1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Neue Initiative gegen Kindesmissbrauch in Krefeld

Stadt und drei Träger arbeiten zusammen : Neue Initiative gegen Kindesmissbrauch in Krefeld

Die Stadt Krefeld und drei Freie Träger haben gemeinsam eine Initiative gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder ins Leben gerufen. Dabei steht vor allem die Prävention im Vordergrund, was einen grundlegend neuen Ansatz darstellt.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist ein Problem, das in der Gesellschaft immer wieder für Abscheu und viele Schlagzeilen sorgt. Oft stehen die Menschen fassungslos vor diesen Fällen. Hilfs- und Beratungsstellen können zumeist nur noch die Scherben aufkehren. „Bisher war es zumeist so, dass die entsprechenden Stellen erst hinzugezogen wurden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen war, wenn der Missbrauch oder die sexuelle Gewalt bereits stattgefunden hatte. Das wollen wir nun ändern“, sagt Markus Schön. Der Beigeordnete der Stadt Krefeld ist für den Bereich Kinder und Jugend verantwortlich. Rund 38.000 Kinder und Jugendliche in Krefeld fallen in seinen Verantwortungsbereich.

Die Stadt Krefeld will nun gemeinsam mit katholischen und evangelischen Beratungsstellen und dem Kinderschutzbund viel mehr in die Prävention investieren. „Wir haben jetzt insgesamt vier halbe Stellen geschaffen, die sich ausschließlich mit dem Thema Prävention befassen. Es geht darum, vor allem dort vorstellig zu werden, wo Kinder und Jugendliche sind. Also in Kitas, Schulen, Jugendzentren oder Sportvereinen. Wir wollen vor allem informieren und Kinder und Eltern nicht nur sensibilisieren, sondern uns auch als Hilfsstellen anbieten“, sagt Gülay Kaya, die bei der Stadt Verantwortliche für Jugendgerichtshilfe und Hilfen bei sexuellem Mißbrauch.

Dafür vernetzte sich nun ein breites Bündnis von Organisationen, die gemeinsam aktiv werden. „Wir wollen Kindern einen sicheren Ort vermitteln und auch Erwachsene unterstützen, dem Thema gegenüber sensibel zu sein und genau hinzuschauen, ohne dabei den Blick für normales kindliches Verhalten zu verlieren“, sagt zum Beispiel Maria Bushuven vom katholischen Beratungsdienst und fährt fort: „Dafür haben wir jetzt auch das Projekt ‚Bärenstark’ ins Leben gerufen. Dabei wollen wir vor allem den Kindern vermitteln, wie sie ‚nein’ sagen, auch was schöne Gefühle sind und was nicht in Ordnung ist und dass es kein Petzen ist, wenn sie sich Hilfe suchen.“

Jessica Leu vom Kinderschutzbund pflichtet bei: „Wir müssen grundsätzlich einen positiven Blick auf Sexualität vermitteln, dabei aber klar abgrenzen, wann Grenzen überschritten werden. Wichtig ist, zunächst einmal zu wissen, was an kindlicher Sexualität normal ist und wo eine Grenze überschritten wird.“

Das Thema sei nicht neu, sondern habe schon in den 90er Jahren Wellen auch in Krefeld geschlagen. Wichtig sei, dass in Krefeld fortan ein anderer Ansatz gewählt werde, setzt der Leiter des Kinderschutzbundes Krefeld, Dietmar Siegert, hinzu. Die Prävention sei dabei ein durchaus neuer, dabei aber extrem wichtiger Ansatz. „Wir haben immer wieder Menschen in unserer Beratung, die im Erwachsenenalter zu uns kommen und von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit berichten, die die gesamte Vita negativ beeinflusst haben. Dem wollen wir schon präventiv abhelfen“, sagt Heike Hercher von der evangelischen Beratungsstelle.

Insgesamt ist es das Ziel, im ersten Schritt die Fälle ans Licht zu holen und Kinder, aber auch Erwachsene, die einen Verdacht hegen, nicht allein zu lassen. „Wichtig ist: Es geht auch, sich anonym zu melden und im Verdachtsfall Hilfe zu holen. Es muss nicht immer sofort auf eine juristische Komponente hinauslaufen“, betont Siegert. Dennoch werde es aber aufgrund der Sorgfaltspflicht oft auch strafrechtliche Folge geben. „Wir sind uns bewusst, dass es zunächst einmal dazu führen kann, dass die Zahlen scheinbar deutlich steigen. Denn wir erhoffen uns, dass Viele, die bisher schweigen, sich dann entsprechenden Stellen anvertrauen. Damit gibt es natürlich deutlich mehr Fälle in der Statistik, die bis dato unter ‚Dunkelziffer’ liefen“, vermutet Kaya. Darauf müsse jeder Beteiligte und auch die Öffentlichkeit vorbereitet sein.

Langfristig aber sollen die Zahlen durch die neue Krefelder Initiative, mit ihrem breiten Netzwerk von Beratungsstellen der Stadt und freier Träger, stark zurückgehen. Denn, da sind sich alle einig, es muss das höchste Ziel einer Gesellschaft sein, dass Kinder frei von Gewalt und Missbrauch aufwachsen.