Moltke für Afrika - 25 Jahre Menschlichkeit

Moltke-Schüler für Afrika e.V. feiert 25 jähriges Bestehen: Moltke für Afrika - 25 Jahre Menschlichkeit

Das „Moltke“ feiert Jubiläum: Inspiriert von Karlheinz Böhm, engagiert sich die Schülerschaft seit 25 Jahren leidenschaftlich für Afrika.

Es ist eine Erfolgsgeschichte und ein wahres Schüler-Vorzeigeprojekt: die Krefelder Äthiopienhilfe „Moltke-Schüler für Afrika“ (MfA). Ihr Hauptanliegen: die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in Äthiopien und die Aufklärung über ihre Lebensumstände. Eine der Haupterrungenschaften: der Bau einer Schule, die „Moltke School“. Jetzt wird MfA 25 Jahre alt. Heute feiert die Schule das Jubiläum.

Alles begann mit einer Wette. Als Karlheinz Böhm, bekannt als Kaiser Franz aus den Sissi-Filmen, 1981 bei „Wetten, dass..?“ zu Besuch war, wettete er, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark spenden kann. Er gewann zwar die Wette, trotzdem kamen 1,2 Millionen Mark zusammen. Böhm fuhr damit nach Äthiopien und gründete die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“.

Anna Mokwa, amtierende Vorsitzende des Vereins
Anna Mokwa, amtierende Vorsitzende des Vereins „Moltke-Schüler für Afrika“ und früher Moltke-Schülerin, reiste 2016 nach Äthiopien und besuchte die „Moltke School“, die der Verein finanziert hatte. Foto: Gymnasium am Moltkeplatz Krefeld

Doch wie kam das Moltke mit der Äthiopienhilfe in Berührung? Es hat ganz klein angefangen. Erich Potrykus, einst Erdkundelehrer am Moltke, sprach mit seinen Schülern im Unterricht über die Dritte Welt. Karlheinz Böhm reiste zur selben Zeit durch Deutschland und hielt an Schulen Vorträge - so auch am Moltke. 1991 hat er hier die Schülerschaft mit einer Rede zuerst berührt und dann inspiriert. Ein Stein kam ins Rollen, 1993 folgten erste Spenden. 1998 gründete die Schülerschaft die Arbeitsgemeinschaft „Moltke für Afrika“. 2000 besuchte Almaz Böhm, die Frau Karlheinz Böhms, die Schule.

Die Schüler Nils Mokwa (r.) und
Die Schüler Nils Mokwa (r.) und Jan Weyl wurden 2004 von Karlheinz Böhm nach Äthiopien eingeladen. Beide Schüler waren sehr engagiert; Jan Weyl drehte später in Afrika einen Film. Foto: Gymnasium am Moltkeplatz

2004 kam das Ehepaar Böhm wieder einmal nach Krefeld und wurde im Foyer des Moltke Gymnasiums von einer großen Schüler- und Lehrerschar empfangen. Böhms Ansprache löste Begeisterungsstürme und Tatendrang unter den Schülern aus. Zwei fielen besonders auf: Die Schüler Nils Mokwa und Jan Weyl wurden mit dem engagierten Lehrer Martin Sander persönlich von Karlheinz Böhm nach Äthiopien eingeladen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. 2005 wurde das Engament als Verein „Moltke für Afrika“ organisiert, 2015 in „Moltke-Schüler für Afrika“ umbenannt.

Januar 2018 erfolgte die jüngste große
Januar 2018 erfolgte die jüngste große Spende über 2000 Euro von Rotary (v.l.): Udo Rademacher, Rolf Neumann, Anna Mokwa, Charlotte Te Neues, Laura Zecha, Anna-Christina Skopalik, Stefanie Lorkowski. Foto: Gymnasium am Moltkeplatz

