Krefeld Neue Fallen-Technik gegen Nutrias

Krefeld · Am Flöthbach bedrohen Biberratten die empfindliche Flora – eine neue Technik soll die Jagd erleichtern. Hülser Tüftler haben eine neue Fallentechnik entwickelt. Nutrias galten besonders in der DDR als Delikatesse.

 Revierpächter Thomas Vennekel vor der Nutria-Falle, die er mitentwickelt hat. Der Metallschacht in der Mitte der Röhre beherbergt ein präpariertes Handy.

Revierpächter Thomas Vennekel vor der Nutria-Falle, die er mitentwickelt hat. Der Metallschacht in der Mitte der Röhre beherbergt ein präpariertes Handy.

Foto: Strücken,Lothar

Am Flöthbach bedrohen Biberratten die empfindliche Flora — eine neue Technik soll die Jagd erleichtern. Hülser Tüftler haben eine neue Fallentechnik entwickelt. Nutrias galten besonders in der DDR als Delikatesse.

 Rechts erkennbar: das präparierte Handy. Fällt es herab, wird ein Telefonanruf an den Wächter der Falle ausgelöst.

Rechts erkennbar: das präparierte Handy. Fällt es herab, wird ein Telefonanruf an den Wächter der Falle ausgelöst.

Foto: Lothar Strücken

Der Hülser Landwirt Thomas Vennekel hat mit seinem Kollegen Georg Achten eine neue Falle zum Fangen von Nutrias entwickelt, die effektiver als die bisherigen Varianten ist und dazu tierschonender — der Clou ist eine Handy-Automatik, die meldet, wenn die Falle zugeschnappt ist. Nutrias sind ein Problem in der heimischen Landschaft: Sie haben keine natürlichen Feinde, vermehren sich stark und fressen in Naturschutzgebieten wie dem Flöthbach all die seltenen und schützenswerten Pflanzen weg, um derentwillen das Gewässer mit erheblichen Anstrengungen renaturiert wurde. Vennekel, der mit Georg Dahlhoff Revierpächter des Reviers Hüls I/ Orbroich ist, sagt: "Landwirte, Jäger und Naturschützer haben alle ein Ziel: Wir wollen den Artenreichtum unserer Kulturlandschaft erhalten."

Nutrias sind keine heimischen Tiere. "Sie wurden bis in die 30er Jahre hinein in Deutschland wegen der Felle gezüchtet. Dann ist der Markt zusammengebrochen, und die Tiere wurden freigelassen", berichtet Paul Nothers, der in Hüls lebt, erfahrener Jäger und Vennekels Vorgänger ist und die Gegend dort wie seine Westentasche kennt.

Nach der Auswilderung passierte, was in solchen Fällen oft passiert: Die Biberratten, wie Nutrias auch heißen, breiteten sich in einer Landschaft aus, die nicht auf sie vorbereitet war und auch keine Fraßfeinde für sie bereithielt. Nutrias leben so ungestört an Gewässern, graben sich Höhlen, sind für Deiche gefährlich und eben für empfindliche Biotope wie den Flöthbach. Und: "Sie sind schwer zu jagen", sagt Nothers.

Dass die Tiere keine natürlichen Feinde haben, liegt auch an ihrer Größe — Nothers: "Sie werden bis zu einem Meter lang und wiegen bis zu zehn Kilogramm. Sie haben kräftige Zähne und können einen Stiefel glatt durchbeißen. Auch Hunde sind von Nutrias schon durch Bisse verletzt worden." Kein Wunder also, dass die Tiere sich unbehelligt vermehren: "Der Besatz am Flöthbach steigt", sagt Nothers.

Thomas Vennekel hat nun mit seinem Freund Georg Achten, der Konstrukteur in einer Landmaschinenfabrik ist, eine neue Falle entwickelt. Es ist eine Betonröhre, fünf Meter lang mit einem Durchmesser von 30 Zentimeter. In der Mitte der Falle ist eine Wippe, auf der ein Lockmittel liegt, beispielsweise ein Apfel. Tritt das Tier nun auf diese Wippe, fallen zwei Schieber herab und das Tier ist gefangen. Die Besonderheit: In diesem Moment fällt auch ein präpariertes Handy zu Boden; der Aufschlag löst einen Anruf beim Fallensteller aus, der so erfährt, dass in der Falle in Tier steckt.

Die Konstruktion habe zwei Vorteile, erläutert Vennekel: "Die Verweildauer des Tieres in der Falle kann man auf ein Minimum reduzieren; ich muss nicht mehrmals täglich zur Falle laufen und habe sie dennoch bestens überwacht." Gefangene Nutrias werden getötet, andere Tiere werden freigelassen. Für jeden Nutriaschwanz zahlt der sogenannte Fleuth-Verband fünf Euro. Dem "Wasser- und Bodenverband Gelderner Fleuth" wurde die Pflege der Gräben durch die Stadt Krefeld übertragen.

Einfach aufstellen darf man die Fallen nicht: Auch solche transportablen Lebendfallen gelten juristisch als "bauliche Anlage" im Sinne der Bauordnung für NRW; ihre Aufstellung muss genehmigt werden. Die CDU hat daher beantragt, das Thema auf die Tagdesordnung für die nächste Sitzung des Landschaftsbeirates zu setzen und dort die Genehmigung zu verabschieden.

Übrigens: Das Fleisch von Nutrias soll durchaus wohlschmeckend sein und im Geschmack dem von Kaninchen ähneln. In der DDR war Nutria-Fleisch ein "Leckerbissen" — so jedenfalls berichtet die Internetseite "Kochmeister" zu dem Rezept "Nutria Ragout". Hintergrund: Nutria-Pelzfarmen waren seit den 20er Jahren in Ostdeutschland stark verbreitet.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort