Prozess in Krefeld: Mordversuch mit Beil wirft viele Fragen auf

Prozess in Krefeld : Mordversuch mit Beil wirft viele Fragen auf

War es versuchter Mord oder Imponiergehabe? Wollte Oliver Sch., der Mann mit dem Beil, wirklich töten oder nur den starken Mann markieren? Diese Fragen beschäftigen seit Montag die 2. Strafkammer des Krefelder Landgerichts.

Fest steht: Nur mit viel Glück ist an diesem 5. Dezember 2012 kein Mensch verletzt oder sogar getötet worden. Tatort war ein Pfandhaus an der Neue Linner Straße. Dort hatte der 43-jährige Angeklagte zwei Tage zuvor ein Laptop gekauft. "Eigentlich hätte das Ding über 200 Euro kosten sollen. Aber da ich den Oliver kannte, haben wir uns auf 158 Euro geeinigt", erklärte Verkäufer Ralf J., der Opfer des Angriffs wurde, vor Gericht.

Einen Tag darauf habe der PC auf einmal nicht mehr funktioniert. Der Verkäufer habe angeboten, das Gerät kostenlos zu reparieren. Einen Streit gab es nach seiner Aussage nicht. Allerdings habe sich Oliver Sch. den restlichen Tag über betrunken auf der Straße "rumgetrieben und Stunk gemacht", erinnert sich der 47-Jährige. Von Anwohnern habe er zudem gehört, dass der 43-Jährige damit gedroht habe, "den Laden zu zerlegen". Auch mit ihm selbst habe "der Oli" noch vor der Tat einen handfesten Streit angefangen. Nur wenig später dann sei Oliver Sch. plötzlich in den Laden gestürmt. "Es ging alles so schnell. Ich habe nur etwas Braunes auf mich zufliegen sehen und zugepackt", erinnerte sich am Montag Ralf J.. Glücklicherweise sei es ihm gelungen, die Hand mit dem Beil Richtung Boden zu ziehen, so dass er seinen Fuß auf den Stiel des Werkzeugs habe stellen können und Oliver Sch. die Waffe fallen lassen musste.

Ein Kumpel des Verkäufers überwältigte den Angreifer und schleppte ihn nach draußen. Dort stellte der 29-Jährige fest, dass Oliver Sch. neben dem Beil auch noch ein Küchenmesser bei sich trug. "Ich hatte zwar schon von seinen Ausrastern gehört, kannte Oli aber nur als freundlichen, höflichen und hilfsbereiten Menschen", erklärte Ralf J..

Für die Polizei jedoch ist der 43-Jährige kein Unbekannter. Seit frühesten Jugend konsumiert er Drogen und Alkohol, musste wegen Beschaffungskriminalität schon mehrere Strafen absitzen. Aber auch die Zeugen kennen sich im Milieu bestens aus und haben Drogenerfahrungen. Alle drei Männer kämpfen zudem mit psychischen Problemen. Das erschwert die Wahrheitsfindung. Inwieweit darf das Gericht den Aussagen dieser Zeugen glauben? Ist es denkbar, dass sie die Situation dramatischer einschätzten, als sie war? Gespräche mit Experten und weiteren Zeugen sollen beim nächsten Verhandlungstermin Antworten darauf geben. Das Urteil wird am 24. Juni erwartet.

(RP/ac)
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