Auf die erste Reise nach Äthiopien folgten bis zum heutigen Tag noch zwei weitere, auf denen jeweils drei unterschiedlich fortgeschrittene Gebiete besucht wurden: ein abgeschlossenes Projekt, ein laufendes und eines, das in den Anfängen steckt. 15 Jahre werden die Projekte betreut, federführend stets von Einheimischen. Anna Mokwa, zur Zeit 1. Vorsitzende des Vereins, erhielt 2016 die Chance, nach Äthiopien zu reisen: „Es ist unglaublich zu sehen, was Hilfe zur Selbsthilfe für einen Unterschied machen kann. Eine karge Landschaft kann mit ein bisschen Hilfe bewirtschaftet werden und erstrahlt in Grün. Man kann den Menschen helfen, sich selber eine Welt zu schaffen.“

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Für Schulleiter Udo Rademacher sind die Reisen nach Äthiopien eine der Zutaten für das Erfolgsrezept von MfA. Schüler aus Deutschland haben die Möglichkeit hinzureisen und Geschichten zurück nach Hause zu bringen. So bekommen die Beteiligten mit, dass das eigene Handeln positive Auswirkungen auf die Menschen in Äthiopien hat. Als Rademacher 2014 als Schulleiter ans Moltke kam, war er direkt begeistert, wie lange es MfA schon gibt. „Es ist unser soziales Schulprojekt, und ich glaube, das Erfolgsrezept ist, dass es so konkret, so greifbar ist.“

So ein Projekt braucht zahlreiche helfende Hände: In den vergangenen 25 Jahren haben sich unzählige Schüler und Lehrer im Rahmen von MfA engagiert. Zur Zeit gibt es jahrgangsübergreifend 40 Aktive. Darüber hinaus ist Anna-Christina Skopalik die Ansprechpartnerin vom Arbeitskreis Menschen für Menschen in Krefeld. Es ist wichtig, immer wieder durch die Klassen zu gehen, auf Festen präsent zu sein, zu informieren. „Es muss beachtet werden, dass Schüler jeden Alters beteiligt sind. Die älteren machen schließlich irgendwann Abitur und sind dann nicht mehr vor Ort. Das heißt nicht, dass man dann komplett aussteigt: Laura Zecha zum Beispiel engagiert sich als 2. Vorsitzende über ihren Schulabschluss hinaus für MfA. Bemerkenswert: Das Engagement ging stets von den Schülern aus. „Da stand kein Lehrer vor uns und hat gepredigt: Macht mal dies, macht mal das“, erzählt Anna Mokwa. Lediglich ein paar organisatorische Dinge wie Absprachen mit der Schulleitung oder Papierkram werden federführend von Stefanie Lorkowski übernommen, die Lehrerin am Moltke ist.

 Im Idealfall werden die Schüler dafür sensibilisiert, wie es Kindern in ihrem Alter in anderen Teilen der Welt geht und entwickeln Ideen, wie sie helfen können. Zum Beispiel mit einer Pfandflaschenaktion, mit einer Waffelback-Aktion, mit dem Verkauf von Kuchen und Obst an Schul- und Sportfesten, mit Bastelaktionen zu St. Martin, mit der Organisation von Benefizpartys. Und nicht zu vergessen: dem Spendenlauf, den wohl jeder Moltkeschüler etliche Male mitgemacht hat.

In den vergangenen 25 Jahren hat der Verein knapp 110.000 Euro an Menschen für Menschen spenden können. Davon konnten eine Schule und mehrere Brunnen gebaut und Jugendaktionen unterstützt werden. Immer mit dem Hintergedanken „Hilfe zur Selbstentwicklung“ fließt das Geld in die Bereiche Landwirtschaft und Ernährung, Wasser und Hygiene, Bildung und Gesundheit. Zum Beispiel werden Mikrokredite an Frauen und junge Menschen vergeben. Alphabetisierungs- und Impfkampagnen oder Schulungen zu effektiverem Anbau, Brunnenmanagement, Hygiene und Gesundheitsvorsorge werden organisiert.

2005 würdigte sogar der Bundespräsident Horst Köhler in einem Brief die Arbeit von MfA. Er schrieb: „Für mich gibt es keine großen oder kleinen Projekte. Jedes Projekt bringt allen, die sich daran partnerschaftlich beteiligen unheimlich viel“.