Krefeld: Musical begeistert gefeiert

Krefeld: Musical begeistert gefeiert

Selbstgeschrieben, in Eigenregie choreographiert - das Publikum erlebte eine Premiere der Extraklasse.

An der Musikschule der Stadt Krefeld gibt es etwas Besonderes: Dort unterrichtet Julia Polziehn, eine außergewöhnliche Dozentin. Dieser erstklassigen Cellistin reicht es nicht, ihre Celloklasse zu beachtlichen Leistungen zu führen - mit unerschöpflichem Ideenreichtum und einer nie versiegenden Einsatzfreude ersinnt sie immer wieder Neues, und jetzt hat sie ein Musical geschrieben.

In monatelanger Arbeit und ungezählten Proben hat Polziehn ganze Scharen von Schülern, Kollegen, Eltern und Großeltern interessiert und mobilisiert. Wie viele Mitwirkende dabei waren und sind, ist nicht genau zu sagen, da eine ganze Reihe von ihnen in Doppel-und Dreifachfunktion beschäftigt sind. Das Musicalfieber hatte die ganze Musikschule ergriffen, und erfreulich dabei ist die Tatsache, dass lediglich Druckkosten für das sorgfältig und geschmackvoll gestaltete Programmheft anfielen.

Die schier überbordende Vielfalt der Kostüme begeisterte ebenso wie die von der Musikschullehrerin Julia Polziehn komponierte Musik. Foto: Lammertz Thomas

Nun erlebte "Nora oder die Suche nach dem Glück" vor voll besetztem Haus seine umjubelte Premiere (die ebenfalls ausverkaufte Zweitpremiere mit der Alternativbesetzung folgte bereits am nächsten Tag), und dann gibt es bis in den Juli hinein zum Glück noch 13 weitere Aufführungen.

  • Krefeld : Nora sucht das Glück

Denn diese kunterbunte, schwungvolle, dann auch wieder nachdenklich stimmende Produktion, zu der der Komponist Markus Giesen eine mal mitreißende, dann wieder kantable Musik schrieb, die muss man einfach erlebt haben. Solistisches in hervorragender deklamatorischer wie vokaler Qualität, chorische Homogenität und Klangfülle, Choreographisches in beispielhafter Exaktheit, alles von Profis einstudiert - dem mehr und mehr begeisterten Publikum zeigte sich ein Niveau, das normalerweise an einer Musikschule nicht zu erwarten ist. Die Bühne wandelte sich auf fantasievolle Weise ständig, und eine vor Temperament berstende vierköpfige Band (mit dem Komponisten am Keyboard) heizte vor allem bei den Chören und den Tanzeinlagen den Akteuren wie dem Auditorium so richtig ein. Auch wenn es sich aus Gründen der Fairness eigentlich verbietet, einzelne Leistungen hervorzuheben, so sei doch die Nora der Pauline Drees hervorgehoben. Sie ist als diejenige, die die Suche nach dem Glück initiiert, nicht nur Dreh -und Angelpunkt der Handlung - in ihrer natürlich-konzentrierten Haltung und faszinierenden Ausstrahlung ist sie in der recht umfangreichen, fast zweistündigen Aufführung auch immer wieder der ruhende Pol und der Fixpunkt, der die Handlungsstränge zusammenführt. Für ihre Suche nach dem Glück hat Nora eine Menge Unterstützer. Da sind zunächst die "Kinder des Glücks", überwiegend recht junge Mitwirkende, die das Geschehen kommentieren und meist als Chor auftreten. Sie machen den Zuschauer alleine durch ihr quirliges Agieren, voller Enthusiasmus und Eifer, glücklich. Auch "junge Aussteiger", die mit ihrem Umfeld nicht mehr fertig werden und teils Tragisches zu erzählen wissen - manchmal allerdings in einer allzu "erwachsenen" Sprache - sind Noras Helfer. Anrührend ist die eindringliche Klage eines Mädchens, das sich nach seinem plötzlich verschwundenen Vater sehnt.

Foto: Lammertz Thomas

Sehr hilfreich erweist sich für die jungen Leute der offene, unkomplizierte und positive Pater Nikolaus. Eine etwas überdrehte Fitnesstrainerin, die Bewegung als Allheilmittel preist, ein "altes Ehepaar" das weise Ratschläge geben kann, und ein schüchterner Bankangestellter, der Rat sucht, weil er seine Angebetete nicht anzusprechen wagt - sie alle sind auf der Suche. Schließlich resümiert Nora: "Ich habe erfahren, dass ich mein Glück auf zahlreiche Arten finden kann, aber nur an einem einzigen Ort, tief in meinem Herzen. Solange wir andere Menschen glücklich machen, sind wir selber glücklich." Dann laden alle Mitwirkenden gemeinsam das Publikum ein: "Sieh Dich um: Das Leben ist schön, komm, nimm Dein Leben in die Hand".

Unser Fazit nach dieser Premiere: Kommen Sie und lernen Sie mit den Akteuren der Musikschule auf äußerst angenehme Weise, offen zu werden für das Glück.

Foto: Lammertz Thomas
(RP)