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Sechs Verletzte durch Bissattacke

Peta fordert Hundeführerschein in NRW

Belgische Schäferhunde wie dieser gelten als beliebter Diensthund für Polizei, Zoll und Bundeswehr, weil er gut trainierbar ist. Aber: Bei falschem Training kann er auch aggressiv reagieren. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Krefeld Am Wochenende hat ein Schäferhund sechs Personen in der Krefelder Innenstadt verletzt. Zuvor hatten Anwohner die Stadtverwaltung auf den aggressiven Hund hingewiesen. Peta fordert nun Konsequenzen aus dem Vorfall.

Die Stadtverwaltung hat am Montag Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen von Anwohnern vor einem aggressiven belgischen Schäferhund nicht ausreichend ernst genommen. Dieser Hund hatte am Wochenende in der Krefelder Innenstadt auf dem Spielplatz auf dem Blumenplatz fünf Kinder und eine Frau angegriffen und verletzt. Die Polizei hatte ihn daraufhin mit zwei gezielten Schüssen gestoppt;  ein Tierarzt schläferte den auf 18 Monate geschätzten Hund ein.

Bereits vier Wochen vor der Attacke habe eine Nachbarin den Hund bei der Stadt gemeldet. Ein Sachbearbeiter habe sie angewiesen, ein Lärmprotokoll über das Verhalten des Hundes zu führen und es von der Nachbarschaft unterschreiben zu lassen. Dieses schriftliche Protokoll sei bei der Stadt nicht eingegangen, sagte ein Stadtsprecher am Montag. Einen Tag vor dem Vorfall habe sich lediglich ein Mann telefonisch bei dem Fachbereich Umwelt- und Verbraucherschutz gemeldet und der Beschwerdeführerin Unterstützung zugesagt.

Ein Hausbesitzer am Blumenplatz, der namentlich nicht genannt werden möchte, schrieb unserer Redaktion, dass sich die Mieter bereits seit Monaten über den Hund und seinen Halter bei Polizei, Ordnungsamt und Tierschutz beschwert und Anzeige erstattet hätten. Der Stadtsprecher widersprach: Zu dem Hundehalter würden keine Anzeigen nach Tierschutzgesetz vorliegen würden.

Ein Vorfall wie dieser ist kein Einzelfall. Laut Beißstatistik des Landes Nordrhein-Westfalen kam es 2016 zu 57 Vorfällen allein durch Schäferhunde und Schäferhundmischlinge. Die Tierrechtsorganisation PETA forderte am Montag als Reaktion auf den Vorfall in Krefeld  die Einführung eines Hundeführerscheins in NRW. Laut PETA könne ein solcher Nachweis sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und dessen Signale richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter sei unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Gunter Althoff, Präsident des Deutschen Klubs für Belgische Schäferhunde (DKBS), macht zudem einen Sporthunde-Hype verantwortlich. „Der Malinois, eine der vier Arten des Belgischen Schäferhunds, ist zu einem Modesporthund geworden. In seiner Zucht wird herumexperimentiert, und durch bestimmte Paarungen wird seine Fähigkeit aufzubeißen verstärkt“, sagt er. Eigentlich ist der Belgische Schäferhund ein Herdentier, das sein Rudel hütet und nicht hart aufbeißt. Er gilt als beliebter Diensthund für Bundeswehr, Bundespolizei und Zollverwaltung, da er sich gut ausbilden lässt und einen agilen Körperbau hat. Die Tauglichkeit wird streng geprüft, und überzüchtete Hunde werden ausselektiert.

Da der Sporthund immer beliebter wird, trainieren einige Besitzer die kämpferischen Merkmale der Hunde besonders früh an, erklärt Althoff. „Manche Sporthunde-Fans bringen bereits den Welpen bei, richtig zuzubeißen, ohne Konsequenzen aufzuzeigen“, sagt Althoff. Der Drang stecke dann so tief in dem Tier, dass er unkontrollierbar wird. Ob dies auch auf den Krefelder Hundebesitzer zutrifft, ist, wohlgemerkt, nicht bekannt. „Die Hunde brauchen eine Dauerbeschäftigung, um sich richtig auszulasten“, erklärt er weiter. „Auch eine Vernachlässigung ist gefährlich.“ Eine Hundeschule sieht der Experte für die Rasse aber nicht als zwingende Pflicht an, denn eine schlechte Ausbildung könne den Hund mehr versauen als gar keine. Yvonne Würz, Fachreferentin bei PETA, sieht das anders. „Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein Mix ist.“

Der falschen Haltung und Über-Züchtung geschuldet gebe es laut Althoff immer mehr aggressive Vorfälle, die aus dem Ruder laufen. „Manche Hunde werden durch ihre ausgeprägte Triebhaftigkeit zu tickenden Zeitbomben“, sagt Althoff. „Dann sind sie von normalen Hundehaltern nicht mehr zu handeln und landen meistens im Tierheim. Diese Tendenz bereitet uns als Verein sehr großes Kopfzerbrechen.“

Am vergangenen Samstag habe die Polizei in Krefeld richtig gehandelt, schätzt Althoff ein. „Werden Menschen angegriffen und verletzt, muss die Polizei handeln“, sagt der Experte. Wann die Polizei auf Lebewesen schießen darf, wird hier erklärt.