Neues Mobilitätsangebot für die Nacht in Krefeld

Öffentlicher Personennahverkehr : Minister würdigt neues Nacht-Angebot

Heute um 20 Uhr starten die Stadtwerke Krefeld ihr neues Angebot „mein SWCAR“: fünf elektrogetriebene Taxen nach Londoner Vorbild, die mit einer App digital geordert werden und in der Funktion als Kleinbusse 20.000 virtuelle Haltestellen im Stadtgebiet ansteuern können. Das ist der größte Feldversuch in NRW.

Die Verkehrsplaner sollen nicht weniger als die Quadratur des Kreises schaffen. Der Ausstoß von Kohlendioxid soll sich um rund 40 Prozent reduzieren bei gleichzeitiger Zunahme der Fahrtkilometer. Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) gab am Montag mit Stadtwerke-Vorstand Carsten Liedtke den Startschuss für ein zukunftsweisendes Angebot. Ab heute beginnen die SWK gleichsam den größten Feldversuch Nordrhein-Westfalens. Täglich in der Zeit von 20 bis 4 Uhr fahren fünf Hybrid-Taxen aus London auf Bestellung (on demand) 20.000 potenzielle Haltestellen im Stadtgebiet an.

Hinter dem digitalen Konzept steht eine von der Deutschen-Bahn-Tochter „ioki“ entwickelte App, mit deren Hilfe vom Anmelden bis zum Bezahlen alles geregelt werden kann. Am Steuer der Taxen, die eher als eine Art Kleinbus genutzt werden, befindet sich Personal des Taxiunternehmens Knorrek. „Die Taxizentrale hatte kein Interesse. Da haben wir einen anderen großen Taxi-Unternehmer gefragt“, sagte Guido Stilling von der SWK Mobil aus Anfrage unserer Redaktion.

Liedtke betonte, dass die Stadtwerke mit ihrem On-Demand-Angebot nicht in Konkurrenz zu den alteingesessenen Taxi-Firmen treten wolle. „Taxifahrer nehmen stets den direkten Weg zum gewünschten Ziel, keiner kann zusteigen, und es besteht die Möglichkeit, auch Ziele außerhalb Krefelds zu erreichen. Insofern unterscheidet sich ,mein SWCAR’ deutlich von einer Taxifahrt“, sagte er.

Der Landesverkehrsminister bedankte sich ausdrücklich bei der Stadt Krefeld. Geld lasse sich mit dem neuen Mobilitätsangebot nicht verdienen. Im Gegenteil, es vergrößere das Defizit für den Öffentlichen Personennanhverkehr, sagte er. Das lag in der Stadt Krefeld in der jüngeren Vergangenheit bei rund 17 Millionen Euro im Jahr. Knapp 40 Millionen Fahrgäste befördern die Stadtwerke mit Bus und Bahn. „Die Mobilität der Zukunft ist digital, vernetzt und sauberer als heute“, so Minister Wüst. „Deshalb freut es mich sehr, wenn Städte wie Krefeld mutig vorangehen und mit neuen Projekten den Bürgern ein gutes Angebot machen – für saubere Mobilität, für besonders flexible Mobilität.“

In Krefeld weiß man um die Bedeutung von Mobilität: „Sie ist für eine Großstadt wie Krefeld wie der Herzschlag – sie hält die Stadt in Bewegung. Mit der Aufstellung des Mobilitätskonzeptes stellen wir uns den Zukunftsherausforderungen. Auch das Thema Umwelt- und Klimaschutz wird immer bedeutender, gleichzeitig werden Mobilitätsbedürfnisse immer individueller“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer und freut sich über den neuen Service der städtischen Tochter Stadtwerke Krefeld.

Oberbürgermeister Frank Meyer, SWK-Aufsichtsratschef Benedikt Winzen, Minister Hendrik Wüst und Stadtwerke-Vorstand Carsten Liedtke (von links) vor dem Kleinbus im London-Taxi-Style. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Größtenteils elektrisch startet „mein SWCAR“ mit fünf Wagen des britischen Herstellers LEVC. Es handelt sich hierbei um Plug-In-Hybridfahrzeuge, die auf einer Volvo-Plattform basieren. Bis zu sechs Fahrgäste können mitgenommen werden, auch für einen Rollstuhl ist Platz. Buchen kann man „mein SWCAR“ nur innerhalb Krefelds. Mit der App wird der Standort automatisch erkannt, und der Kunde gibt den Zielort an. Der Fahrgast bekommt dann den nächsten Abholpunkt und den Preis genannt sowie die Fahrtdauer angezeigt und kann live verfolgen, wo sich sein Fahrzeug gerade befindet.

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