chile haben am Mittwoch die deutsche Justiz aufgefordert, die Ermittlungen gegen den in Krefeld lebenden früheren Arzt der Siedlung, Hartmut Hopp, zu intensivieren. Unterdessen haben am Mittwoch vier der sechs verurteilten deutschen Mitglieder der Führungscrew in Chile ihre Haftstrafen angetreten. Insgesamt sechs Führungsmitglieder sind verurteilt wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch in 16 Fällen und Beihilfe zu Vergewaltigungen in vier Fällen. Der Anwalt von Hartmut Hopp sagte gestern, sein Mandant wolle sich vorerst nicht äußern.

Zwei Sprecher der "Not- und Interessengemeinschaft der Colonia Dignidad-Geschädigten" erklärten gestern: "Das chilenische Urteil gegen Hopp muss in Deutschland vollstreckt werden. Hierzu müssen sich deutsche und chilenische Justizbehörden verständigen." Die Opferbände fordern außerdem, dass Deutschland die Archive öffnet, um mehr über Kontakte Deutschlands zur Colonia Dignidad zu erfahren. Hartmut Hopp war 2011 illegal aus Chile ausgereist und nach Deutschland geflüchtet. Die Krefelder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Mordes, Beihilfe zum sexuellen Missbrauch und gefährlicher Körperverletzung und hat bereits Zeugen befragt.

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Die chilenischen Behörden hatte seine Auslieferung beantragt, was von der deutschen Justiz unter Verweis auf seine deutsche Staatsangehörigkeit abgelehnt wurde. In Krefeld ist bisher Staatsanwalt Klaus Schreiber mit dem Fall betraut. Der Opferverband fordert, dass das NRW-Justizministerium die nötigen Voraussetzungen schaffen müsse, damit schneller ermittelt werden kann. Der Grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele fragte gestern in einer Fragestunde des Bundestages, ob die Bundesregierung über diplomatische Hilfe schnell die chilenischen Akten zum Fall Hopp nach Deutschland holen kann und ob die Bundesregierung über finanzielle Hilfe für die Opfer nachdenkt.

Die deutsche Siedlung "Colonia Dignidad" 400 Kilometer südlich von Santiago sorgte jahrzehntelang für Schlagzeilen. Es ging um sexuellen Missbrauch, Folter unter der Pinochet-Diktatur und illegalen Waffenhandel.

(RP/ac/jco)