Krefeld: Neu erschienen: Ein Buch namens "Buch"

Krefeld: Neu erschienen: Ein Buch namens "Buch"

Johannes Floehr schreibt von den großen kleinen Dingen des Lebens. Das ist banal und bewegend.

Es ist, was es ist: ein Buch. So sieht es auch aus, und so heißt es. Johannes Floehr ist nun mal einer, der die Dinge beim Namen nennt. Aber dabei richtet der Krefelder immer den Blick auf jene Grenze, wo sich das Alltägliche zum Absurden neigt. Auch in seinem druckfrisch erschienenen Buch mit dem Titel "Buch". Auf 160 Seiten zeigt der Poetry Slammer, Autor und Moderator, was er am liebsten macht: mit Sprache spielen.

Ein mit wenigen Strichen gezeichneter Papierflieger auf grauem Cover ist da schon Symbol: Hier fliegen Ideen auf, als habe Floehr mal kräftig in seinen Merkzettelkasten gepustet. In scheinbar wahlloser Folge reiht er Apercüs, kurze Reime, Pointen und Geschichten aneinander. So entsteht ein Lesebuch, das sich an jeder beliebigen Stelle aufschlagen lässt und wie eine Wundertüte eine Beobachtung aus dem Leben Floehrs zutage bringt. Das ist manchmal banal, manchmal berührend, oft witzig und ab und zu sogar ein bisschen weise.

Wie die Geschichte von August. Der war einmal Maler, und das ist so ziemlich das einzige, was er noch nicht vergessen hat. An guten Tagen steht er noch an der Staffelei und führt mit zitternder Hand den Pinsel. Dann findet er es gut, dass er vergessen hat, dass er selbst die unbeholfenen Linien auf die Leinwand gemalt hat. Das Verhältnis zu Doris, die ihn in seiner immer kleiner werdenden Gegenwart nie allein lässt, beschreibt Floehr sensibel - ebenso wie Augusts Ziel: "Dieses eine Bild muss er noch zu Ende bringen, vielleicht sein letztes Meisterwerk. Vielleicht versucht er das Unmögliche und ist der kleine Angler vor der Pfütze, auf der Suche nach dem letzten großen Fang. Vielleicht hat er aber auch einfach nur vergessen, zu sterben."

Gespräche, die er an der Futterbude oder im Restaurant aufgeschnappt, und Floskeln von Talkshows, Begrüßungen und Künstlerbiografievorlagen zeigt er in all ihren sprachlichen Wucherungen und inhaltlichen Vakuen. Er listet seltene Sätze auf - so schöne wie "Entschuldigung, da habe ich mich wohl geirrt" - und solche, die das Herz aller erweichen, die sich mit dem täglichen Abwasch allein gelassen fühlen wie "Weg da, ich spüle heute freiwillig ab". Floehr zitiert Kurzdialoge à la "Was hast du gestern so gemacht?" - Alles." und lässt manchmal einfach mal was so stehen in seinem Buch. Darüber kann der Leser dann nachdenken. Oder schmunzeln. Oder beides - die Reihenfolge ist beliebig. Etwa wie in seinen drei Vorworten zum Buch: I. "Liebe Leserin, dein Johannes", II. "Lieber Leser, dein Johannes" und III. "Lieber Johannes, dein Buch". Denn das macht klar, dass Floehr sein Buch auch für sich selbst geschrieben hat. Sein Spaß am Fabulieren leuchtet auf den meisten Seiten auf und führt in Versuchung, den Sinn hinter dem Nonsense auszugraben.

Abgerundet werden die Texte durch Zeicnungen der Krefelderin Marit Blossey. Das Buch ist für 12 Euro erhältlich unter www.lektora.de, ISBN 978-3-95461-110-2.

(RP)