Krefeld: Neuer Tafel-Chef will Bunker halten

Krefeld : Neuer Tafel-Chef will Bunker halten

Der frühere VHS-Direktor Hansgeorg Rehbein hat den Vorsitz des Vereins Krefelder Tafel übernommen. Er verteidigt das unabhängige soziale Ehrenamt, stellt aber auch Forderungen.

Die Krefelder Tafel will den Hochbunker an der Friedrich-Ebert-Straße erhalten. "Der Bunker ist unser logistisches Zentrum. In seinem kühlen Innern können wir die Waren frisch lagern", sagt Hansgeorg Rehbein, der neue Vorsitzende des Krefelder Vereins. Die Bundesimmobilienverwaltung will das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg verkaufen. In den nächsten Wochen will der neue Vorsitzende Rehbein in dieser Sache Kontakt mit Bund und Stadt aufnehmen."Ich habe die Sorge, dass wir aus dem Bunker eines Tages herausmüssen", sagt er.

Zwei Jahre nach seiner Zurruhesetzung als Direktor der Volkshochschule hat sich Rehbein von der Mitgliederversammlung des gemeinnützigen Vereins "Krefelder Tafel" zum Vorsitzenden wählen lassen, nachdem Wolfgang Krumm aus gesundheitlichen Gründen für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung stand. Pastor Karl-Heinz Teut von der Pfarre Herz Jesu, in der die Zentrale der Tafel untergebracht ist, hatte den Wechsel vermittelt.

Der 67-jährige neue Vorsitzende sieht als seine Hauptaufgabe, die Tafel auf dem derzeitigen Niveau zu konsolidieren. Dazu brauche der Verein den Bunker, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Pfarrzentrums steht.

Sorgen bereitet Rehbein auch eine gegen die bundesweit tätigen Tafeln gerichtete sozialpolitische Diskussion, die ein Aktionsbündnis in Berlin losgetreten hat. Hinter der Forderung nach Armutsbekämpfung statt "Vertafelung" der Gesellschaft stehe der Gedanke, die Tätigkeit der Tafeln würde den Staat aus seiner Verantwortung gegenüber den Bedürftigen entlasten. Rehbein kann sich mit einer solchen Forderung anfreunden, doch sieht er die Gefahr, den Staat zu überfordern. "Wir können nicht alles dem Staat überlassen. Wir brauchen Ehrenamt und soziales Engagement", sagt der Tafelchef, der seinen neuen Job mit seiner christlich-sozialen Grundüberzeugung begründet. Während Geschäftsführerin Irmgard Hausmanns sich ums operative Geschäft kümmert, sieht Rehbein seine Aufgabe darin, Kontakt zu den 100 Krefelder Sponsoren zu pflegen. Zehn hauptamtliche Kräfte und 130 Ehrenamtler sind an den sechs Ausgabestellen tätig, dazu kommen fünf Fahrzeuge und die Kindertafel an Schulen. 700 Tonnen Lebensmittel werden im Jahr verteilt. Die Krefelder Tafel kommt ohne staatliche Zuwendungen aus. Auch die Geschäftsführung arbeitet ohne Aufwandsentschädigung.

(oes)
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