Oberbürgermeisterwahl in Krefeld: Hansen glaubt an seine Chance

Kommunalwahl : OB-Wahl: Hansen glaubt an seine Chance

Die Grünen schicken Thorsten Hansen ins Rennen um die Wählergunst für das Amt des Oberbürgermeisters. Nach 2015 nimmt der 52-Jährige einen zweiten Anlauf an die Spitze von Rat und Verwaltung. Eine Stichwahl ist für 2020 nicht vorgesehen. Es entscheidet der erste Wahlgang.

Noch nie waren die Chancen besser, dass die Grünen einen Oberbürgermeister stellen, als bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr. Das ist auch in Krefeld so. Wer im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhält, zieht ins Rathaus ein. Eine Stichwahl ist nicht vorgesehen. Gegen diese Regelung klagen ausgerechnet die Grünen vor dem Verfassungsgerichtshof des Landes. Dass die Klage Erfolge haben könnte, glaubt Krefelds Parteivorsitzender Karsten Ludwig nicht. Ein solches Signal aus Münster sei bislang ausgeblieben.

Als ob diese Konstellation nicht schon seltsam genug wäre, diskutierten rund 50 Mitglieder der Krefelder Grünen intensiv, ob sie überhaupt einen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten ins Rennen um die Wählergunst schicken sollen. Das würde die Chancen des amtierenden Chefs im Rathaus, Frank Meyer (SPD), schmälern, befürchteten die Grünen. „Nun, wir sind nicht die SPD“, erklärte Ludwig am Dienstag. Die Partei wählte Thorsten Hansen zum Gegenkandidaten von Meyer (wir berichteten).

Um das sachlich konstruktive Klima in der Krefelder Politik nicht zu beschädigen, machte der 52-jährige IT-Experte sofort deutlich, dass er „nicht gegen Meyer, sondern für Krefeld“ antreten wolle. 2015 hatte er schon einmal einen Anlauf gewagt und „viel gelernt“. Von dieser Erfahrung wolle er diesmal profitieren und die Gunst der Stunde nutzen. Die Grünen seien schließlich auf Bundes- und Landesebene seit geraumer Zeit im deutlichen Aufwind. Mit der allgegenwärtigen Klimaschutzdebatte und der Fridays-for-Future-Bewegung sei die grüne Politik der Nachhaltigkeit mehr in den Fokus geraten und die jahrzehntelangen Anstrengungen belohnt worden.

Hansen sieht sich, Meyer und einen namentlich noch nicht benannten CDU-Kandidaten auf Augenhöhe bei jeweils unter 30 Prozent. Er rechne sich gute Chancen aus, die Wahl zu gewinnen, sagte Hansen. Inhaltlich konzentriert sich der in Hüls lebende Ratsherr auf vier Schwerpunkte: Ganz oben auf der Agenda stehe die Mobilitätswende. Die Zeiten, in denen der motorisierte Individualverkehr Vorfahrt genossen habe, seien vorbei. Der Öffentliche Personennahverkehr (OPNV) müsse gestärkt, das Radwegenetz und Raum für Fußgänger ausgebaut werden.

Nicht minder wichtig sei eine ökologische Stadtentwicklung. Im Gegensatz zu anderen Kommunen sei die Krefelder Innenstadt eher ein Problem als zum Vorzeigen. Das vorhandene Potenzial mit und zwischen den vier Wällen gelte es zu heben. Stadtbegrünung sei ein großes Thema. Healthy buildings sei das Stichwort. Mit einem Leuchtturmprojekt der Fassadenbegrünung sei es nicht getan, ein solches Programm sollte auch bei Kindertagesstätten und Schulen Anwendung finden.

Die hohe Arbeitslosenquote in Krefeld mit zehn Prozent und mehr könne und dürfe kein Dauerzustand sein, mit dem sich alle abfänden. Trotz eines wirtschaftlichen Booms in den vergangenen Jahren sei die hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen in der Seidenstadt nicht gesunken. Hinzu komme eine niedrige Frauenerwerbsquote. Das müsse sich ändern, auch unter dem Aspekt des Fachkräftemangels. Mit mehr Home-Office ließe sich für Frauen Familie und Beruf besser vereinbaren.

Thema Nummer vier ist die Digitalisierung. In dem Metier kennt Hansen sich besonders gut aus. Der studierte Betriebswirt ist seit 1990 bei einem internationalem IT Unternehmen im Servicebereich (Cloud Services) tätig. Er hat langjährige Erfahrung als Manager mit internationalen Aufgaben (D-A-CH, Osteuropa), mit Führungsverantwortung für bis zu 100 Mitarbeiter.

Digitalisierung bestehe nicht nur aus der Verlegung von Glasfaserleitungen, sondern auch aus automatisierten Prozessen. In Krefeld sei jedoch auch Grundlegendes wie ein schnelles Internetnetz voranzutreiben. Eine Stadtverwaltung, die online erreichbar sei und Anträge papierlos bearbeite, sei dringend nötig. Dabei spiele Künstliche Intelligenz (KI) etwa bei Dokumentenerkennung eine nicht unerhebliche Rolle. In der Zukunft werden gewisse Abläufe vollautomatisch bearbeitet. Die Industrie sei in dem Segment schon erheblich weiter als die öffentliche Verwaltung.

Nach Ostern wollen die Grünen ihr Wahlprogramm verabschieden und vorstellen.