Krefeld: Nach Massenschlägerei: Schwere Vorwürfe gegen Polizei

Krefeld: Nach Massenschlägerei: Schwere Vorwürfe gegen Polizei

Nach der Massenschlägerei beim Spiel in Baumberg erhebt der KFC massive Vorwürfe gegen die dortige Polizei. Mannschaftsarzt Dr. Herbert Steinhauer wurde mit Pfefferspray besprüht. Der KFC denkt über Anzeigen nach.

Die Vorkommnisse rund um das Fußball-Spiel des KFC Uerdingen bei den Sportfreunden Baumberg in Langenfeld werden noch ein Nachspiel haben. Das kündigte KFC-Boss Lakis gestern gegenüber der RP an. Der Vorwurf: Die dortige Polizei sei wahllos gegen die Uerdinger Fans vorgegangen und habe willkürlich Gewalt gegen die Anhänger der Blau-Roten angewendet. Der Zorn der KFC-Verantwortlichen richtet sich vor allem gegen eine Polizistin, die angeblich ohne Augenmaß und Not Pfefferspray angewendet habe. Insgesamt hatte die Polizei 21 Personen vorläufig festgenommen.

"Ich bin Notarzt"

Einer derjenigen, die eine solche Ladung Pfefferspray abbekommen haben, ist Dr. Herbert Steinhauer. Der Mannschaftsarzt des KFC Uerdingen, der zugleich Vorsitzender des Ehrenrates ist, wollte im Getümmel einem Mann helfen, der von einem Hund gebissen wurde. "Ich habe darauf klar und deutlich gerufen, dass ich Notarzt bin und dem Verletzten helfen möchte. Leider war ich nicht auch optisch als Arzt erkennbar, weil ich die Notarztjacke nur bei Heimspielen trage. Darum bin ich auf die Polizeikette zugegangen. Eine Polizistin hat mich daraufhin mit Pfefferspray beschossen", schildert der praktizierende Kinderarzt den Vorfall. "Zum Glück hatte ich eine Brille auf und konnte mich noch so eben wegdrehen, sonst wäre es schlimmer ausgegangen. Auch beim zweiten Sprühen."

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Was besonders wundert: Herbert Steinhauer, der zur Krefelder Polizei in einem sehr guten Verhältnis steht, vermittelt auch optisch alles andere als einen aggressiven Eindruck. Er ist von recht kleiner Statur und Mitte 60, also gibt beileibe nicht das Bild eines bösartigen Schlägertypen ab. "Und Asterix bin ich auch nicht, der plötzlich die Polizisten dort vermöbelt", sagte Steinhauer, der gestern schon wieder arbeiten war.

KFC-Boss Lakis will nun die Vorfälle gemeinsam mit dem Uerdinger "Fan-Kommissar" prüfen, sobald die schriftlichen Berichte vorliegen, und gegebenenfalls Anzeige erstatten. "Für mich war das ein Debakel, wie die Polizei dort vorgegangen ist. Es ist eine Frechheit, dass die Düsseldorfer trotz Vorwarnung einfach so durch den Block spazieren konnten und auf unsere Fans losgegangen sind. Es wird soviel Wert auf Sicherheit gelegt, aber wenn dann seitens der Polizei so schludrig gehandelt wird, dann brauchen wir auch keine Sicherheitskonzepte", sagte Lakis.

Mehrere Augenzeugen bestätigen Lakis' Beobachtungen. Zu dem Zeitpunkt, als eine Gruppe, die die Polizei eindeutig als "Fans" von Fortuna Düsseldorf kennzeichnete, in den KFC-Fan-Block gestürmt war, habe ein Großteil der Polizisten angeblich an der Würstchenbude gestanden, schilderte ein Augenzeuge. Und ein weiterer berichtete von einem Ordner im Stadion, der die Szene des Angriffs während des Spiels angeblich mit den Worten kommentierte: "Jetzt kriegen die Uerdinger Fans endlich eins aufs Maul".

(RP)
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