Krefeld: Neuer Mietspiegel für Krefeld vorgestellt

Krefeld : Neuer Mietspiegel für Krefeld vorgestellt

Der neue Mietspiegel für die Stadt liegt seit gestern vor: Die Durchschnittsmieten reichen in Krefeld von 4,30 bis 9,40 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Das Mittel liegt bei 5,50 bis sechs Euro. Preiswerten Wohnraum gibt es vor allem in der Innenstadt. Das ist für Großstädte eher untypisch und liegt wohl am großen Sanierungsstau bei vielen Immobilien in der City. Spitzenmieten werden vor allem in Teilen von Bockum, Traar und Verberg sowie am Stadtwald und im Bismarckviertel gezahlt.

Krefeld ist privilegiert. Von 20.000 Städte und Gemeinden in Deutschland verfügen nur 500 bis 600 über einen eigenen Mietspiegel. Die Seidenstadt zählt dazu. "Leider ohne Unterstützung und Beteiligung der Kommune", berichten die Juristen Michael Heß (Haus und Grund Krefeld und Niederrhein) sowie Kai-Uwe Springer (Mieterverband Niederrhein) gestern bei der Vorstellung der neuen Auswertung in den Geschäftsräumen der Eigentümervertretung am Ostwall.

Auch unter dem neuen Oberbürgermeister Frank Meyer habe sich in dieser Hinsicht nicht geändert. Die Stadtverwaltung oder der Gutachterausschuss liefere anders als zum Beispiel im Kreis Viersen keinerlei Unterstützung bei der Erhebung und Auswertung der Daten für einen neuen Mietspiegel. Das, so Heß und Springer, sei umso erstaunlicher, da die Stadt in ihrer Satzung zur Zweitwohnungssteuer sogar Bezug auf den Mietspiegel nehme. Sie setze also etwas im Ortsrecht voraus, an dessen Existenz und Herstellung sie sich gar nicht beteilige. Der Mietspiegel existiere in Krefeld dennoch bereits seit 40 Jahren und erscheint nunmehr in 19. Auflage. Gegenüber dem Vorgänger vom Juli 2014 habe sich in Krefeld nicht allzu viel geändert. Die Kaltmieten in älteren Objekten seien im Durchschnitt um etwa ein Prozent, die in neueren um zwei Prozent gestiegen.

Auffällig sind die Daten für die Innenstadt zwischen den Wällen. Dort finden sich die niedrigsten Mieten, obwohl die Gebäude in der besten Wohnlage A angesiedelt sind. Das liegt vor allem am Sanierungsstau. Heß nimmt das Ergebnis erneut zum Anlass, sich gegen Neubauten auf der grünen Wiese auszusprechen. Für eine urbane Stadt sei es viel wichtiger, den Leerstand in der City zu beseitigen und den oftmals historischen Wohnungsbestand zu sanieren und zu modernisieren. "Die Gründung des Arbeitskreises Wohnen ist das richtige Signal", sagte Heß gestern. Sanierung und Modernisierung sei darüber hinaus deutlich günstiger als Neubau. Für eine Kernsanierung reichten 1000 Euro pro Quadratmeter. Beim Neubau seien Beträge ab 2000 Euro aufwärts zu kalkulieren, informierte Heß. In Krefeld konzentriere sich in der Innenstadt eine Klientel, die häufig von Transferleistungen des Jobcenters lebe. Gestützt wird diese Aussage zum Beispiel von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, nach der in der Innenstadt fast jeder dritte Bewohner überschuldet ist (wir berichteten). "Das Jobcenter müsste seine Praxis einmal überdenken", erklärte Heß. Während der Unterstützungsbetrag für die Kaltmiete limitiert sei, kämen die Nebenkosten obendrauf. Besser wäre es, die Bruttomiete im Blick zu behalten. Das würde Anreize liefern, beispielsweise energetische Verbesserungen durchzuführen und die Investitionen für Einsparungen bei Strom und Gas über die Kaltmiete refinanzieren zu können. Die Masse der Häuser befinde sich im Eigentum von Privatpersonen aus Krefeld. Lediglich die Geschäftshäuser entlang der Hochstraße gehörten nicht selten zu Immobilienfonds.

Der gestern präsentierte neue Mietspiegel enthält eine neue Klasse fürs Wohnungsalter. Darin sind Immobilien enthalten, die ab 2016 gebaut und vermietet sind. Der Mietspiegel dient als Orientierung, die auch vom Amtsgericht Krefeld bei Mietstreitigkeiten hinzugezogen wird, nur für Wiedervermietungen, aber nicht bei Erstbezug. Dafür gilt der Mietwucherparagraf im Strafgesetzbuch. "In Krefeld gibt es keinen Mietwucher", betonte Heß.

Der Mietspiegel enthält zu den Orientierungswerten auch Informationen über Zu- und Abschläge. Kleine Wohnungen, üppige Sanitärausstattungen, Saunen und Schwimmbäder, aber auch das Vorhandensein eines Aufzugs erlauben dem Vermieter, mehr als die ortsübliche Miete zu verlangen.

Im Umkehrsschluss darf der Mieter Abschläge verlangen, wenn zum Beispiel die Isolierverglasung, die Heizung oder das Bad fehlen, die Wohnungen im Souterrain oder unter dem Dach liegen oder übergroß sind.

Der Mietspiegel für die Stadt Krefeld 2017 ist gegen eine Schutzgebühr von 3,50 Euro bei Haus und Grund am Ostwall 175 und beim Mieterverband am Ostwall 216 erhältlich.

(sti)
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