Krefeld: Nun sichtbar: Luxus à la Mies

Krefeld : Nun sichtbar: Luxus à la Mies

Der Rohbau auf dem Egelsberg steht. Das 1900 Quadratmeter große Modell des Golfclubhauses nach Mies van der Rohes Plänen gibt Einblicke, wie großzügig 1930 entworfen wurde. Spiegelnde Stahlträger zitieren den Bauhaus-Meister.

Das Skelett steht: Aus Fichten-, Tannen- und Seekieferholz sind die Wandkonstruktionen errichtet und geben ein erstes Raumgefühl, wie luxuriös in den 1930er Jahren das Golfclubhaus am Egelsberg gewirkt hätte. Das Projekt "MiK – Mies in Krefeld" hat nach vier Wochen Bauzeit Form angenommen – und das Mondäne ist erahnbar. "In den 1930er Jahren gab es in Deutschland nur zwei Clubhäuser – eines in Berlin-Wannsee und eines in Frankfurt. Beide hat Mies van der Rohe besichtigt, um sich klar zu werden, was so ein Club braucht", sagt Wolfgang Melchert. Der Krefelder Architekt (Büro Demirok Melchert Rother) und der Issumer Bauleiter Andreas Ruhnau sind die Verantwortlichen für die Baustelle: Bis zum 26. Mai entsteht hier, was der Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe 1930 im Auftrag des frisch gegründeten Krefelder Golfclubs vor gut 80 Jahren geplant hat.

Der Golfclubs, gesehen vom Flugplatz Egelsberg aus: Der Rohbau steht. Rechts gut erkennbar ist der Ausleger in die Landschaft – er war als glasüberdachte Auffahrt für die Limousinen der Clubmitglieder gedacht. Der praktische ist zugleich ein ästhetischer Ansatz: Mies öffnet seine Architektur zur Landschaft hin; der Ausgriff in den Raum wird in dieser Auffahrt sinnfällig. Foto: Jens Voss

Die Originalpläne für das Krefelder Clubhaus werden im Mies-Nachlass im New Yorker Museum of Modern Arts aufbewahrt. Paul Robbrecht vom Genter Büro Robbrecht en Daem ist für die künstlerische Leitung des Projekts zuständig und zufrieden, dass der Bau so schnell wächst. Wegen des langen Winters konnten die Arbeiten erst verspätet starten. Der Nachbau der Mies-Pläne erfolgt in Originalgröße, die Idee der Bauhaus-Architektur soll klar werden, aber das Clubhaus soll Modellcharakter bewahren. Deshalb wird nur ein Teil der Glasfassaden mit Scheiben versehen, nur ein Teil der Dächer gedeckt und nicht überall Fußboden verlegt.

Die Wucht des Projekts wird dennoch sichtbar: 1900 Quadratmeter groß ist die Nutzfläche des Bauwerks. Es ist kreuzförmig angelegt und dehnt sich in beide Richtungen 92 Meter weit aus. Ein weit in die Landschaft ragender Ausleger fällt schon von weitem auf. Es ist die geplante Zufahrt: Dort sollten die chromglänzenden Limousinen der Clubbesucher vorfahren.

Auf Exklusivität legten die Krefelder seinerzeit Wert: So war der linke Trakt für die sportlichen Akteure – Umkleideräume (geplant waren Spints für 150 Männer und 100 Frauen), zwei Duschräume, Caddy-Lager und Werkstatt sowie Trainerwohnung – nicht direkt mit dem gesellschaftlichen Teil verbunden: "Man wollte nicht, dass verschwitze Menschen in Sportkleidung an der Bar oder im Loungebereich saßen", sagt Helge Drafz vom Projekt MiK.

Der gesellschaftliche Teil sollte Restaurant, Bar, offene und überdachte Terrasse, einen Veranstaltungsraum und einen separaten Bridgeraum haben. Sogar ein eigener Telefonraum sollte vom Flur zum Sanitärbereich abgehen. Die Räume sind akribisch nachgebildet. "Hier kommt es auf höchste Genauigkeit an", sagt Bauleiter Ruhnau. Denn Mies' Plan hat ein Quadratmeter-Raster – jede Fuge trifft auf eine Achse. "Das ist eine strenge Logik." Er lobt, dass die Gewerke so gut kooperieren, nur so könne der enge Zeitrahmen eingehalten werden.

Ein Highlight für alle Beteiligten: Gestern wurden die ersten Mies-Träger eingebaut: die für ihn typischen, kreuzförmigen Stahlstützen haben eine Chromblechummantelung. Die Verspiegelung lenkt von der Funktion ab. Mies hat die zu beiden Seiten massiven Stützen, die Wind aus jeder Richtung standhalten, entwickelt. Ein kostbares Detail: Sie können nicht gewalzt werden, sondern müssen individuell geschweißt werden. Was heute beim Bauen nicht mehr bezahlbar wäre, versteht das Team hier als "Zitat an Mies' Materialästhetik in Stahl". Die Wirtschaftskrise hat die Pläne für den Clubhausbau in den 1930er Jahren durchkreuzt. Damals waren die ambitionierten Pläne der Krefelder Golfer auch nicht mehr finanzierbar gewesen.

Die feierliche Eröffnung des Mies-Modells am Egelsberg ist am Sonntag, 26. Mai.

(RP)
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