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Ungenutztes Gebäude in Krefeld: Österreicher will Howinol entwickeln

Ungenutztes Gebäude in Krefeld : Österreicher will Howinol entwickeln

Am 14. August hat der österreichische Bauunternehmer Hans Pall das Howinol-Gelände vom Land gekauft. Bis November will der dort eine Verkaufspräsentation herrichten. Er sagt, er habe bereits knapp 400.000 Euro investiert.

Seit vier Jahren ist er Besitzer, also nicht Eigentümer, aber mit der Option zum Kauf ausgestattet — nun ist es soweit: Der österreichische Bauunternehmer Hans Pall hat das 8000 Quadratmeter umfassende Howinol-Gelände am Rhein für rund 75.000 Euro gekauft — der notarielle Vertrag datiert auf den 14. August. Pall will das Gelände innerhalb der nächsten Jahre entwickeln; das erste Etappenziel soll bis Mitte November erreicht sein: Pall möchte in einem der Industriegebäude einen Verkaufsschauraum für ein neuartiges, mit eigenen Patenten ausgestattetes Dämmstoffsystem einrichten.

Pall, 68 Jahre alt, ist in Uerdingen umstritten; bei Bezirkspolitikern gilt er als unseriös und windig — er selbst wehrt sich gegen diesen Eindruck und beharrt darauf, dass seine Pläne realistisch seien und Zug um Zug mit eigenen Mitteln umgesetzt würden. Palls Unternehmen ist die "P. International Holding GmbH" mit Sitz in der Slowakei — das Stammkapital ist mit rund 360 000 Euro angegeben; zudem gibt Pall an, Hauptgeschäftsführer der Baufirma "Öko Reenergie" zu sein, mit der er die Sanierungsarbeiten für das Howinol-Areal bestreiten will. "Howinol" ist die Abkürzung für Ölfabrik Holtz & Willemsen, in der Speiseöle und -fette sowie Margarine hergestellt wurden.

Pall plant, auf dem Gelände ein Tagungszentrum für Architekten einzurichten sowie Gastronomie vom Biergarten bis zum gehobenen Restaurant. In den vergangenen vier Jahren habe er, so gibt er an, inklusive Kaufpreis knapp 400.000 Euro in das Gelände investiert; dazu gehörten die Entsorgung von Sondermüll für rund 10.000 Euro sowie die Ertüchtigung und Sicherung des Geländes für rund 90 000 Euro. Seit Monaten seien Arbeiter dabei, die Gebäude zu entkernen, von Müll und Schmutz zu befreien und die Kanalanschlüsse zu ertüchtigen.

Nur drei Mitarbeiter vor Ort

Gefragt, warum nur so wenige Arbeiter zu sehen seien, sagt Pall, für diese Vorarbeiten benötige man keine Hundertschaft an Bauarbeitern. Gestern waren drei osteuropäische Arbeiter auf dem Gelände, die laut Pall ordentlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Mitte September, so kündigt Pall an, kommen Zimmerleute und erneuern die Dächer für die Gebäude; Mitte Oktober werden neue Fenster installiert; Mitte November soll mindestens ein Verkaufsschauraum benutzbar und die gastronomischen Bereiche in der Struktur erkennbar sein. "Wir werden sie noch nicht bewirtschaften können" — um das Gelände zu nutzen, müsse erst Baurecht geschaffen und der Hochwasserschutz geregelt sein. Laut Pall sei man gerade beim Hochwasserschutz in den vergangenen vier Jahren mit der Stadt keinen Schritt weitergekommen.

Pall ist nach eigenen Angaben gelernter Maurer und seit 1967 selbstständig. Große Hoffnungen setzt er in ein von ihm 2010 patentiertes Dämmsystem, das viel besser sein soll als die herkömmlichen. Pall gibt an, zusammen mit einer rheinland-pfälzischen Firma die Baustoffzulassung zu erarbeiten — nun beginne die Phase der Vermarktung. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte die Zusammenarbeit und erklärte, dass Palls Dämmsystem und sein Patent Hand und Fuß hätten. Laut Pall gibt es bislang 120 Lizenzvorverträge mit europäischen Werken. Er glaubt fest daran, dass daraus ein großes Geschäft wird. Krefeld soll ein Marketingzentrum für dieses System werden.

Wie kommt ein Unternehmer aus der Slowakei auf Krefeld? Pall gibt an, er habe beim NRW-Wirtschaftsministerium Interesse an einer Niederlassung in NRW angemeldet — mit Blick auf den großen Markt in diesem Bundesland. Von Düsseldorf aus habe man ihn an die Wirtschaftsförderung von Krefeld verwiesen. Einmal auf das Howinol-Gelände aufmerksam geworden, kümmerte er sich über Jahre darum, bis er jetzt den Zuschlag für den Kauf bekam.

Den Verdacht, dass Pall schlicht auf eine Wertsteigerung des Geländes spekuliere und irgendwann verkaufen will, weist er zurück: "Sollte ich innerhalb der nächsten fünf Jahre verkaufen, müsste ich die Hälfte des Gewinns an das Land abtreten", sagt er. Er beteuert, dass er an den Standort glaubt — und daran, das Gelände zu einem beliebten Tagungs- und Feierabendtreff machen zu können.

(RP)