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Niederheinische Sinfoniker: Hommage auf Tango und Bandoneon in Krefeld

Konzert der Niederrheinischen Sinfoniker in Krefeld : Glanzvolle Hommage auf Tango und Bandoneon

Die Stadt Krefeld mit ihrem Förderverein für das Kulturbüro - unterstützt von der Sparkasse Krefeld - feierte den 200. Geburtstag von Heinrich Band und den 100. Geburtstag von Astor Piazzolla. Die Aufführung der „Niederheinischen Sinfoniker“ mit dem Bandoneon-Solisten Lothar Hensel war glanzvoll.

Das wieder für Konzerte geöffnete Seidenweberhaus war gut gefüllt, als Gabriele König, Vorstandsmitglied im Förderverein für das Kulturbüro der Stadt Krefeld, die erwartungsvollen Gäste und vor allem eine größere Streicherformation der „Niederrheinischen Sinfoniker“, geleitet von ihrem Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson, begrüßte. Die runden Geburtstage eines wenig bekannten Krefelders und eines weitaus berühmteren argentinischen Komponisten sollten gebührend gefeiert werden.

 Oberbürgermeister Frank Meyer (r.) mit Blumen für den Solisten und den Generalmusikdirektor. Mit auf der Bühne (v.l.): Lothar Birnbrich (Sparkassenstiftung), Eduardo Nazareno Munoz (Konsul Argentiniens) und Barbara Adamek  (Förderverein).
Oberbürgermeister Frank Meyer (r.) mit Blumen für den Solisten und den Generalmusikdirektor. Mit auf der Bühne (v.l.): Lothar Birnbrich (Sparkassenstiftung), Eduardo Nazareno Munoz (Konsul Argentiniens) und Barbara Adamek  (Förderverein). Foto: Julian Scherer / Theater Krefeld

Die beiden Geburtstagskinder sind mit dem heute nur noch wenig gebräuchlichen Bandoneon – einem dem Akkordeon verwandten Instrument – fest verbunden. Heinrich Band, der sein ganzes Leben in Krefeld verbrachte, hier als Musiklehrer wirkte und eine Musikalienhandlung betrieb, entwickelte ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Instrument Concertina zum von ihm selbst benannten „Bandoneon“. Dieses noch bis in die 1930er Jahre auch in Deutschland gebräuchliche Instrument gelangte gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf verschlungenen Wegen nach Südamerika, wo es durch den argentinischen Komponisten Astor Piazzolla zum zentralen Instrument der argentinischen Tangomusik wurde.

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Davon gaben der mit viel Elan agierende GMD und seine voller Klangpracht musizierenden Streicher  mitreißende, mal mehr rhythmisch geprägte, mal eher einschmeichelnde Kostproben. Besonders erwähnt sei die Cellistin am ersten Pult, die dank ihrer Tonschönheit aufhorchen ließ.

Solist war der gebürtige Dormagener Lothar Hensel, der den Zuhörern verriet, dass es immer sein Traum gewesen sei, „einmal im Seidenweberhaus und mit diesem Orchester auftreten zu können.“ Hensel studierte in Argentinien – also „an der Quelle“ – und gehört inzwischen zu Recht weltweit zu den führenden Bandoneonvirtuosen. Mit viel Enthusiasmus und hoher Musikalität brachte er dem gebannt lauschenden Publikum das rund und wohlig klingende Instrument nahe.

Krefelds spürbar musikbegeisterter Oberbürgermeister Frank Meyer betonte in seiner Laudatio, dass es Verbindungen zwischen Krefeld und einer Stadt in Argentinien gebe, die ausgebaut werden sollten. Deshalb war er auch dankbar, dass nun schon zum zweiten Mal der Konsul der Republik Argentinien, Eduardo Nazareno Munoz, es sich nicht hatte nehmen lassen, mit einem freundlichen und  eindringlichen Grußwort das Auditorium zu erfreuen. Leider musste das Stadtoberhaupt  mitteilen, dass der Wuppertaler Carsten Heveling, einer der weltweit wenigen Instrumentenbauer, die sich auf das Bandoneon spezialisiert haben, erkrankt sei. So konnte nur der Text der Urkunde verlesen werden. Aber eine Anekdote erzählte Meyer noch: Bei einem der alle zwei Jahre in Krefeld stattfindenden Bandoneon-Festivals war plötzlich eines der Instrumente defekt – Carsten Heveling saß im Saal, holte aus dem Auto sein Werkzeug und rettete dank schneller Reparatur dem Spieler seinen Auftritt.

Zum Abschluss des Festkonzertes stand wieder die Musik im Mittelpunkt. Die „Niederrheiner“, nun verstärkt durch Harfe und Klavier – alternativ Celesta – erfreuten mit zwei Kompositionen von Carlos Gardel, die frappierend an Wiener Musik erinnerte. Dann hatte Astor Piazzolla das Wort – zunächst mit zwei eher französisch anmutenden Kompositionen, die in seiner Pariser Zeit entstanden, als er bei der bekannten Komponistin Nadia Boulanger studierte.

Lothar Hensel steuerte Vorträge bei, die er wegen fehlender Noten (Piazzolla improvisierte meist) beim Hören alter Schallplatten selbst aufgeschrieben hatte.

Der Jubel des Publikums wollte kein Ende nehmen – die beiden Zugaben waren hoch willkommen.