Krefeld: Monteverdi für eine zerstörte Seele

Krefeld : Monteverdi für eine zerstörte Seele

Mit Musik von Claudio Monteverdi und Georg Friedrich Händel hat Kobie van Rensburg einen ganz speziellen Abend zusammengestellt. Die Musikfabel "Der seltsame Fall des Claus Grünberg" hat am Samstag Premiere.

Operndirektor Andreas Wendholz zählt sich zu den Bekehrten. Das sind die Musikbegeisterten am Gemeinschaftstheater, die bisher noch dachten, sie könnten ein erfülltes Klangleben führen ohne die Musik von Claudio Monteverdi. Seit Kobie van Rensburg weiß Wendholz, wie sehr er da irrte. Van Rensburg hat aus der 400 Jahre alten Musik Monteverdis (1567-1643) ein Pasticcio zusammengestellt, eine Musikfabel. "Der seltsame Fall des Claus Grünberg" hat Premiere am Samstag, 26. Mai, um 19.30 Uhr im Theater.

Die große Bühne wird dabei zu einer Black Box, in der auch das Publikum sitzen wird - ganz nah an Sängern und Musikern. Wer nun an den "Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" denkt, hat die richtige Richtung genommen, ist aber weit entfernt von diesem Projekt. Zwar geht es auch hier um einen Menschen mit einem psychischen Handicap, der nur noch mittels Musik mit seiner Umwelt kommunizieren kann. Aber der Fall Grünberg liegt anders.

Claus Grünberg - unschwer als Claudio Monteverdi zu übersetzen - ist ein einstmals erfolgreicher Komponist, der bei einem Autounfall seine Familie verliert (auch da gibt es die biografische Parallele). Grünberg kommt in die Psychiatrie. Erreichbar ist er nur noch durch die Musik Monteverdis. In seinen schizophrenen Schüben tauchen Protagonisten aus Monteverdi-Opern auf. "Von Zuschauern, aber auch von Leuten aus dem Theater habe ich ganz oft gehört: ,Ich wusste nicht, dass diese Musik so schön sein kann", sagt Yorgos Ziavras, der musikalische Leiter.

Nur drei Opern sind von Monteverdi noch bekannt: L'Orfei, Die Heimkehr des Odysseus und Die Krönung der Poppea, aber auch zahlreiche Madrigale. Kobie van Rensburg hat die besten Partien kombiniert. Er bekennt "Ich bin verrückt nach Monteverdi". Der gebürtige Südafrikaner hat alle Opern als Sänger aufgeführt. In Krefeld kennt man ihn als Regisseur, der mit modernsten digitalen Möglichkeiten die Musik vergangener Jahrhunderte in Szene setzt. Für diesen Abend arbeitet er wieder mit Kameras und Bluescreens. Auf der Bühne zeigen bereits ungezählte farbliche Punkte an, wie aufwendig das ist. Jede Markierung steht für die Position eines Sängers. Alles ist hier Zentimeterarbeit, damit das Bild nachher stimmt. "Es ist eine Premiere: Wir holen erstmals eine Produktion, die in Mönchengladbach im Studio gelaufen ist, auf die große Bühne."

Es wird ein exklusives Vergnügen werden, denn nur vier Aufführungen sind geplant. Und es gibt jeweils nur 85 Plätze.

Andrew Nolen singt die Titelpartie. Für ihn ist es die Abschiedsrolle. Genau wie Alexander Liu (als Chefarzt) und Agnes Thorsteins (als Fortuna) vom Opernstudio wird der Bass das Theater zum Spielzeitende verlassen.

In weiteren Rollen werden Susanne Seefing, Panagiota Sofroniadou und Alexander Kalina zu erleben sein. Dazu kommen acht Musiker: Streicher sowie Laute, Cembalo und Orgel. "Wir wollen ein bisschen anknüpfen an die Verwandlungsidee des Barocktheaters, wo mit Überraschungen ein Zauber entstand, der die Leute staunen ließ", sagt Operndirektor Wendholz.

Jede Menge Ohrwürmer bietet Monteverdi dazu. "Und Kobie van Rensburg hat Charaktere erschaffen, die sehr viele Farben haben, was sich genau in der Musik spiegelt", erklärt Regieassistentin Katja Bening, die die Übernahmeproben leitet. Denn Kobie van Rensburg ist zurzeit in Südafrika, wo er eine szenische Aufführung der Johannespassion mit 380 Sängern einstudiert.

Aufführungsdauer: zwei Stunden, eine Pause. Es gibt 85 Plätze. Kartenreservierung: Tel. 02151 805125.

(RP)