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NS-Dokumentationsstätte und Förderverein Villa Merländer in Krefeld suchen Nachwuchs

NS-Dokumentationsstätte in Krefeld : Verein Villa Merländer vor dem Umbruch

Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung. Dass diese Erkenntnis nicht vergessen und in Krefeld weiter gelebt wird, dafür werben die NS-Dokumentationsstätte und deren Förderverein Villa Merländer. Ein Generationswechsel in Verein und Vorstand bahnt sich an. Gesucht werden engagierte Mitglieder und Ehrenamtler, die sich gegen Populismus und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen wollen.

Götz Waninger steuert auf die 80 zu. Er und seine Frau Annemarie Vössing (70) sind seit vielen Jahren im Vorstand des Vereins Villa Merländer. Er kümmert sich um die regelmäßig erscheinenden Mitgliederbriefe und sie sich um die Buchhaltung. Ein Generationswechsel stehe an und sei vonnöten, berichteten sie am Mittwoch in der Villa Merländer an der Friedrich-Ebert-Straße in Bockum, in der sich die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld befindet. Der Übergang solle geordnet und erfolgreich vonstatten gehen. Die Neulinge würden professionell an ihre Aufgaben herangeführt und für eine Übergangszeit begleitet, erklärte die beiden am Mittwoch.

Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle, und Gabriele König, Leiterin des Kulturbüros Krefeld, nutzen die Gelegenheit, um Nachwuchs für den Förderverein zu werben und sich bei den langjährig aktiven Ehrenamtlichen zu bedanken. Waninger, der früher bei den Stadtwerken sein Geld verdiente und in der Bildungsarbeit der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) – heute Verdi – aktiv war, bereitet seit mehr als 20 Jahren Layout und Druck der zweimal jährlich erscheinenden Merländer-Briefe vor. Die gelernte Bilanzbuchhalterin sorgt für die ordnungsgemäße Verwaltung der Finanzen. Rund 200 Mitglieder zahlen ihren Beitrag. Hinzu kommen etliche Spenden.

 Götz Waninger, Sandra Franz, Annemarie Vössing und Gabriele König (von links) werben um engagierte Mitglieder.
Götz Waninger, Sandra Franz, Annemarie Vössing und Gabriele König (von links) werben um engagierte Mitglieder. Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)
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  • Sandra Franz leitet die NS-Dokumentationsstelle.	 Archivfoto:
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Zweck des Vereins ist es, die NS-Dokumentationsstelle bei der Aufarbeitung und Erforschung der nationalsozialistischen Zeit am Niederrhein zu unterstützen. Ferner setzt er sich dafür ein, das Denkmal Villa Merländer als ehemaliges Wohnhaus des in Treblinka ermordeten jüdischen Kaufmanns Richard Merländer baulich zu erhalten. In diesen Kontext fällt auch die Aufgabe, das im Inneren freigelegte Wandgemälde des Rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk zu präsentieren.

Aufgaben für neue Mitglieder gebe es genug, sagte Sandra Franz. Ein gesellschaftliches Interesse wäre gut, ergänzte Gabriele König. Es sei heute wieder geboten, jeglicher Form des Extremismus eine Absage zu erteilen. Das sieht auch der junge Politikwissenschaftler Finn-Lukas van Erp so, der sich seit geraumer Zeit im Förderverein engagiert. Er glaubt, dass „die historisch-politische Arbeit der NS-Bildungsstellen eine wirkungsvolle Stellschraube gegen eine braune Renaissance“ sei. Ann-Katrin Roscheck, die sich die Überarbeitung der Vereins-Homepage vorgenommen habe, sei ein weiteres Beispiel dafür, dass junge Menschen im Verein Verantwortung übernähmen, erklärte Sandra Franz.

Jüngste Mitstreiterin sei die erst 15-jährige Sophie Stöbe. Aus ihrem Praktikum sei eine Art Dauerpraktikum entstanden. Sie sei schon seit gut einem Jahr bei allen möglichen Veranstaltungen helfend dabei, lobte Sandra Franz. „Wir möchten heute den Aufruf starten, dass sich doch noch viel mehr an einer Mitarbeit interessierte Menschen bei uns melden mögen“, sagte die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle. Doch auch an fördernden Mitgliedern bestehe Bedarf. Der Jahresbeitrag belaufe sich auf lediglich fünf Euro. Darüber hinaus sei eine Spende für die Realisierung ihrer Projekte willkommen, sagte sie.

Annemarie Vössing bezeichnete es als ihre Bürgerpflicht, sich an der „richtigen Stelle zu engagieren“. Ihre Eltern seien Kriegsflüchtlinge gewesen, erklärte sie den Hintergrund ihrer „vielleicht zu pathetisch gewählten Worte“. Sie und ihr Mann wollen Menschen ermuntern, dem Verein Villa Merländer beizutreten.

Interessierte können sich an Rufnummer 02151 503553 oder per Mail an b.ostrowski@krefeld.de wenden.