Krefeld: Neuer Großauftrag: Siemens soll für türkische Staatsbahn 80 Wagen bauen

Krefeld: Neuer Großauftrag: Siemens soll für türkische Staatsbahn 80 Wagen bauen

Der nächste Großauftrag für das Krefelder Zugwerk steht an. Die türkische Staatsbahn hat einen weiteren Auftrag im Wert von rund 400 Millionen Euro zum Bau von zehn Zügen an Siemens vergeben - noch läuft ein Einspruch der Konkurrenz.

Bis 2016 sind die Mitarbeiter im Krefelder Siemenswerk noch mit dem Bau von sechs Hochgeschwindigkeitszügen für die türkische Staatsbahn TCDD beschäftigt. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht: Denn ein Folgeauftrag ist so gut wie sicher. Die Ausschreibung für den Bau zehn weiterer Züge für die Türkei hat Siemens gewonnen. Der Zuschlag für Krefeld sei erteilt, bestätigte ein Unternehmenssprecher.

"Damit ist die erste wichtige Hürde genommen", heißt es. Siemens will mit dem Auftrag in einer Größenordnung von 400 Millionen Euro erst dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn die Einspruchsfrist für die Konkurrenz abgelaufen ist. Dass eine Beschwerde vorliegt, ist verbürgt. Dem Vernehmen nach soll es sich um den französischen Zughersteller Alstom handeln.

Im Mai 2013 hat die türkische Staatsbahn TCDD Siemens einen Auftrag über einen ersten Zug auf Basis des Velaro D und über sechs achtteilige Hochgeschwindigkeitszüge erteilt. Die Verträge beinhalten darüber hinaus eine bis zu siebenjährige Instandhaltungsvereinbarung inklusive der Ersatzteile und die Lieferung eines Fahrsimulators. Der Vertrag hat einen Wert von 285 Millionen Euro.

Das Besondere damals: Der erste Zug wurde bereits nach 180 Tagen ausgeliefert. Dabei handelte es sich offensichtlich um das Exemplar, das ursprünglich als eine Art Entschädigung für die Deutsche Bahn gedacht war, weil Siemens mit der Lieferung von 16 ICE im Verzug war. Die Bahn soll aber auf eine finanzielle Entschädigung gedrängt haben.

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Dass diese Panne noch etwas Gutes haben sollte, ahnte in der Uerdinger Belegschaft und auch in der Chefetage damals wohl niemand. Die TCDD war mit dem umgerüsteten Velaro D jedenfalls sehr zufrieden. Damals wurde in der Branche spekuliert, dass die Türkei für ihr Hochgeschwindigkeitsnetz insgesamt mehr als 60 Züge bestellen werde.

Auch die weiteren sechs Fahrzeuge basieren auf der aktuellen und weltweit variabelsten Hochgeschwindigkeitsplattform Velaro und werden ab 2017 auf der Strecke Konya-Ankara-Eskisehir zum Einsatz gelangen. Mit einer Leistung von 8000 kW erreichen die 200 m langen Triebzüge eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Dank der langen Erfahrung mit dem Velaro kann Siemens hierbei auf einen großen Lösungsvorrat zurückgreifen und dadurch ein hohes Maß an erprobter Technologie einsetzen.

Die 25 kV-Traktionsanlage ist beispielsweise aus der Mehrsystemtraktion der Velaro-Plattform abgeleitet. Das Zuglayout bietet drei komfortable Reiseklassen und einen großzügigen Restaurant- und Bistrobereich. Jeder Zug verfügt über 45 Sitze in der First Class und 426 Sitze in der Economy Class sowie über drei Business Class-Abteile mit jeweils vier Komfortsitzen. Ausgerüstet sind die neuen Triebzüge mit innovativen Kommunikations- und Entertainmentsystemen, die den Fahrgästen künftig 'Internet on board' und 'video on demand' ermöglichen.

Ein CCTV-System mit Außen- und Innenkameras dient der Überwachung des Fahrgastraums, des Triebzugführerraums, der Strecke vor und hinter dem Fahrzeug sowie der Einstiegsbereiche. Die Bordküche verfügt über eine kundenspezifische Ausstattung, um entsprechend der hohen türkischen Bewirtungsstandards warme und kalte Speisen an Bord bereitzustellen. Siemens hofft nun darauf, dass der Auftrag über zehn Züge bestehend aus 80 Wagen endgültig unter Dach und Fach kommt. Das Gleiche gilt für den Auftrag zum Bau und zur Wartung der Züge für den Rhein-Ruhr Express für die Jahre 2018 bis 2033 (wir berichteten). Auch dort läuft die Frist.

(RP)
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