Nach roten Zahlen: Drägerwerk mit 400 Beschäftigten in Krefeld will Personal abbauen

Unternehmen für Medizin- und Sicherheitstechnik : Drägerwerk will Personal abbauen

Das Unternehmen für Medizin- und Sicherheitstechnik kündigte Schritte zur Senkung der Personalkosten an.

Der Konzern schreibt rote Zahlen: Die Drägerwerke mit Sitz in Lübeck und dem viertgrößten Standort weltweit in Krefeld haben Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall begonnen, um Personal in Deutschland abzubauen und die Belegschaft zu finanziellem Verzicht zu bewegen. Das teilte das Unternehmen für Medizin- und Sicherheitstechik am Dienstag mit.

Die Drägerwerke sind seit mehr als 40 Jahren in Krefeld ansässig. 400 Mitarbeiter — davon 290 im Außendienst — sind seit dem vergangenen Sommer in einem Neubau im Europark Fichtenhain im Verkauf von Produkten aus den Sparten Sicherheits- und Medizintechnik für die Region Nordrhein-Westfalen, Hessen und Teile von Rheinland-Pfalz tätig. Hinzu kommt ein weltweites Mietgeschäft mit Artikeln, die der Sicherheit von Personal und Einrichtungen der Feuerwehr, im Bergbau, in der chemischen Industrie, in Öl- und Gasraffinerien sowie in der Stahl-, Energie- und Entsorgungsbranche dienen.

Von den 14.671 Beschäftigten in 190 Ländern arbeiten 6940 in Deutschland. „Wir müssen effizienter werden“, erklärte gestern Finanzsprecher Peter Müller auf Anfrage unserer Redaktion. Der Umsatz sei zwar im ersten Halbjahr in allen Regionen gestiegen, die „Ergebnisentwicklung hingegen anhaltend schwach“. Gleichwohl wolle der Konzern weiterhin in Innovation und Vertrieb investieren. Ein wichtiger Impuls gab dem Unternehmen im Juni dieses Jahres die Europäische Investitionsbank (EIB).

Sie unterstützt Dräger mit einem Darlehen von bis zu 110 Millionen Euro. Dräger investiert die neuen Mittel nach eigenen Angaben im Bereich Medizintechnik in die Forschung für lebenserhaltende Apparate wie Beatmungsgeräte. Im Bereich medizinische Systeme wird es sich auf die Neu- und Weiterentwicklung von Produkten für das Patientenmonitoring konzentrieren. Im Fokus stehen die Vernetzung medizinischer Geräte und deren Anbindung an die IT-Infrastruktur in Krankenhäusern. Dabei wird Dräger den neuen, internationalen Standard IEEE 11073 anwenden, den es selbst mitentwickelt hat.

Die Drägerwerk AG & Co. KGaA hat gestern begonnen, mit dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft (IG) Metall über ein Maßnahmenpaket zur Senkung der Personalkosten zu sprechen. Mit einer laufenden Restrukturierung stelle Dräger die Weichen, um das Unternehmen wieder zukunftsfähig zu machen. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken, werde Dräger weiter in den Vertrieb und die eigene Innovationskraft investieren. Die positiven Effekte würden sich jedoch erst mittelfristig einstellen. Vor 130 Jahren (1889) gegründet, erzielte Dräger im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro.

„Unser oberstes Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Und damit letztlich auch die Arbeitsplätze in Lübeck. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es ohne einen Beitrag der Belegschaft nicht gehen wird. Wir streben an, die notwendigen Beiträge zur Kostensenkung möglichst gerecht zu verteilen, um die Einschnitte bei den Mitarbeitern gering zu halten. Deshalb wollen wir jetzt mit dem Betriebsrat und der IG Metall sowohl einen gezielten Personalabbau in einzelnen Bereichen als auch kollektive finanzielle Maßnahmen verhandeln. Wir sind uns sicher, dass alle Beteiligten ihre Verantwortung ernst nehmen und wir so schnell wie möglich gemeinsam ein Verhandlungsergebnis erreichen“, erklärte Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk Verwaltungs AG.

Ob und in welchem Umfang der  Standort Krefeld vom Personalabbau betroffen sein werde, sei noch offen, erklärte der Sprecher. Als Vertriebsstandort verfüge Krefeld über gute Karten.

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