1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Nationalhymne – Mitsingen in Krefeld verboten

Konzert zur deutschen Einheit : Nationalhymne – Mitsingen verboten

Das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit im Seidenweberhaus fand unter Corona-Bedingungen statt. Das Motto lautete: 30 Jahre Städtepartnerschaft Landkreis Oder-Spree und Krefeld.

Im deutlich geregelten Einbahnverkehr werden die Konzertbesucher am Samstagabend in den großen Saal des Seidenweberhauses gelenkt. Das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit füllt die unter Corona-Bedingungen freigegebenen Plätze in den Stuhlreihen.

Auch in der Dauer des Programms hinterlässt das Virus seine Spuren, denn die „Rheinische“ von Robert Schumann wird auf drei Sätze gekürzt und Konzertpausen sind ohnehin derzeit nicht mehr vorgesehen. An der Bestuhlung auf der Bühne ist zu erkennen, dass auch die Niederrheinischen Sinfoniker in kleinerer Besetzung spielen.

Oberbürgermeister Frank Meyer beginnt seine Ansprache mit „Ich freue mich riesig, dass Sie alle hier sind!“ Und benennt das erste „Grundgefühl“ der Wiedervereinigung als „grenzenloser Jubel vielerorts“. Als zweites „Grundgefühl“ nennt Meyer die Solidarität, die aber auch noch gelebt werden müsse, wenn es an das eigene Portemonnaie gehe.

Seit 1990 ist der Landkreis Oder-Spree, eine kommunale Neugründung der Wende, Partnerkommune der Stadt Krefeld. Vor allem ein kultureller Austausch sollte stattfinden. Auf das jüngste Beispiel der Ausstellung im Südbahnhof weist Meyer hin.

Sein Aufruf zum Schluss lautet auch im Bezug auf die Corona-Pandemie „Optimisten bleiben und an Veränderungen glauben! Es ist nicht die Zeit, verzagt und mutlos zu sein.“

Hygienisch korrekt werden nach seiner Ansprache Mikrofon und Notenständer als Pult für das Redemanuskript ausgetauscht. Rolf Lindemann, Landrat (SPD) des Landkreises Oder-Spree erinnert daran, dass die Einheit nur zu einem Teil von den Deutschen friedlich erkämpft wurde. Die Solidarnosc-Bewegung in Polen und Politiker Osteuropas haben ihren Anteil an der Wiedervereinigung Deutschlands.

Mit Blick auf deutsche Befindlichkeiten sagt der Jurist und Verwaltungsexperte aus der Pfalz, der seit 1990 in Beeskow arbeitet und dort mit offenen Armen empfangen worden sei: „Schwelgen und Jammern gibt es überall in Deutschland.“

Dann ist Schwelgen in schönsten Klängen im Saal angesagt. Die Niederrheinischen Sinfoniker haben unter der Leitung des GMD Mihkel Kütson ein Programm mit Ohrwürmern aus der Klassik und Romantik zusammengestellt, Werke, deren Hauptthemen wohl jeder im Raum mit summen oder pfeifen könnte.

Das erste ist das Konzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur KV 299 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791). Stella Farina, Soloharfenistin der Niederrheinischen Sinfoniker und Darío Portillo Gavarre, Soloflötist des Orchesters liefern einen Ohrenschmaus.

Den heiteren Charakter des ersten Satzes gibt das Orchester mit viel Tempo vom ersten Takt an vor. Etwas lyrischer dürfen Flöte und Harfe ihre Parts interpretieren. Nuancenreich und gefühlvoll agieren die beiden in feinster Abstimmung. Der lange und kräftige Applaus am Ende erweckt den Eindruck, als sei der Saal ohne Einschränkungen voll besetzt. Corona-konform mit Maske gibt der OB auf der Bühne den Blumenboten.

Als zweites Werk spielt das Orchester, nun um weitere Streicher und die Bläser verstärkt, die Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 von Robert Schumann (1810 - 1856), einem gebürtigen Sachsen mit dem Drang ins Rheinland, wie es nicht nur der Beiname dieser Sinfonie andeutet.

Von ihr gibt es an diesem Abend nur eine auf drei Sätze gekürzte Form. Die beiden schnellen Sätzen, die Schumann mit „Lebhaft“ bezeichnet hat, bilden in dieser eingedampften Fassung einen festlichen Rahmen. Triumphal und manchmal mit einem Hauch von Heiterkeit interpretiert das Orchester den ersten und fünften Satz, die Blechbläser lassen an Festtagsstimmung keinen Zweifel.

Anschließend setzt sich zum letzten Mal an diesem Abend die Corona-Pandemie mit ihren Regeln durch. Die deutsche Nationalhymne darf nur instrumental erklingen, denn der große Aerosolschwall eines singenden Publikums muss vermieden werden.