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Krefeld: Mozartmusik aus der Klangwelt des Bosporus

Krefeld : Mozartmusik aus der Klangwelt des Bosporus

Zwei türkische Orchester überraschten das Publikum in der Friedenskirche mit ungewöhnlichen Arrangements.

Ein langes Wochenende mit herrlichstem Grillwetter und zeitgleich stattfindendem Kirchentag - das hielt leider viele Musikfreunde von der Friedenskirche fern, obwohl Betin Günes und sein Turkish Chamber Orchestra dort inzwischen eine kleine, aber feine Fan-Gemeinde haben. Und beinah hätte ein Chaos bei der Bahn auch noch die Welturaufführung einer aktuellen Günes-Komposition verhindert, denn die dafür erforderliche Flötistin traf erst nach längerer Odyssee während der zweiten Konzerthälfte ein.

Doch der Pianist und Orchesterleiter ist nicht nur mit virtuoser Musikalität, sondern auch mit gesundem Humor gesegnet und stieg deshalb ganz unverdrossen mit einem temperamentvollen Ritt "Entlang der Schwarzmeerküste" ins Programm ein. Und dies wurde gleich ein schönes Beispiel für die besondere Attraktivität, die der türkischen Musik aus dem Spannungsfeld zwischen westeuropäischer und nahöstlicher Kultur erwächst.

Ob Günes ganz eigenständig komponiert oder ob er Musik Mozarts bearbeitet, stets finden Details aus Klassik, Romantik und Moderne des Westens zusammen mit solchen von byzantinischem und arabischem sowie balkanischem und slawischem Ursprung. Und übrigens ist auch das Turkish Chamber Orchestra selbst, das diesmal noch vom Ensemble Turkish Brass aus Izmir verstärkt wurde, keineswegs nur mit türkischen Musikern besetzt, sondern multinational.

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Nach einer Verbeugung vor "Mozart am Bosporus" erklang mit "Haydar Haydar" ein Stück von Günes und A.E. Ciçek, das es - gespielt in Köln von 1200 türkischen Langhalslauten - bereits ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Aber auch von den 21 Musikern in der Apsis der Friedenskirche wurde es spannungsreich und farbstark vorgetragen.

Wie ein Verwirrspiel aus den Genres Schlager, Kunstlied und Volkslied klang für hiesige Ohren der Liederblock, den Derya Gönüldas (Alt) und Erhan Parlat, ein voluminöser Bass, mit ihren ausgezeichneten Stimmen gestalteten. Zum Höhepunkt wurde schließlich die Weltpremiere von Günes' "Neytan Tanbur Koncertosu" mit Özata Aysan als Solist an einer dem Banjo ähnlich klingenden Langhalslaute und der herausragenden Flötistin Gülçe Küçükaslan. Die musikalische Reise dieses Opus führte die faszinierten Zuhörer bis in den Fernen Osten.

(RP)