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Neue Broschüre des Krefelder Integrationsamtes zu Religionen

Neue Broschüre des Krefelder Integrationsamtes : Lotse durch die Vielfalt der Religionen

Die Stadt Krefeld hat eine Broschüre unter dem Titel „Was glaubt Krefeld“ herausgebracht. Christiane Willsch vom Integrationsamt investierte rund ein halbes Jahr Arbeit in die Publikation.

Wofür stehen die Mennoniten? Was ist die Alt-Katholische Kirche? Welche Missverständnisse gibt es in der Bevölkerung bezüglich der Adventisten? Diese und andere Fragen haben sicher schon länger den ein oder anderen Krefelder bewegt. Religionen sind für viele Menschen eine abgeschlossene Welt. Sie kennen mehr oder minder gut ihre eigene – von anderen fehlt aber oft ein tieferes Verständnis. Dabei werden all zu oft die Unterschiede betont – die zumeist viel größeren Gemeinsamkeiten aber eher nicht. Dem will die Stadt Krefeld nun abhelfen und hat daher eine Broschüre unter dem Titel „Was glaubt Krefeld“ herausgebracht.

Christiane Willsch vom Integrationsamt investierte rund ein halbes Jahr Arbeit in die Broschüre. „Wir haben ja bereits den Dialog der Religionen. Damit bestand eine gute Basis, auf die ich aufbauen konnte. Ich habe dann alle uns bekannten Religionsgemeinschaften angeschrieben oder angerufen und mit jedem Vertreter ein Strukturinterview geführt, das dann in getippter Form noch einmal an die Glaubensgruppe ging, so dass Änderungen vorgenommen werden konnten. Wir wollten, dass jeder sich so präsentieren kann, wie er oder sie das wirklich möchte“, erläutert Willsch. Herausgekommen ist ein Werk mit durchaus interessanten Einblicken.

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Dabei werden sowohl die Kirchen und Glaubensgruppen selbst als auch die Inhalte der jeweiligen Religion erläutert. „Es ist das Ziel, das Miteinander der Religionen in Krefeld weiter zu stärken und auf Augenhöhe miteinander zu reden“, sagt Tagrid Yousef, die Leiterin der Fachstelle Migration und Integration. Dabei gehe es auch darum, vorurteilsfrei auf die verschiedenen Glaubensgruppen zuzugehen.

 Fachbereichsleiter Migration und Integration, Andreas Pamp, Integrationsbeauftragte und Abteilungsleiterin Integration, Tagrid Yousef, sowie  Autorin Christiane Willsch informieren über die neue Broschüre.
Fachbereichsleiter Migration und Integration, Andreas Pamp, Integrationsbeauftragte und Abteilungsleiterin Integration, Tagrid Yousef, sowie  Autorin Christiane Willsch informieren über die neue Broschüre. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Ergebnisse der Suche sind durchaus vielfältig. Allein rund 20 christliche Religionen finden sich unter den 28 in der Broschüre erfassten Glaubensgruppen. Dazu zählen neben den Großen, Katholiken und Protestanten, auch diverse Abspaltungen wie Alt-Katholiken, Mennoniten oder die Brüdergemeinde. Hinzu kommen Gruppierungen wie die Zeugen Jehovas, Adventisten oder die Kirche Christi Wissenschaftler. Wofür diese stehen, das erläutern sie in den Interviews mit stets den gleichen Fragen, um auch hier Chancengleichheit und Augenhöhe herzustellen.

„Diese Augenhöhe kam vor allem bei vielen der kleinen Religionsgruppen sehr gut an“, erzählt Willsch. Von zwei Gemeinschaften habe sie keine Rückmeldung bekommen. „Sie können sich aber auch gern jetzt noch melden. Es ist ein lebendes Projekt und es wird sicher weitere Auflagen geben, in die wir dann gern neue Gruppierungen – auch über die beiden hinaus – aufnehmen“, erläutert Willsch das Vorgehen.

Interessant: Neben den Aleviten gibt es in Krefeld drei weitere muslimische Glaubensrichtungen. Alle drei sind dem sunnitischen Spektrum zuzurechnen. „Das war in den Gesprächen ganz deutlich. Sie erkennen sich gegenseitig voll an, und es herrscht große Wertschätzung“, sagt Willsch. Schiiten sucht man in Krefeld, zumindest nach aktuellem Wissensstand, vergeblich.

Und auch, wer ein paar interessante Daten oder Fakten zu den verschiedenen Religionen sucht, kommt auf seine Kosten. Beispielsweise wird die Frage, wie es nach dem Tode gemäß dem Glauben weiter geht, in den Interviews thematisiert. Die Unterschiede und der Glaube sind hier so vielfältig, wie die Religionen selbst, ihre Zeremonien und Gläubigen.

Doch welche ist denn nun die kleinste in Krefeld registrierte Religionsrichtung? „Das ist eine gute Frage. Wir haben einige Gruppen, die viel kleiner sind, als ich das erwartet hätte. Zum Beispiel macht die Kirche Jesu Wissenschaftler keine Angaben zu Mitgliederzahlen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sie ein heißer Kandidat ist. Aber auch die Indian Community Church ist nicht groß. Gleiches gilt für Adventisten oder Baha’i mit jeweils deutlich unter 100 Gläubigen“, sagt die Autorin der Broschüre. Die größte Gemeinde in Krefeld ist übrigens mit nach eigenen Angaben rund 100.000 Mitgliedern die Römisch-Katholische Kirche.

Am Ende aber zähle nicht die Größe oder die Wichtigkeit, sondern vor allem Neugierde. „Oberbürgermeister Meyer sagte, er würde sich wünschen, dass viele Menschen sich animiert fühlen, nebenan mal anzuklopfen und bei anderen Gruppen rein zu schauen. Dem kann ich mich nur anschließen“, sagt Yousef. Die Broschüre „Was glaubt Krefeld“, soll hier mehr als nur ein Anreiz sein, sie soll auch schon Ansätze für Antworten liefern.