Krefelder Kirchennacht 2023 Wenn die Kirche zum Konzertsaal wird

Krefeld · Die Adventgemeinde Krefeld bot den Besuchern der Krefelder Kirchennacht am Freitag ein kleines Konzerterlebnis. Popsongs bekannter deutscher Interpreten wurden gespielt – und gezeigt, dass Musiker Fragen stellen, auf die manchmal die Bibel Antworten weiß.

Bei den Siebenten-Tags-Adventisten spielte bei der Langen Nacht der Kirchen eine Band.

Bei den Siebenten-Tags-Adventisten spielte bei der Langen Nacht der Kirchen eine Band.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Was haben die Toten Hosen, Frida Gold, Silbermond und andere bekannte deutsche Popkünstler mit der Kirche zu tun? Nichts, könnte man meinen, abgesehen vielleicht von ihrem persönlichen Glauben, der hier aber nichts zur Sache tut. Für Marcus Jelinek, Pastor der Adventgemeinde Krefeld, haben einige Popsongs genannter Interpreten jedoch viel mit der Bibel zu tun. Er hat sich mit den Liedtexten auseinandergesetzt und zahlreiche Themen entdeckt, die viele Menschen beschäftigen und berühren. Bei der Nacht der offenen Kirchen am Freitag griff er existenzielle Fragen daraus auf – und suchte nach Antworten aus christlicher Sicht. Und so klangen die bekannten Songs eben jener Künstler durch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und sorgten für nachdenkliche und emotionale Momente.

Die Formation überzeugte unter anderem mit Liedern der bekannten Deutsch-Pop-Band Silbermond.

Die Formation überzeugte unter anderem mit Liedern der bekannten Deutsch-Pop-Band Silbermond.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Kirche einmal anders erleben, das war das Leitmotto der 9. Nacht der offenen Kirchen, bei der in Krefeld 25 sakrale Gebäude zu ungewöhnlicher Zeit geöffnet wurden. Der besondere Abend wurde einmal mehr von Kirchenglocken eingeläutet. Erstmals gab es eine geführte Bustour zu ausgewählten Kirchen, bei der die Teilnehmer nachhaltige Eindrücke sammeln konnten.

Im Adventhaus an der Freiligrathstraße 48 hörten rund 30 Gäste das erste von insgesamt zwei Konzerten. Nicht alle kannten das Gebäude. Denn die Idee war auch, Menschen in die Kirchen zu locken, die sonst vielleicht nicht dort sind, „und das hoffen wir mit diesem Projekt zu erreichen“, sagte Pastor Marcus Jelinek im Vorfeld. Sieben Songs hatte Jelinek für den Abend ausgesucht, Songs, die ihn selbst berühren, die aber auch gute Fragen stellen, sagte er. „In den Liedern finden sich Anknüpfungspunkte, an die ich glaube.“ Sieben Songs, die sieben Fragen stellen oder Ideen anstoßen: „Wovon sollen wir träumen?“ von Frida Gold; „Himmel auf“ und „Irgendwas bleibt“ von Silbermond; „Du erinnerst mich an Liebe“ von Ich+Ich; „Ist da jemand?“ von Adel Tawil; „Tage wie diese“ von den Toten Hosen; „Halt dich an mir fest“ von Revolverheld.

Gespielt wurden die Songs in einer überzeugenden unplugged Version von zwei Sängern und Musikern an der Gitarre, am E-Bass, dem Piano und Cajon. „Die Texte wurden dabei genauso belassen, wie sie sind. Zwischen den Liedern hab ich meine Gedanken mit den Besuchern geteilt und versucht, auch Fragen auf persönlicher Ebene zu teilen“, sagte Jelinek. Diese Gedanken hat er zuvor in einem Heft veröffentlicht. Darin heißt es: „Manchmal werden in Popsongs richtig gute Fragen gestellt. Erfolgreiche Künstler greifen Themen auf, die eine ganze Generation bewegen. Wenn ein Lied häufig im Radio läuft, geht es meist um mehr, als nur um die Musik. Es geht um ein Lebensgefühl. Ein Statement. Oder eben eine wichtige Frage.“

 Das Adventhaus an der Freiligrathstraße.

Das Adventhaus an der Freiligrathstraße.

Foto: Adventgemeinde

Eine dieser wichtigen Fragen stellt Frida Gold: „Wovon sollen wir träumen?“ In einer Strophe heißt es: „Wir lassen uns treiben durch die Clubs der Stadt, durch fremde Hände und wir werden nicht satt.“ Dazu zitierte Jelinek aus der Bibel: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“ Er will damit eine Brücke schlagen „von unserer Lebenswelt zur Bibel“, sagte er. Bei der Nacht der offenen Kirchen, so hoffte er, konnten die Besucher „mit den Songs vielleicht etwas verbinden, eine Emotion oder eine Erinnerung.“ Wichtig waren ihm jedoch auch die Gespräche nach dem Konzert, die, bei denen auch das Publikum bei einem Snack und etwas zu trinken seine Gedanken mit ihm teilen konnte.

Dazu gab es gleich zweimal die Gelegenheit, denn das Konzert wurde sowohl um 19 als auch um 21 Uhr gespielt. „Das haben wir extra so geplant, damit die Leute die Chance haben, in dieser Nacht möglichst viele Veranstaltungen in den Kirchen zu besuchen“, sagte Jelinek.

Nach dem Konzert freuten er und die Band sich, dass das Jahr Vorbereitungszeit in einem tollen Abend geendet ist. Mit dabei war auch Bandmitglied Joel Thomas von der Popakademie Witten, der bereits bei Großprojekten wie „Die Passion“ bei RTL als Musiker mitgewirkt hatte.

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