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Krefeld: OB sorgt sich um Ausbildung

Krefeld : OB sorgt sich um Ausbildung

Bei der Mai-Kundgebung der Gewerkschaften erklärte Oberbürgermeister Gregor Kathstede: "Bei den Ausbildungsplätzen ist etwas in Schieflage." Der DGB verwies auf hohe Kosten für die Stadt durch Hartz-IV-Aufstocker.

Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) macht sich Sorgen um die Ausbildungssituation in Krefeld. Bei der Mai-Kundgebung der Gewerkschaften am gestrigen Tag der Arbeit erklärte Kathstede: "Jugendliche brauchen Ausbildungsplätze. Da ist etwas in der Schieflage." Er kündigte an, bei den Krefelder Firmen um "sehr sehr viel mehr Lehrstellen" zu werben.

Während die Stellenangebote im Krefelder Arbeitsagentur-Bezirk auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gegenüber 2010 um 25 Prozent gestiegen sind, liegt das Angebot für Ausbildungsstellen leicht unter dem Niveau des vergangenen Jahres. Wirtschaft und Verwaltung meldeten der Agentur für Arbeit Krefeld bis April rund 2200 Ausbildungsplätze — 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Aktuell suchen laut Arbeitsagentur 1544 Jugendlichen eine Lehrstelle, 1334 Ausbildungsstellen sind noch nicht besetzt. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Krefeld, Ralf Köpke, sagte beim Arbeitnehmerempfang: "Da soll ein Krefelder Unternehmer irgendwas von Fachkräftemangel faseln. Das ist hausgemacht. Wer nicht ausbildet, hat in Zukunft auch keine Fachkräfte." Nach seinen Angaben sei in den beiden vergangenen Jahren die Zahl der Lehrstellen um 20 Prozent eingebrochen.

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Mehr als 3000 Besucher waren gestern zur Mai-Kundgebung in den Stadtgarten gekommen. Mehr als 40 Initiativen, Verbände und Parteien hatten Stände aufgestellt. Grundsätzlich sei die wirtschaftliche Entwicklung ausgesprochen positiv, erklärte Kathstede den Zuhörern. "In Krefeld wird investiert wie lange nicht mehr." Der Großauftrag für Siemens, die geplante Erweiterung bei ThyssenKrupp Nirosta, die Investitionen von Siempelkamp, Bayer, Lanxess, der boomende Krefelder Hafen — "ich bin hoffnungsvoll, dass die Wirtschaft Arbeitsplätze in Krefeld sichert und mehr schafft", sagte der Oberbürgermeister. "Das ist positiv für die gesamte Stadt."

Köpke sagte in seiner Ansprache, dass in Krefeld zahlreiche Arbeitnehmer nicht vom Aufschwung profitierten. "Noch immer gibt es in Krefeld 1700 Vollzeitarbeitskräfte, die in Leiharbeit so wenig verdienen, dass sie mit Steuergeldern aufstocken müssen", erklärte Köpke. "Das ist ein großer Skandal. Das ist die Schattenseite des Aufschwungs: Es gibt viele Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Hungerlöhne zahlen."

Mit Teilzeitbeschäftigten zusammen betrage die Anzahl der Hartz-IV-Aufstocker in Krefeld 4500 Frauen und Männer. Für sie gebe die Stadt jeden Monat rund 330 000 Euro aus, so Köpke. Deshalb fordere der DGB die Mindestlöhne: "Arbeit, die arm macht, kann nicht das Ziel einer Beschäftigungspolitik sein." Oberbürgermeister Gregor Kathstede erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Stadt aus vergaberechtlichen Gründen bei Auftragsvergaben auch Angebote von Firmen berücksichtigen müsse, die nicht nach Tarifverträgen oder Mindestlöhne zahlen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mai-Kundgebung im Krefelder Stadtgarten

(RP)